Katar, Ausrichter der Fussball-Weltmeisterschaft 2022, gerät mehr denn je unter Druck. Am Donnerstag entschied das Exekutivkomitee der Fifa bei seiner Sitzung in Marrakesch, dem Emirat ein Ultimatum hinsichtlich der Verbesserung der Menschenrechtslage zu stellen. Ansonsten drohe der Entzug der WM. Das erfuhr das deutsche Qualitätsblatt «Die Welt» aus Kreisen des Führungsgremiums des Weltverbandes.

Das deutsche Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees Theo Zwanziger hatte Anfang Dezember vorgeschlagen, bei dem Treffen in der marokkanischen Königsstadt über eine Deadline zu entscheiden.

Kommission soll Arbeitsbedingungen überwachen

Konkret fordert Zwanziger von Katar, bis zum 15. März eine unabhängige Kommission einzurichten, die dauerhaft Arbeits- und Lebensbedingungen der Hunderttausenden Gastarbeiter in dem Wüstenstaat überprüft. Diese Massnahme hatte die britische Anwaltskanzlei DLA Piper nach einer Untersuchung in Katar im Mai empfohlen, die Führung im Emirat ignoriert den Vorschlag bislang.

Hinter verschlossenen Türen wurde Zwanzigers Vorschlag vom Exekutivkomitee abgesegnet. Hat Katar bis März keine Kommission eingerichtet, soll einer der 209 Nationalverbände den Antrag stellen, dem Staat die WM wieder zu entziehen. Darüber würde auf dem Fifa-Kongress im Mai 2015 entschieden.

Garcia-Bericht soll veröffentlicht werden

Zudem einigte sich das Komitee am Freitag darauf, den hochbrisanten Garcia-Report zu veröffentlichen. Der frühere US-Bundesanwalt und inzwischen zurückgetretene Chefermittler Michael Garcia hatte in den vergangenen beiden Jahren die Korruptionsvorwürfe rund um die WM-Vergaben 2018 an Russland und 2022 an Katar untersucht. Öffentlich geworden war bislang nur die stark verkürzte und weltweit kritisierte Auswertung des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert (München). «Ich bin sehr froh über diesen Schritt», teilte Präsident Sepp Blatter anschliessend mit.

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Zumindest in Teilen soll der 430-Seiten-Bericht Garcias an die Öffentlichkeit gelangen. Welche Abschnitte vor allem des Zeugenschutzes wegen «geschwärzt» werden müssen, soll die Ethikkommission in den kommenden Wochen entscheiden.

Dieser Artikel ist zuerst in unserer Schwester-Publikation «Die Welt» erschienen.