Ein Institut könnte Bewegung im Markt gebrauchen, obwohl es so unter den Negativzinsen leidet wie kein anderes: die Postfinance. Sie sitzt auf einem Berg an Kundengeldern, die sie infolge der Finanzkrise akquiriert hat. Selber darf sie diese nicht in Form von Krediten vergeben. Welche grössere Bank kommt als erste mit Negativzinsen für Kleinkunden? Alle warten ab, keine prescht vor. Erst recht, da die Nationalbank den Richtzins bei –0,75 Prozent belässt.

Zunächst schien dieses Geschäftsmodell aufzugehen. Doch seit das Geld am Kapitalmarkt keinen Zins mehr abwirft, wird das Kundengeld zunehmend zum Ballast. Die Zinserträge brechen ein, der Konzerngewinn lag 2018 noch bei einem Drittel des Höchststandes. Schon heute verrechnet die Post-Tochter Kunden mit mehr als 500'000 Franken Liquidität daher einen Zins von 1 Prozent.

Schritte sind nur eine Frage der Zeit

«Alle Banken spüren den Druck, weitere Schritte zu unternehmen», sagt ein Sprecher von Postfinance. Er bestätigt die besonders exponierte Lage der Postfinance: «Wir haben dieses Quersubventionierungsmodell über Kredite und Hypotheken nicht. Daher schmerzen uns die negativen Marktzinsen stärker.»

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Den Freiraum bei der Nationalbank habe die Postfinance ausgeschöpft. Den einzigen Spielraum habe sie noch auf der Kundenseite. Den Zins weiter zu senken, bringe aber nicht sehr viel, sagt der Sprecher. «Effektiver wäre das Senken des Freibetrags. Wir möchten die Negativzinsen aber auch zukünftig nicht an Kleinsparer weitergeben.» Doch was, wenn jemand anderes vorpreschte?

«Alle hocken in den Start­löchern», sagt der Finanzchef einer Regionalbank. «Wenn eine Grossbank Negativzinsen bei Kleinkunden einführt, ziehen alle nach.» Doch die Wahrscheinlichkeit dafür ist gering; zu gross ist die Angst der Banken vor einem Banken-Run. Negativzinsen könnten Kleinkunden dazu bewegen, Geld in bar abzuheben und dem Banksystem zu entziehen.