US-amerikanische und deutsche Unternehmen betreiben eine andere Art von Innovation. Deutsche perfektionieren Bestehendes. Amerikaner erschaffen Neues. Ein Beispiel: Während Jahrzehnten war Ford die meistverkaufte Automarke der Welt. Henry Ford hatte die Fliessbandproduktion in der Fahrzeugherstellung eingeführt und sich damit einen neuen Weltmarkt geschaffen. Das war disruptiv. Aber kopierbar. So wurde Ford in den frühen 1970er Jahren vom VW Käfer aus deutschen Werkstätten überflügelt. Deutschland wurde eine Autonation und pro-Kopf-Exportweltmeisterin für Fahrzeuge. Trotzdem wirbelt mit Tesla heute just ein amerikanisches Unternehmen die Branche auf.

Das ist kein Zufall. Offenbar hat Deutschland die besseren Ingenieure. Doch die Amerikaner haben die besseren Ideen – oder sind zumindest mutiger bei deren Umsetzung. Oft wird das mit dem amerikanischen Unternehmertum erklärt, bei dem Scheitern nicht primär als Gesichtsverlust, sondern als wichtiger Zwischenschritt im Lernprozess gilt. «Solche kulturellen Erklärungen greifen zu kurz», sagt Patrick Emmenegger, Professor für politische Ökonomie an der Universität St. Gallen. Vielmehr sei es ein Zusammenspiel aus Bildungssystem und Arbeitsrecht, das in den USA die disruptive Innovation begünstigt.