Ein sporthistorisches Ereignis für alle Eidgenossen: Erstmals hat die Schweiz mit dem Davis Cup den wichtigsten Teamwettbewerb im Tennis gewonnen. Neben den beiden Superstars Roger Federer und Stan Wawrinka ist Captain Severin Lüthi der wichtigste Architekt des Erfolgs. Erst Anfang Monat gab der Coach und Motivator der «Handelszeitung» ein grosses Interview.

Die grossen Fragen in dem Gespräch: Wie gelangt man an die absolute Weltspitze – wie wichtig sind für den Weg nach oben harte Arbeit, was vermag man allein mit Talent? Und was lässt sich aus den Erfolgen der Superstars für Alltag und Beruf von Normalos ableiten?

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«Wer bei Erfolg abhebt, verschenkt viel»

Fakt ist: Federer und Wawrinka sind zwei unterschiedliche Charaktere, zwei verschiedene Spielertypen, sagt Lüthi. «Roger ist für sein Talent bekannt, er macht das mit dem Bauch. Stan ist der Arbeitertyp.» Wawrinka sei ein unglaubliches Beispiel, wie hart man an sich arbeiten kann. «Aber Roger arbeitet natürlich auch hart, nur mit Talent wäre er nie so weit gekommen.»

Auf dem Niveau, auf dem sich Federer und Wawrinka bewegen, ist klar: Die eigene Motivation muss die Basis für jeden Erfolg sein, weniger der Antrieb von aussen. «Man darf gerade an der Spitze nicht vergessen, dass man in einer privilegierten Situation ist, und muss mit den Füssen am Boden bleiben», sagt Lüthi. Denn die Zeit, in der man wirklich «etwas reissen kann, ist oft beschränkt.» Soll heissen: Wer bei Erfolg abhebt, verschenkt viel. «Weitere Punkte sind Disziplin und die Notwendigkeit, die richtigen Prioritäten zu setzen.»

«Tagesablauf von Managern beeindruckend»

Ebenfalls ein spannendes Thema für Lüthi ist der Umgang mit Niederlagen. So könne ein Spieler nach entscheidenden Fehlern zehn Tage zerstört im Hotel abhängen. «Oder man nimmt sie sportlich, geht eben auf den Tennisplatz und sucht nach einer Lösung.» Die Motivation, wieder auf den Platz rauszugehen, findet sich laut Lüthi schneller mit dem Gedanken daran, in welch privilegierter Position man sei. Ähnliches dürfte für Alltag und Beruf im Büro gelten.

Erfolgscoach Lüthi sieht jedoch keineswegs nur den Tennissport als Vorbild für die Wirtschaft, im Gegenteil. Der Tagesablauf von Spitzenmanagern sei beeindruckend. «Auch von den geregelten Tagesabläufen kann man sich inspirieren lassen. Manager verstehen es in der Regel, Prioritäten zu setzen – das sollten wir für unser Training von ihnen lernen.» Auch ihre Fähigkeit zu delegieren, müsse man mit in den Spitzensport nehmen.

Hier geht’s zum vollständigen Interview mit Davis-Cup-Sieger Severin Lüthi.