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Sparpläne
1300 Jobs in Gefahr: Was plant GE in der Schweiz?

General Electric: Der amerikanische Konzern steht unter grossem Druck. Richard Levine/Getty

Der neue Konzernchef von General Electric, John Flannery, will ganze Konzernteile abstossen. Davon dürfte auch die Schweiz betroffen sein. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 24.10.2017

Für General Electric ( GE) ist die Schweiz ein kleiner Standort, global betrachtet. Von 300'000 Mitarbeitern des Konzerns sind hierzulande gerade einmal 4500 Angestellte stationiert. Das entspricht 1,5 Prozent aller Beschäftigten. Der hier angesiedelte Bereich zählt ausserdem zu einem Sorgenkind des Konzerns – der Energiesparte.

Aus Schweizer Perspektive sieht es anders aus. Die Standorte der GE Energiesparte – vormals Alstom – zählen zu den grössten Industriearbeitgebern des Landes. Umso relevanter ist, ob sich der Bericht der «Nordwestschweiz» bewahrheitet: Demnach sollen nochmals 1300 Arbeitsplätze in der Schweiz gekürzt werden. Handelszeitung.ch beantwortet die wichtigsten Fragen und Antworten zu der Nachricht:

Was ist die Vorgeschichte?

Als GE im Jahr 2015 die Energiesparte des französischen Riesen Alstom übernommen hatte und damit auch die Standorte in der Schweiz, zeigte sich Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann noch optimistisch. Er ging davon aus, dass die Arbeitsplätze in der Schweiz erhalten blieben. Weit gefehlt: Anfang 2016 folgte die erste Abbauwelle. GE kürzte in der Energiesparte 6500 Jobs, davon 1300 in der Schweiz.

Johann Schneider-Ammann zog sich viel Kritik zu, weil er «ein gewisses Verständnis» für die Massnahmen geäussert hatte angesichts der schwierigen Marktbedingungen. Er intervenierte am WEF in Davos bei der Konzernleitung, die Sozialpartner verhandelten. Die Zahl der abgebauten Jobs konnte auf 900 reduziert werden.

Wie viele Jobs sollen jetzt abgebaut werden?

Es sollen nochmals 1300 in der Schweiz gekürzt werden, berichtet die «Aargauer Zeitung». Betroffen sind demnach die Standorte Baden, Birr und Oberentfelden. Es wäre bereits die dritte Sparrunde, seit GE übernommen hat. Im Juli hatte GE in Birr bereits 100 Jobs gestrichen, im schwierigen Bereich der Wasserkraft.

Wie wichtig ist der Standort Schweiz für GE?

Im Anschluss an den Jobabbau 2016 folgte eine Charmeoffensive von Spartenchef Paul McElhinney. Er bekannte sich zum Schweizer Standort, bekräftigte Ende 2016, dort investieren und sogar Jobs aufbauen zu wollen. «In diesem Jahr investieren wir in der Schweiz 200 Millionen Franken in Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Wir rekrutieren aktiv neue Mitarbeiter», sagte er in einem seiner wenigen Interviews gegenüber der «Aargauer Zeitung».

McElhinney betonte dabei die Bedeutung des Standorts Baden. GE habe zwei Hauptsitze dorthin verlegt, die Führung für die wichtigen Power Services und das Steam-Power-Systems-Geschäft. Das sei eine definitive Entscheidung. Ausserdem sitzen die weniger wichtigen Gas-Power-Systems in Baden. McElhinney sagte: «Von Baden aus wollen wir Zukunftstechnologien entwickeln.»

Wie reagieren Regierung und Gewerkschaften?

Die Kantonsregierung Aargau sagt auf Anfrage von handelszeitung.ch, ihr seien bisher «keine konkreten Zahlen» zum Jobabbau bekannt. «Ein weiterer Stellenabbau wäre für die Aargauer Regierung aber eine grosse Enttäuschung», heisst es weiter. Dieser stünde in krassem Widerspruch zu den bisherigen Aussagen der GE-Führung, die stets ein Bekenntnis zum Standort Schweiz abgegeben hätte.

Auch die Unia weiss bisher nicht um Abbaupläne von Seiten von GE. Sie fordert das Unternehmen in einer Mitteilung auf, Transparenz zu schaffen, wie dies der Gesamtarbeitsvertrag der MEM-Industrie vorsehe.

Sollte es zu Sparplänen in der Schweiz kommen, sieht MEM-Ressortleiter Manuel Wyss von der Unia die Verantwortung auch bei Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Er sagt: «Wir haben bei der Übernahme durch GE von Beginn an gewarnt, dass eine aktive Industriepolitik nötig ist. Ohne eine Standortgarantie besteht eben genau die Gefahr, dass Industrieperlen in der Schweiz ausgehöhlt werden.»

Wann gibt es konkrete Auskunft über die Pläne von GE?

General Electric steht seit Jahren unter Druck, nach harzigen Quartalszahlen noch einmal mehr. John Flannery, der kürzlich als Konzernchef übernommen hat, sprach gegenüber Analysten davon, dass die Geschäftszahlen «fürchterlich» und «inakzeptabel» seien.

Flannery kündigte daraufhin an, Konzernteile im Wert von 20 Milliarden Dollar abstossen zu wollen. Er benannte aber noch keine konkreten Bereiche. Das Öl- und Gasgeschäft in der Energiesparte ist eines der Sorgenkinder. Mit dem Bau von Kraftwerken und Ausrüstung in diesem Bereich verdiente GE zuletzt die Hälfte weniger als im Vorjahresquartal. Konkrete Angaben sind für den 13. November zu erwarten, wenn General Electric zum Investorentag lädt.

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