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Accel Partners: Mit Krishnas Segen

Der Schweizer Unternehmer Arnaud Bertrand: Bekam 40 Millionen von Accel.
Der Schweizer Unternehmer Arnaud Bertrand: Bekam 40 Millionen von Accel.

Das Risikokapitalunternehmen entdeckte ­Facebook. Eine Beteiligung der ­Amerikaner gilt für Jungunternehmen als Ritterschlag – wie nun bei einer Lausanner Firma.

Von Nele Husmann
2012-11-07

Eine Oase von Ruhe, Gesundheit und Balance – so vermarktet sich das Londoner Hare-Krishna-Restaurant Govinda‘s. Kein Fleisch, kein Fisch, keine Eier. Dazu keine Zwiebeln, kein Knoblauch und keine Pilze – und am Ende werden alle Gerichte Krishna selbst zum Segnen dargeboten. Ist das der Ort, wo man einen Millionendeal verhandelt? «Es ist schon etwas ungewöhnlich, dort Dinge wie eine Unternehmensbewertung zu diskutieren», erklärt Arnaud Bertrand, der 27-jährige Gründer des Schweizer Jungunternehmens HouseTrip. Doch genau im Govinda‘s an der 10 Soho Street verhandelte der Schweizer die Finanzierung seiner Online-Ferienhausbörse mit dem Private-Equity-Haus Accel.

Dank Krishnas Segen soll dieses Investment unter einem guten Stern stehen – wie fast alles, was die amerikanische Risikokapitalgesellschaft in den vergangenen Jahren anfasste. Für ein junges Unternehmen ist es wie ein Ritterschlag, wenn es Geld von Accel Partners erhält. Denn die Amerikaner waren schon bei Facebook dabei. Das machte sie steinreich und unsterblich. «Accel definiert ganz klar die neue Ära im Internet-Investieren», sagt Rob Solomon von Groupon. Auch das Schnäppchenportal wurde duch Accel finanziert. Die Liste der Hits in den USA und in Europa ist noch um einiges länger. Darauf steht zum Beispiel der Spieleentwickler Rovio, der durch Angry Bird weltbekannt wurde, die Handarbeits-Verkaufsplattform Etsy oder der Musik-Streaming- Anbieter Spotify.

HouseTrip war denn auch in europäischen Venture-Capital-Kreisen längst kein Geheimtipp mehr. Die beiden angesehenen europäischen Risikokapitalgeber Index und Balderton investierten bereits früher in das 2009 gegründete Startup. Mit Accel interessierte sich aber nun die Top-Liga für das vor drei Jahren gegründete Unternehmen aus Lausanne.

HouseTrip ist das erste Schweizer Unternehmen, das Accel finanziert. Dass es eine grosse Londoner Niederlassung unterhält, half beim Zustandekommen des Deals. Auch Accel hat ein Büro in London: «Ich kannte Sonali De Rycker bereits und hatte ihr versprochen, dass ich zuerst sie benachrichtigen würde, wenn wir eine weitere Finanzierungsrunde brauchen würden», sagt Bertrand. Zudem ist auch das Umfeld an der Themse ein ganz anderes. «Die Schweiz hat mannigfache Vorteile, aber hier gibt es einfach nicht dasselbe Internet-Talent-Ökosystem wie in London», sagt Bertrand.

Hier hatte der HouseTrip-Gründer auch De Rycker kennengelernt. Die Inderin fädelte schon das Accel-Investment in die schwedische Musikfirma Spotify ein. Aufgewachsen in Mumbai konnte sie dank eines Stipendiums später in den Vereinigten Staaten ein Studium abschliessen. «HouseTrip hat ein Weltklasseprodukt und Managementteam und das Potenzial, einen sehr erfolgreichen Marktplatz für Ferienhäuser zu schaffen», schwärmt sie.

De Rycker stellte HouseTrip 40 Millionen Dollar für die Entwicklung neuer Technologien und die internationale Expansion bereit – eine riesige Summe für Jungfirmen. «Hier muss man nicht seine Fotos einstellen und beten», sagt die Risikokapitalexpertin. «Die Algorithmen von HouseTrip funktionieren. Fast die Hälfte der Anbieter vermietet ihr Domizil in den ersten drei Monaten.»

Die Investitionssumme in Housetrip ist für Accels Verhältnisse überschaubar. Der Risikokapitalgeber verwaltet Fonds über ­­8 Milliarden Dollar und investierte in den 29 Jahren seines Bestehens bereits in mehr als 500 Unternehmen. Allein 2011 sammelte er 2,9 Milliarden Dollar neue Anlagegelder ein. Für alle verlangt Accel die in der Branche übliche 2,5-prozentige Managementgebühr. Geht eines der von ihm gehaltenen Unternehmen an die Börse oder wird übernommen, behält Accel eine Erfolgsprämie von 30 Prozent des Gewinns ein.

Schmerzhafte Erfahrungen

Das Mutterhaus des Venture-CapitalHauses sitzt in Kalifornien, nur einen Steinwurf entfernt vom Facebook-Campus in Palo Alto im Silicon Valley. Accels Firmenmotto stammt aus dem Mund des französischen Apothekers Louis Pasteur: «Das Glück bevorzugt den, der vorbereitet ist.» Für die Mitarbeitenden bedeutet das, genau zu wissen, wer sie sind und wer sie nicht sind und entsprechend zu investieren. Die Partner fokussieren auf einige wenige Branchen, sodass sie bereit sind zuzuschlagen, wenn sich eine lukrative Möglichkeit ergibt.

Accel Partners wurde 1983 von Arthur Patterson und Jim Swartz gegründet. Die beiden hatten sich bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber Citicorp kennengelernt. 1987 stiess der heutige Managing Director Jim Breyer frisch ab der Uni Harvard dazu. Die 1990er-Jahre verliefen sensationell. Der Fonds von 1996 verzwanzigfachte das Geld der Investoren. Ein Anlagemythos war geboren.

Doch dann platzte die Dotcom-Blase. Breyer erlebte im Jahr 2000, wie weh es tun kann, wenn der Markt sich gegen einen dreht und Investoren keine neuen Gelder mehr bereitstellen. Es kam danach aber noch schlimmer. Accel verpasste den Einstieg beim neuen Internet-Wunderkind Google. Das verschmerzten viele Kunden nicht. 2004 feuerte der Stiftungsfonds von Princeton Accel, auch Harvard und das MIT forderten ihr Geld zurück. Es folgte eine mehrjährige Durststrecke. 2008 rangierte Breyer auf der Liste der erfolgreichsten Venture-Kapitalisten des amerikanischen Magazins «Forbes» auf Platz 90.

Doch anders als viele andere Venture-Kapitalisten, für die solch ein Absturz den Tod bedeutete, rappelte sich Accel wieder auf. Heute steht Breyer wieder auf Platz eins der Bestenliste. Ihm wird zugeschrieben, dass er das Investment in Facebook an Land zog. Mark Zuckerberg hatte die Finanzierung bereits durch das Tradi­tionsblatt «Washington Post» gesichert, als Breyer ihn überzeugte, sich doch lieber das Geld von Accel geben zu lassen. Er bewertete das Unternehmen 2005 mit 98 Millionen Dollar und investierte 12,2 Millionen Dollar. Seitdem 460-fachte sich das Investment. «Der Facebook-Deal katapultierte Accel an die Spitze der Silicon Valley Venture-Unternehmen, ähnlich wie die Investments in Amazon und Google Kleiner Perkins Caufield & Byers vom Rest abhoben», sagt Mitch Kapor, ein Risikokapitalgeber aus San Francisco, der von 1999 bis 2001 für Accel arbeitete.

Auch unabhängig von Facebook regnete es in den letzten Jahren Millionen für Accel – Unternehmen wie Ad Mob, Playfish oder Quidisi wurden für Hunderte von Millionen Dollar verkauft, andere wie Kayak, Trulia und Groupon gingen erfolgreich an die Börse.

Ein 14-jähriger Zyklus

Natürlich besteht die Gefahr, dass die Social-Media-Blase platzt. Das könnte Accel als prominentestem Spieler gefährlich werden. Schon als die Facebook-Aktie nach dem Börsengang im Sommer um rund die Hälfte abstürzte, bedeutete das für Accel einen Buchverlust von 2 Milliarden Dollar. Nicht zuletzt heisst der Schweinezyklus im Venture-Capital-Geschäft Patterson Cycle. Der Gründer definierte, dass das Risikokapitalgeschäft 14-jährige Kreisläufe durchläuft. Zwei Jahre Blase, fünf Jahre Absturz und dann wieder sieben Jahre allmählicher Aufbau bis zur nächsten Blase.

Entsprechend bemüht Accel sich, zu diversifizieren. Das Haus sieht viele Chancen ausserhalb der USA. Heute ist es der einzige wahrhaft globale Risiko­kapitalgeber. Allein das Londoner Team, insgesamt zwölf Partner, investierte bereits in 16 verschiedenen Ländern. Noch wichtiger aber sind Chancen in China und Indien. In Bangalore arbeiten neun Partner. Hier ist Accel bei den beiden Amazon-Pendants Myntra und Flipkart engagiert. Auch in das Ticketvermittlungsunternehmen Bigtree Entertainment ist es investiert. Das grösste Büro weltweit liegt aber in Peking: Hier arbeiten 23 Partner an Investmentideen. 2011 wurde mit 1,3 Milliarden Dollar für die Volksrepublik genauso viel Geld eingesammelt wie für Investments in den Vereinigten Staaten: «China ist nicht mehr der Satellit der USA», sagt Breyer, im Gegenteil: «Vielleicht werden die USA der Satellit von China.»

In diese globale Ausrichtung passt das HouseTrip-Engagement glänzend. Und in Accels jüngste Erfolgsserie auch. Bislang enttäuschten die Lausanner noch keinen Anleger. Ein deutscher Hausbesitzer, der sein Ferienhaus seit 20 Jahren vermietete, traf Bertrand 2009 direkt nach dem Start. Der war so begeistert davon, wie die Schweizer Internetseite ihm die Arbeit erleichterte, dass er fast seine gesamten Ersparnisse in das Startup investierte. «Das lohnte sich für ihn sehr», sagt Bertrand schmunzelnd. Wer weiss, wie sich das Investment HouseTrip erst für Accel rechnet – das Karma jedenfalls ist positiv.

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