Heute startet im Letzigrund Stadion die Europameisterschaft der Leichtathletik in Zürich. Rund 1400 Athleten aus 50 Nationen messen sich bis zum 17. August im Marathon, Hochsprung, 100-Meter-Lauf und vielen weiteren Disziplinen. Nicht nur die Sportler kämpfen um den Erfolg. Am Start ist auch die SRG. Für die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft ist der Mega-Sportevent die bisher grösste und aufwändigste Eigenproduktion aller Zeiten.

«Die SRG ist verantwortlich für das Zur-Verfügung-Stellen der Services für 37 europäische TV- und Radio-Stationen vor Ort» sagt Karin Nussbaumer, Verantwortliche für das SRG-Projekt gegenüber «handelszeitung.ch». Zu den ausländischen Stationen zählen etwa die britische BBC oder die deutsche ARD. Aber auch in Südafrika, Dubai, Israel und Brasilien werde die EM ausgestrahlt, so Nussbaumer.

Zweistelliger Millionenbetrag investiert

370 Millionen Zuschauer werden die Leichtathletik am Bildschirm verfolgen, so die Erwartung. Bis zu 300 SRG-Mitarbeiter werden während der EM im Einsatz stehen. Die TV-Übertragung produziert die SRG im Auftrag der European Broadcasting Union (EBU) und der European Athletics Association (EAA). Wie hoch die Investitionen dabei sind, will Nussbaumer nicht sagen. Auch zu den Einnahmen nimmt sie keine Stellung. Die verschiedenen Dienstleistungen der SRG stelle man den Stationen in Rechnung, sagt sie. Laut der Schweizer Agentur «Sportinformation» dürften sich die Kosten für das Projekt auf einen tieferen zweistelligen Millionenbetrag belaufen.

Anzeige

Schon bei den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi betrieb die SRG einen riesigen Aufwand. Für die Fussball-WM in Brasilien schaltete die SRG dann aber auf Sparflamme: Ein TV-Studio in Brasilien gab es beispielsweise nicht. Hielt man sich etwa wegen des Mammutprojekts namens Leichtathletik-EM finanziell zurück? «Die SRG hat für jeden Event ein separates Budget aufgrund der programmlichen Bedürfnisse», sagt Roland Mägerle, Leiter Grossprojekte Business Unit Sport bei der SRG.

«Acht SRG-Produktionseinheiten sind zuständig»

Im Stadion alleine sind 80 Kameras aufgestellt. Darunter befinden sich Ultra-Hight-Speed- sowie Superslomotion-Kameras. Im Letzigrund Stadion und in der Zürcher Innenstadt sind gut 20 Kilometer Kabel verlegt worden. Eine grosse Herausforderung für die SRG ist die Tatsache, dass bei einem Leichtathletik-Anlass viele Wettkämpfe zur gleichen Zeit stattfinden. Das fordert der Regie in Sachen Ablauf, Koordination und Organisation viel ab. Wichtige Ereignisse dürfen auf keinen Fall verpasst werden.

«Da alle Disziplinen abgedeckt werden müssen, werden täglich bis zu zehn Feeds hergestellt», sagt Karin Nussbaumer. Zum Vergleich: Bei einem Fussballspiel oder einem Skirennen genügt lediglich ein sogenannter Feed. «Acht SRG-Produktions sind dafür zuständig», so Nussbaumer. Erfahrung für solche Abenteuer hat die SRG schon beim jährlichen Leichtathletik-Event Weltklasse Zürich oder Athletissima in Lausanne gesammelt.

Mangelndes Interesse

Eine grosse Herausforderung ist das Letzigrund selbst. Rund um das Stadion ist der Platz für die technische Infrastruktur stark begrenzt. Auch sonst ist die Open-Air-Arena für solche Mega-Events viel zu klein. Die Athleten müssen sich etwa auf anderen Sportplätzen wie dem Utogrund oder dem Sihlhözli vor ihren Wettkämpfen warm machen. Danach werden sie ins Stadion gebracht.

Anzeige

Ob sich der Aufwand für die SRG auszahlt, steht in den Sternen: Für die Ansprüche der Technik ist das Stadion zwar sehr klein, doch ob es sich zu den Wettkämpfen überhaupt vollständig füllt, bleibt ungewiss. Seit dem Jahr 2000 ist das Interesse der Schweizer an Leichtathletik stark gesunken. Erst zuletzt besserten sich die Quoten beim Meeting Weltklasse Zürich wieder. Dafür gesorgt hat vor allem 100-Meter-Superstar Usain Bolt. Doch der ist Jamaikaner und daher an der EM nicht am Start – dafür aber bei Weltklasse Zürich am 28. August.