Fonds mit einer 130:30-Strategie können Investoren etwas bieten, was bislang nur schwer zugänglich war: Ein regelbasiertes Engagement in alternativen Anlageformen zu Kosten unter dem Hedge-Fonds-Niveau.

Neben Long-Positionen in bevorzugten Einzelwerten können Fondsmanager auch Short-Positionen in Titeln oder Branchen aufbauen, deren Wachstumsaussichten sie als weniger günstig einschätzen. Wegen UCITS III ist es 130:30-Fonds allerdings nicht erlaubt, effektiv Leerkäufe zu tätigen. Diese werden vielmehr über derivative Finanzinstrumente aufgebaut. Indem er Kursschwächen mit Short-Positionen ausnutzt, kann der Fondsmanager absolute Renditen erzielen. In Portfolios mit ausschliesslicher Long-Positionierung kann die negative Haltung gegenüber einem Einzelwert oder einer Branche maximal durch eine Nullgewichtung abgebildet werden. Was sich zwar günstig auf das Portfolio auswirken kann, jedoch nur auf relativer Basis.


Mehr Barmittel für Top Picks

130:30-Fonds bieten allerdings noch andere Möglichkeiten, zusätzliches Alpha zu erzielen. Über Short-Positionen generieren Fondsmanager Barmittel, die in die Titel mit dem grössten Outperformance-Potenzial reinvestiert werden können. So ist der Fondsmanager in der Lage, grössere Aktivposten in bevorzugten Einzelwerten und Branchen einzugehen, und er wird daher im Falle eines Kursanstiegs eine höhere Rendite erzielen. Der entscheidende Vorteil ist, dass dieses zusätzliche Alpha mit einem langsamer steigenden Tracking Error verbunden ist, wodurch man eine höhere Überschussrendite erhält.

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Nehmen wir an, ein Fondsmanager mit einem Vermögen von 100 Fr. geht Short-Positionen im Wert von 20 Fr. ein. Anschliessend legt er 120 Fr. in seine Top Picks an. Für das Portfolio ergibt sich daraus ein Gesamt-Exposure von 100+40=140%, das Netto-Exposure hingegen liegt bei 100+40–40=100%. Gemäss der UCITS-III-Richtlinie darf das Gesamt-Exposure den Grenzwert von 200% nicht übersteigen. Daher können Fondsmanager Short-Positionen von bis zu 50% des Portfoliowerts eingehen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass zusätzliche risikoadjustierte Renditen bei einem Wert von über 30% abnehmen. Deshalb ist die 130:30-Strategie mittlerweile Standard. Durch sich ausgleichende Long- und Short-Positionen streben 130:30-Fonds in der Regel ein Beta von 1 und somit Marktneutralität an. Der Wert des Fonds ist ebenso wie bei einem Long-only-Portfolio an die Entwicklung des Marktes gekoppelt, wobei der Fonds mit einer 130:30-Strategie mehr Alpha erzielt und einen höheren Tracking Error aufweist. Anders ausgedrückt: Der Gewinn steigt pro Risikoeinheit.

Natürlich ist ein höheres Alpha nur dann von Vorteil, wenn es mit einer effektiven Titelauswahl einhergeht. Analog dazu kann der gewinnbringende Einsatz einer 130:30-Strategie ausschliesslich über Fondsmanager erreicht werden, die beim Stock Picking besonders erfolgreich sind und im Long- als auch im Short-Geschäft eine Erfolgsbilanz vorweisen können.

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Celeste Dias, Head of Product Development, Threadneedle Investments, London.