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Korruption
Fifa verlangte «Zeichen der Solidarität mit Afrika»

Der vierte Stern folgte 2014: In der Heim-WM 2006 spielte man mit drei Sternen. Flickr/CC/Bastian

Das Sommermärchen war mutmasslich gekauft. Nach dem «Spiegel» findet auch die «Süddeutsche Zeitung» Ungereimtheiten im Vorfeld der WM 2006. Der DFB ist in der Krise.

Veröffentlicht am 24.10.2015

In der Affäre um die Fussball-Weltmeisterschaft 2006 sorgt der Bericht über eine vermeintliche finanzielle Forderung des Weltverbands Fifa für neue Fragen. Informationen der «Süddeutschen Zeitung» zufolge solle die Fifa Mitte 2003 insgesamt 40 Millionen Euro vom deutschen WM-Organisationskomitee verlangt haben.

33 Millionen seien für Informations-Technik bei der WM vorgesehen gewesen, sieben Millionen Euro «zum Zeichen der deutschen Solidarität mit Afrika», heisst es unter Berufung auf OK-Unterlagen.

Schweigen bei den Behörden

Das Organisationskomitee um den Vorsitzenden Franz Beckenbauer habe dies laut einem Brief-Entwurf, der sich in Akten der deutschen Regierung befinde, abgelehnt. «Unter Einschaltung der Regierung» sei eine Lösung gefunden worden, in der es um spätere Zahlungen von 20 Millionen Euro und eine Beteiligung des OK an eventuellen Gewinnen gegangen sei, berichtete die Zeitung weiter.

Das deutsche Innenministerium teilte auf Anfrage mit, es könne den Bericht «aktuell» nicht bestätigen: «Eine abschliessende Bewertung bedarf der Auswertung der umfangreichen Aktenbestände im Innenministerium.»

Fifa mit eigener Untersuchung

Die Verbände verwiesen auf ihre jeweiligen eigenen Ermittlungen. «Wir werden dieser Angelegenheit wie allen von den Medien oder jedweder dritten Partei erhobenen Vorwürfen durch die unabhängige interne Untersuchung nachgehen, die derzeit im Auftrag der Fifa von externen Rechtsberatern durchgeführt wird», teilte der Weltverband auf Anfrage mit.

Der Deutsche Fussball-Bund (DFB) erklärte: «Wie das Präsidium gestern mitgeteilt hat, warten wir die Ergebnisse der laufenden Prüfung des Sachverhalts durch die Wirtschaftskanzlei Freshfields ab.»

Gegenwind in Deutschland

Der DFB ist seit Tagen unter Beschuss. Vor einer Woche berichtete das Nachrichtenmagazin «Spiegel», dass die Fussball-WM 2006 mutmasslich gekauft sei. Der DFB reagierte darauf mit einer Pressekonferenz. Der Chef des Deutschen Fussball-Bundes Wolfgang Niersbach wies den Bestechungsvorwurf zurück.

In der aktuellen Ausgabe doppelte der «Spiegel» nochmals nach. Das Magazin stützt sich auf den ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger. Es sei eindeutig, dass es in der deutschen WM-Bewerbung eine schwarze Kasse gab, sagt er. Es sei auch klar, dass Niersbach davon wisse. Zwanziger bezichtigt Niersbach der Lüge. Gemäss seinen Aussagen sei die ominöse Millionenzahlung, über die sich Fussball-Deutschland seit einer Woche den Kopf zerbricht, an Mohammed Bin Hamman gegangen. Bin Hamman ist seit 2012 lebenslang gesperrt. Der Katarer holt die WM in den Wüstenstaat.

(sda/ise)

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