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Amerikanisch
111 Jahre und kein bisschen leise

Der Unterricht an der HSLU erfolgt einmal im Monat in Blöcken von zwei, drei Tagen. (Bild: Peter Frommwiler)

1902 wurde in den USA der Master of Business Administration erfunden – an der heutigen Tuck School of Business at Dartmouth College.

Von Helga Wienröder
am 18.09.2013

Auf dem Wappen des Dartmouth College strahlt die Sonne, in der ein geöffnetes Buch liegt. Neben dem alten Gebäude blühen Bäume und zwei Menschen laufen mit einem offenen Buch auf die Universität zu. Das Emblem ist umrahmt von den Worten «Vox Clamantis In Deserto» («Die Stimme eines Rufers in der Wüste»). Hier begann die Geschichte und der Mythos des MBA-Vollzeitstudiums.

Das Dartmouth College ist die neunt­älteste Universität der USA und die letzte Hochschulgründung der amerikanischen Kolonialzeit. Die Lehranstalt ist eine der acht Akademien der elitären Ivy League, zu der auch Harvard, Princeton und Yale gehören, sowie die Geburtsstätte des Master of Business Administration, der 1902 in seiner Urform Master of Commercial Science hiess. Das war noch vor der Gründung der Tuck School of Business. 31 Jahre vorher wurde das Dartmouth College zunächst als Schule für Indianer von einem protestantischen Geistlichen gegründet, später aber in eine staatliche Universität umgewandelt. Heute sind auf dem Gelände 40 Institute und Forschungsprojekte angesiedelt, darunter seit 1900 die Tuck School of Business, damals noch unter dem Namen Amos Tuck School of Administration and Finance. Der Ursprung des Programms in den USA, der führenden Wirtschaftsnation der Industriegesellschaft, hat dem MBA zweifellos einen Startvorteil beschert. In der Folge waren die ersten Absolventen verstärkt in den Chefetagen internationaler Konzerne zu finden, was dem MBA über Jahre hinweg das Image als Türöffner bescherte.

HSG als Partner in der Schweiz

Die Ausbildung konzentriert sich heute auf den Master of Business Administration – und nur auf diesen. Er wird nach einem zweijährigen Vollzeitstudium erreicht. Im ersten Jahr werden Pflichtkurse absolviert, während im zweiten Jahr Wahlfächer besucht werden. Das MBA-Programm gehört zu den kleinsten der Ivy League, wird jedoch in diversen Rankings in oberen Posi­tionen geführt. So hat der «U.S. News & World Report» Tuck dieses Jahr als beste Business School in der Kategorie Management an die Spitze gesetzt. Die «Financial Times» listet Tuck im gleichen Jahr auf dem 16. Rang unter den 100 weltweit besten Vollzeit-MAB. Die Studenten profitieren hier von Austauschprogrammen mit renommierten Universitäten rund um den Globus: In Australien, China, Japan, Süd­korea, Indien, Italien, Mexiko und vielen anderen Ländern. In der Schweiz kooperiert die Universität St. Gallen (HSG) mit der Tuck School, in Frankreich die HEC Business School, in Grossbritannien die London Business School, in Spanien die IESE Business School und in Deutschland die Graduate School of Management Leipzig.

Tuck aktualisiert das Programm jedes Jahr. 2011 hatte dies zur Folge, dass Kurse für Ethik und Corporate Responsibility dazu kamen. 2013 ist das Jahr, in dem dem internationalen Austausch der Studenten grösste Aufmerksamkeit gewidmet wird. Überall berichten Business Schools von einem Rückgang der Anmeldungen für den MBA. Auch bei Tuck zeigt sich, dass sich die Anzahl in den vergangenen fünf Jahren verringert hat, auf dem Höhepunkt waren es rund 35 Prozent weniger, derzeit liegt der Rückgang unter 20 Prozent. Tuck führt das auf die Krise zurück, in der die globale Finanzindustrie weniger Jobs of­ferierte und die gesamte Branche unter ­einem sehr schlechten Image litt.

In der Vernetzung will Tuck ebenfalls Spitze sein. «Wir haben das beste Alumni-Netzwerk weltweit», sagt Dean Paul Danos mit tiefer Überzeugung. Das sind mehr als 8000 Ehemalige, von denen über 70 Prozent jährlich mit Spenden ihrer Schule etwas zurückgeben. Wenn es nach dem Rektor geht, soll die Erfolgsgeschichte nach 111 Jahren noch lange nicht zu Ende sein.

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