1. Home
  2. Unternehmen
  3. 1MDB-Skandal: Falcon Bank muss in Singapur schliessen

Strafe
1MDB-Skandal: Falcon Bank muss in Singapur schliessen

Die wegen der Korruptionsaffäre um den malaysischen Staatsfonds 1MDB unter Druck geratene Falcon Bank muss in Singapur schliessen. In der Schweiz reagiert die Finma mit Sanktionen.

Veröffentlicht am 11.10.2016

Unter Druck gerät die Falcon Bank mit Hauptsitz in Zürich vor allem in Singapur. Die dortige Monetary Authority (MAS) verfügt, dass die Bank in Singapur schliessen muss und zudem eine Busse von 4,3 Millionen Singapur Dollar (3,1 Millionen Franken) bezahlen muss.

Die Singapurer Aufsichtsbehörde MAS wirft der Falcon Bank gravierendes Versagen gegen lokale Geldwäschereigesetze vor. Zudem wirft die Behörde dem führenden Management in der Schweiz wie auch in Singapur regelwidriges oder unzulässiges Verhalten («improper conduct») vor. Deswegen schliesst sie die Bank in Singapur und verhängt die Busse, wie die MAS am Dienstagnacht mitteilte. Gleichzeitig informierte die Behörde, dass Jens Sturzenegger, Chef der Singapurer Niederlassung, bereits am 5. Oktober verhaftet wurde.

Fehlende Kooperationsbereitschaft

Der Begriff des «improper conduct» seitens des Managements kann gedeutet werden als fehlende Kooperationsbereitschaft im Zuge der Ermittlungen. In der Mitteilung der MAS heisst es denn auch, die Falcon Bank habe dauerhaft und gravierend die Anforderungen an die Geldwäschereigesetzgebung in Singapur missachtet («demonstrated a persistent and severe lack of understanding of MAS' AML requirements and expectations»). Wohl deshalb fällt die Strafe gegen die Falcon Private Bank happig aus.

Die Singapurer Behörde versichert den Kunden der örtlichen Falcon Bank, dass sie vom Hauptsitz in Zürich unterstützt würden. Die Bank als solche sei finanziell gesund.

Zusammenarbeit von MAS und Finma

In der Mitteilung heisst es, dass MAS eng mit der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) zusammenarbeite, sodass die Schliessung der Bank in Singapur in geordneten Bahnen über die Bühne gehe.

Die Finma ihrerseits hatte ebenfalls in der Nacht auf Dienstag informiert, dass sie den ungerechtfertigt erzielten Gewinn aus dem malaysischen 1 MDB-Staatsfonds von 2,5 Millionen Franken einziehe. Zudem darf die Falcon Private Bank für drei Jahre keine Geschäftsbeziehungen mit ausländischen Personen eingehen, die politisch exponiert sind (PEP). Für den Wiederholungsfall droht die Finma mit dem Entzug der Banklizenz.

Bereits im Mai hatte die Finma im Zusammenhang mit dem Skandal die völlige Liquidierung der Tessiner Privatbank BSI angeordnet.

Bank steht nicht zum Verkauf

Die Falcon Private Bank meldete, dass sie auch nach der verordneten Schliessung der Aktivitäten in Singapur nicht zum Verkauf stehe. «Unser Eigentümer Aabar steht zu 100 Prozent hinter uns und sieht zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Verkauf vor», sagte CEO Walter Berchtold anlässlich einer Medienkonferenz am Dienstag.

Ein Verkauf durch den Investor aus Abu Dhabi sei bisher nie diskutiert worden. Für die Zukunft halte sich die Bank aber alle Optionen offen, zum Beispiel auch eine Fusion, ergänzte der CEO. Auf die Kundenbeziehungen habe der Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB keinen Einfluss gehabt. «Wir haben im bisherigen Jahresverlauf Neugeldzuflüsse verzeichnet», sagte der CEO.

Enttäuscht über Schliessung

Das Verdikt der Monetary Authority of Singapore (MAS), welche die Schliessung der Niederlassung in Singapur festlegt, sei bedauerlich und enttäuschend, so Berchtold weiter. Er hätte in Singapur, wo das Institut Vermögen im Umfang von knapp unter 900 Millionen Dollar verwaltet, gerne die Geschäfte weitergeführt. Für die Kunden in Singapur werde nun eine Lösung gesucht. Insgesamt betreut Falcon Kundenvermögen im der Höhe von 18,2 Milliarden Dollar.

Er sei aber froh, dass nun mit den Entscheidungen der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) und der MAS ein Strich unter die Vergangenheit gezogen wurde und sich die Bank auf ihre strategische Neuausrichtung fokussieren könne, so Berchtold.

Busse für die UBS

Die UBS belegt die singapurische Finanzaufsicht derweil wegen Verstössen gegen das Geldwäschereigesetz im Zusammenhang mit dem 1MDB-Skandal mit einer Busse von 1,3 Millionen Singapur Dollar (ca. 930'000 Franken). Dies geht aus der Mitteilung der Behörde vom Dienstag hervor. Die Gewinne aus dem fraglichen Konto flössen nun in ein Erziehungsprogramm zur Bekämpfung von Finanzkriminalität, betont die UBS in ihrer Mitteilung.

Die Grossbank UBS gibt sich hinsichtlich der Sanktionen der singapurischen Finanzaufsicht MAS im Zusammenhang mit dem 1MDB-Skandal reuig. «Wir sind enttäuscht, dass wir nicht mehr getan habe, um dies früher zu entdecken und zu rapportieren», heisst es in einer Stellungnahme der Schweizer Grossbank vom Dienstagvormittag.

«Kontrollen verstärken»

Die UBS werde ihre Kontrollen weiter verstärken, liess die Grossbank gegenüber der Nachrichtenagentur AWP verlauten. Bezüglich der Personen, die für die Verfehlungen verantwortlich seien, wolle die UBS zudem «angemessene Massnahmen» ergreifen. «Wir nehmen unsere Verantwortung, finanzielle Verbrechen zu entdecken und zu bekämpfen, sehr ernst und arbeiten eng mit den Regulatoren zusammen», versichert die Bank.

Die Verwicklung der UBS in den 1MDB-Skandal war bereits im Sommer bekannt geworden. Ein UBS-Sprecher hatte schon damals betont, dass die Bank die verdächtigen Transaktionen von sich aus gemeldet habe und «in engem Kontakt mit den Regulatoren» stehe.

«Emerging-Market-Kompetenz»

Die Falcon Private Bank wurde 1965 in Zürich als Überseebank gegründet. 1998 wurde das Unternehmen in AIG Privat Bank umbenannt. 2009 übernahm die International Petroleum Investment Company (IPIC), ein Staatsfonds von Abu Dhabi, die Privatbank und benannte sie als Falcon Private Bank. Auf ihrer Homepage bewirbt sie sich selbst als spezialisierter Schweizer Vermögensverwalter «mit grosser Emerging-Market-Kompetenz und direktem Zugang zu den Schwellenmärkten». Die Bank betreibt Niederlassungen in Zürich, London, Abu Dhabi, Dubai und Singapur.

(sda/reuters/moh/mbü/cfr/gku)

Anzeige