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Start-up-Szene: Rohdiamanten in den Hochschulen

Grafikquelle: «Die besten Schweizer Start-ups 2011 – Top 100»/IFJ
Grafikquelle: «Die besten Schweizer Start-ups 2011 – Top 100»/IFJ

Die Schweiz strotzt vor Innovationskraft und Jungunternehmen. Ihr volles ­Potenzial hat sie aber noch nicht ausgeschöpft.

Von Beat Schillig
2011-10-12

Die Schweiz war schon immer ein Land der Erfinder. So wurden hier neben dem Internet und dem Personal Computer viele weitere nützliche Dinge entwickelt. Viel zu oft sind dann aber die eigentliche Innovation und deren Vermarktung im Silicon Valley passiert. Geblieben ist uns gerade noch die Computermaus von Logitech. Auch die ­nächste Generation von Computermäusen stammt aus der Schweiz – die Scanner­maus von Dacuda. Zwischen Logitechs erstem Prototyp und dem Zürcher Start-up liegen 20 Jahre.

Obwohl in den Schweizer Bergen scheinbar alles beim ­Alten geblieben ist, hat sich enorm viel verändert. Die aktuellen Mäuse­unternehmer sind nicht mehr alleine auf weiter Flur. Es gibt heute Hunderte von Start-ups. Immer mehr entwickeln globale Visionen, um die Potenziale zu realisieren, die in ihren Technologien schlummern. Die Medizin­branche stellt mit 23 Betrieben den grössten Teil der Top 100 Start-ups. Ein deutliches Zeichen für die Innova­tionskraft dieses Wirtschaftszweigs. Aber auch in den Sparten Biotech, Nanotech, Internet, Software und Cleantech machen sich Schweizer Jungunternehmen auf, an der Weltspitze mitzumischen.

Kein Zufallsprodukt

Die Zunahme innovativer Start-ups ist über alle Branchen hinweg zu beobachten. Der Trend ist ungebrochen. Als Frühindikatoren dienen beispielsweise die jähr­lich wachsenden Teilnehmerzahlen am nationalen Trainingsprogramm Venturelab der Kommission für Technologie und Innovation (KTI). Insbesondere die Veranstaltungen an den Hochschulen, wo sich die Studierenden mit erfolgreichen Jungunternehmern austauschen, verzeichnen grossen Zulauf. Im letzten Mai zwängten sich über 600 Interessierte in zwei Auditorien an der ETH Zürich, um den Erfolgsrezepten von Skype-Gründer Niklas Zennström zu lauschen.

Nicht nur die Quantität der Projekte entwickelt sich positiv. Das Feedback, das die Schweizer Start-up-Nationalmannschaft Venture Leaders jeweils während ihres zweiwöchigen Business-Development-Trips in Boston erhält, ist eindeutig. Wir spielen mit den Amerikanern heute in derselben Liga, was die Qualität der Projekte in der Saatphase anbelangt. Ein Indiz ist das zunehmende Interesse internationaler Investoren an Schweizer Start-ups – Zennström von Skype machte in Zürich Halt im Rahmen des Open Office Program von Atomico Ventures, mit nur sechs bis acht Besuchen pro Jahr in ausgewählten Städten auf der ganzen Welt. So gibt es auf der Top-100-Liste auch verschiedene Jung­unternehmen, die Finanzspritzen von internationalen Top Venture Capitalists erhalten haben.

Der Erfolg des Innovationsstandorts Schweiz ist kein Zufallsprodukt. Im Hintergrund haben verschiedene Akteure in einem engen Zusammenspiel die Saat für das heutige vitale Ökosystem ausgebracht. Eine Schlüsselrolle kommt der KTI zu. Sie hat mit der Projektförderung, dem Start-up-Coaching und dem Trainingsprogramm Venturelab einen wichtigen Grundstein gelegt. Wichtig sind auch die vielen Technoparks, Gründerzentren und Inkubatoren. In der Pre-Seed Stage konnte das Funding Gap dank Venturekick seit 2007 etwas gelindert werden. Mit dem Einsatz von 7 Millionen Franken von privaten Stiftungen konnten 140 Hightech-Gründungen an über 20 Schweizer Hochschulen initiiert werden.

Grosse Potenziale

Allerdings gibt es keinen Anlass, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Die hervorragende Grundlagenforschung in der Schweiz fördert laufend neue Poten­ziale zutage. Aus diesem Wissen markt­fähige Anwendungen zu kreieren und sie dann global erfolgreich zu vermarkten, ist die Herausforderung fähiger Jungunternehmer. Über die Jahrzehnte entstehen aus diesen zarten Pflänzchen Konzerne und Arbeitsplätze für unsere Kinder.

Wenn die Schweiz ihre Innovationskraft voll ausschöpfen will, dann muss sie die guten Rahmenbedingungen, die sie in den letzten zehn Jahren geschaffen hat, noch weiter stärken. Es muss dafür gesorgt werden, dass sich der Unternehmervirus an den Hochschulen noch stärker verbreitet und mutige Pro­jekte mit Training und Coaching bei der Finanzierung unterstützt werden. Es muss das erklärte Ziel sein, die Population an Start-ups über die nächsten fünf Jahre nochmals zu ver­doppeln. Viele Potenziale in Form von hochstehenden Forschungs­resultaten und für das Unternehmertum geeigneten Hochschulabgängern liegen noch ver­borgen – sozusagen als Roh­diamanten in den Schweizer Bergen.

Beat Schillig, geschäftsführender Partner, IFJ Institut für Jungunternehmen, St.Gallen.

In unserer Bildergalerie erfahren Sie Details zu den zehn besten Schweizer Start-ups

Die besten Schweizer Start-ups 2011: Plätze 11 bis 100 (pdf)

Bildergalerie: Die besten zehn start-ups

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