UHRENJAHR 2007. 17 wird zur bestimmenden Zahl für dieses Jahr, sofern kurz vor dem finalen Zieleinlauf nicht noch etwas Aussergewöhnliches – einflussreicher als die amerikanische Hypothekenkrise – passiert. Denn 17% liegen die schweizerischen Uhrenexporte im Vorjahresvergleich zwischen Januar und Oktober 2007 im Plus. Nur Mai (+14,7%) und Juni (+15,5%) schrieben, allerdings unbedeutend, tiefere Werte. Fertiguhren, Werke und Bauteile im Wert von 11,045 Mrd Fr. wurden in den ersten drei Quartalen ausgeführt; 2005 brauchten die etwas mehr als 500 Uhrenfirmen und Zulieferer für die gleiche Summe noch ein ganzes Jahr.

Jetzt heisst das Ziel 16 Milliarden

Heuer also sind 17% Wachstum möglich. Wird somit am 31. Dezember 2007 erstmals die 16-Mrd-Fr.-Exportgrenze geknackt? Jean-Daniel Pasche (53), Präsident des Verbandes der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH), Biel, lässt sich nicht auf die Äste hinaus. «Entscheidend ist dies nicht! Aber es trifft zu, unsere Branche bilanziert schon jetzt ein tolles Jahr.» Die zweistelligen Wachstumsraten der letzten drei Jahre seien der beste Beweis, dass das Angebot der weltstärksten Uhrenindustrie stimme. Vor allem wertmässig. Bei aller Jubellaune soll nicht vergessen gehen: Von der weltweiten Nachfrage nach Zeitmessern stillt die Schweiz mit ihren rund 25 Mio fabrizierten Uhren kaum mehr als 2%. Anders sieht es aus, wird die finanzielle Komponente berücksichtigt. Hier belegen Hayek und Co. mit einem Marktanteil von 50% unangefochten die Leaderposition. Im Durchschnitt kostet eine Schweizer Uhr, die ihren Heimmarkt verlässt, heute 568 Fr. Noch vor neun Monaten hatte dieser Wert bei 498 Fr. gelegen.Das Wachstum ist umso erfreulicher, weil grundsätzlich der Basiseffekt spielt. Denn die letzten Jahre lieferten bereits eine hohe Ausgangsbasis.

Zuversicht dominiert für 2008

Auch im kommenden Jahr schlägt, unbeeinflussbare Störmanöver ausgeklammert, die hiesige Uhrenindustrie ein ähnlich hohes Tempo an wie 2007. Jean-Daniel Pasche: «Die Auftragsbücher sind voll.» Möglich sei, dass die Nachfrage vielleicht etwas an Schwung verliere, aber wahrscheinlich nur marginal. Denn neue Märkte boomen, interessieren sich für Swiss Watches. Die Nachfrage aus Russland hat 2007 bisher um 90% – auf immerhin auch schon 220 Mio Fr. zwischen Januar und September – zugelegt, jene aus China (ohne Hongkong) um 46% auf 395 Mio Fr., jene aus den Vereinigten Arabischen Emiraten um 32% auf 356 Mio Fr. Von 30 Ländern liegen 29 nach neun Monaten im Plus; nur gerade Japan zeigt stagnierendes Interesse an Schweizer Uhren (–1,8% auf 874 Mio Fr.). Wichtig ist auch, dass das europäische Umfeld, allen voran Italien, Frankreich und Deutschland, nicht abfällt.

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Nach wie vor Lieferengpässe

Ob so viel Optimismus treten die Probleme, denen sich die Branche ausgesetzt sieht, in den Hintergrund. Etwa das Fehlen von mehr als 2000 Fachkräften bis 2010. Denn nach wie vor können längst nicht alle Bestellungen zeitkonform erledigt werden, schlicht weil zumeist die Zulieferer in Verzug sind. Am Verkaufspunkt stellen sich deshalb Wartefristen ein, die nicht mehr jedermanns/jederfrau Sache sind. Keinen Einfluss auf die Nachfrage nehmen hingegen die in Aussicht gestellten Preiserhöhungen für 2008. Diese werden geschluckt; Hauptsache, man bekommt das Prachtstück aus der Schweiz – endlich!