urs kaufmann,

Die Investoren reagieren enttäuscht auf Ihr Geschäftsergebnis zum 3. Quartal 2007. Zu Recht?

Urs Kaufmann:

Die Korrekturen sind zwar nicht ganz nachvollziehbar, Enttäuschung verspüren wir keine.

Sind die Erwartungen der Anleger nach dem Rekordjahr 2006 jetzt zu hoch?

Kaufman: Nach dem Rekordjahr 2006 erwarten wir für 2007 erneut ein zweistelliges Wachstum sowie eine zweistellige Ebit-Marge. Wie diese Erwartungen von den Analysten interpretiert werden, liegt nicht in unserem Einflussbereich.

Im vergangenen halben Jahr verlor die Aktie von Huber+Suhner mit dem Markt 6%. Wie wollen Sie das Interesse der Anleger zurückgewinnen?

Kaufmann: Wir haben uns in den vergangenen zwei Jahren von einem sehr tiefen Kursniveau wieder aufwärts bewegt und geniessen meines Erachtens das Vertrauen der Investoren. Klar ist aber: Je höher man kommt, desto grösser sind die Erwartungen. Womöglich irritiert die Investoren, dass Sie bisher keine detaillierte Prognose für das nächste Geschäftsjahr abgegeben haben.Kaufmann: Wir geben normalerweise keine langfristigen Prognosen ab, noch bevor das laufende Geschäftsjahr vorbei ist. Was wir sagen: Wir wollen im Durchschnitt 5% pro Jahr wachsen, das gilt auch für 2008.

Oder tappen auch Sie im Dunkeln?

Kaufmann: Sicher ist es schwieriger als auch schon, Prognosen abzugeben. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass 2008 ein gutes Jahr wird.

Das Geschäft von Huber+Suhner in den USA stagniert. Hat dies auch einen Zusammenhang mit der Kredit- und Finanzmarktkrise?

Kaufmann: Nein. Unser US-Geschäft flacht ab, weil Aufträge auslaufen, Produktionsstätten nach Asien verlagert werden und Netzbetreiber fusionieren.

Im Gegenzug heben Sie Fortschritte in profitablen Nischen wie im Solar-Geschäft hervor. Ist das nur Lockstoff für die Anleger oder ein Geschäft mit Substanz?

Kaufmann: Wir haben entschieden, verstärkt in neue Solar-Produkte zu investieren. Dazu gehören Kabel, Stecker und Anschlüsse für Solar-Panels. In diesem Jahr hat der eigentliche Ramp-up stattgefunden, und wir verzeichnen grosse Erfolge mit mehreren führenden Herstellern aus Europa und Asien.

Wie viel Umsatz bingt der neue Geschäftsbereich?

Kaufmann: 2006 setzten wir rund 10 Mio Fr. um, 2007 wird sich der Wert verdoppeln. Bis in einigen Jahren ist ein Umsatz von 80 bis 100 Mio Fr. realistisch. Das Hochfrequenzstecker-Geschäft bereitet dagegen Probleme. Kunden wie Ericsson haben für 2007 eine Gewinnwarnung abgegeben. Kaufmann: Der Markt entwickelt sich zweigeteilt. Zwar wird weniger investiert, doch dank der Einführung neuer, innovativer Produkte ergeben sich für uns attraktive Möglichkeiten.

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Netzwerkausrüster, darunter Siemens und Nokia oder Alcatel und Lucent, schlossen sich zusammen. Kommen Sie 2008 unter Druck?

Kaufmann: Es ist richtig, dass die Konsolidierung zu einer grösseren Preismacht führt. Für 2008 erwarten wir den Rollout neuer Technologien in China und Indien. Wir sind also recht optimistisch.

Der Kommunikationsmarkt trägt 47% zum Umsatz bei. Müsste man die beiden anderen boomenden Segmente Industrie und Transport noch stärker fördern?

Kaufmann: Wir arbeiten intensiv daran und kommen sehr schnell vorwärts: Im Industriemarkt sind wir im Vergleich zum Vorjahr um 13%, im Transportsegment sogar um 40,5% gewachsen.

Ihr Zielkorridor für die Ebit-Marge liegt bei 8 bis 10%. Eben sagten Sie, 2007 wird die Ebit-Marge zweistellig ausfallen. Und 2008?

Kaufmann: Diese Aussage gilt über einen Zyklus hinweg. In guten Jahren, wie 2007 eines ist, liegt natürlich auch mehr drin.

Also auch für 2008?

Kaufmann: Für das nächste Jahr gebe ich heute keine Prognose ab.

Ist eine zweistellige Ebit-Marge für 2008 ein ambitioniertes Ziel?

Kaufmann: Kein Kommentar.