Die englische Premier League erlebt ein blaues Märchen. Mit Leicester City stürmt ein absoluter Aussenseiter auf den Titelgewinn zu. Am Sonntag können die «Füchse», wie das Team auch genannt wird, gegen Manchester United alles klar machen. Ein Sieg würde das Fussballmärchen auf der Insel perfekt machen.

Als Leicester City im August 2015 zum ersten Spiel der Saison gegen den AFC Sunderland aufliefen, hat niemand an den Titelgewinn gedacht. Die Buchmacher rechneten mit dem Üblichen. In den letzten 20 Jahren gewannen vier Teams die Meisterschaft: Elfmal stand Manchester United ganz oben auf dem Treppchen, viermal Chelsea, dreimal Arsenal und zweimal Manchester City.

Sturmlauf eines Traumduos

Die Füchse fegten den Gegner im heimischen Stadion aber fulminant vom Platz. Stürmertalent James Vardy, der bis ins Jahr 2010 noch in der achten britischen Liga rumgurkte und wegen einer Pubschlägerei eine Fussfessel trug, eröffnete den Torreigen nach elf Minuten. Der geniale Mittelfeldspieler Riyad Mahrez, der im April zum besten Fussballer der englischen Premier League gekürt wurde, baute den Vorsprung mit zwei weiteren Toren aus. Nach 25 Minuten stand es bereits 3:0. Zum Schluss gewann das Team 4:2.

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Die erste Niederlage steckten die Füchse ersten im siebten Spiel ein. Das Londoner Team Arsenal demütigte die Füchse. Torhüter Kasper Schmeichel, der Sohn der dänischen Keeper-Legende Peter Schmeichel, musste sich gleich fünfmal bücken, um den Ball aus den Maschen zu holen. Es war die einzige Heimniederlage der Saison und eine von bisher nur drei Niederlagen in 35 Partien.

Wider die Milliarden

Die Geschichte der Füchse ist ein Märchen im durchgestylten Milliardengeschäft Spitzenfussball. Der Gesamtmarktwert des Kaders beläuft sich laut Transfermarkt.ch auf 127 Millionen Euro. Das ist zwar doppelt so viel wie beim wertvollsten Schweizer Club, dem FC Basel. Im Vergleich zu den Top-Clubs der Premier League sind das aber Peanuts. Das Team von Manchester City kommt auf einen Wert von über 500 Millionen Euro. Chelsea, Arsenal, Manchester und Liverpool spielen allesamt in einer anderen Finanzliga.

Der wertvollste Spieler im Ensemble ist Riyad Mahrez. Der algerische Nationalspieler gelangte über die französische Amateurmannschaft von Quimper und den Zweitligaklub Le Havre zu Leicester. Der Transfer kostete seinerzeit eine halbe Million Euro. Mittlerweile wird sein Marktwert auf mindestens 20 Millionen Euro geschätzt.

«Katastrophe des Jahrhunderts»

Schmied des Erfolgsteams ist ausgerechnet Claudio Ranieri. Der Italiener war einst Vorgänger von José Mourinho bei Chelsea und wechselte dann fast im Jahrestakt die Stelle. Er wurde in Spanien, Italien und Monaco rumgereicht und landete im Sommer 2014 in Griechenland. Bei den Hellenen sass er nur für vier Spiele auf der Trainerbank. Nachdem der «Katastrophe des Jahrhunderts», als die Griechen zuhause gegen die Färöer Inseln untergingen, musste er die Trainerbank räumen.

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Ranieri folgt auf Nigel Pearson, der vom thailändischen Clubbesitzer gefeuert wurde, weil seine Spieler Sex-Orgien feierten und auf Video aufzeichneten. Der Trainerwechsel war eins von zwei Symbolen, die für eine neue Ära beim Club standen. Das zweite war der Transfer des Schweizer Nationalspielers Gökhan Inler. Für ihn endet das Märchen aber weniger zauberhaft: Seit Monaten ist er nicht mehr erste Wahl bei Ranieri.