CHARLES VÖGELE . «Ab 2008 geniesst die Expansion erste Priorität», erklärt Vögele-Chef Daniel Reinhard. Dabei hat er vor allem auch die Expansion in die textilen Wachstumsmärkte in Osteuropa im Visier. Der Verwaltungsrat der Modekette wird im Dezember bestimmen, welcher Testmarkt in Osteuropa zum Expansionsmarkt und welcher neue Markt zum Testmarkt wird. Der Entscheid wird am 4. März 2008 anlässlich der Bilanzmedienkonferenz kommuniziert werden. Recherchen der «Handelszeitung» bei Verantwortlichen zeigen, dass Polen als Expansionsmarkt und die Slowakei als Testmarkt favorisiert werden. Tschechien soll voraussichtlich weiterhin Testmarkt bleiben.

«Die fünf Testfilialen in Polen laufen sehr gut, weil sie sich primär in Einkaufszentren in Citylagen befinden», sagt Markus Läubli, Leiter der Vögele-Vertriebsorganisation Österreich und bisher auch zuständig für die Expansion nach Osteuropa. In Tschechien dagegen befinden sich die Filialen vorwiegend in Fachmarktzentren, die weniger Kunden anziehen. Umsätze zu einzelnen Märkten in Osteuropa will das Unternehmen indes nicht verraten. In der Regel erwartet Vögele von jeder neu eröffneten Filiale rund 1 Mio Euro pro Jahr.

Reinhards Charmeoffensive

Per Ende 2007 werden in Slowenien 4 Filialen, in Ungarn 17 Filialen sowie in den Testmärkten Polen und in Tschechien je 5 Filialen eröffnet sein. Noch ist der Umsatzanteil dieser Länder am Gesamtumsatz des Modekonzerns bescheiden. Im ersten halben Jahr betrug er erst 2%. Doch Reinhard sieht in den neuen Märkten ein Potenzial für die erste Expansionsphase bis 2010 von rund 160 bis 200 Filialen. Damit würden rund 10% des Umsatzes künftig aus Osteuropa stammen. Reinhard ist unter Druck. Vergangene Woche führte er Analysten und Medienvertreter in einer Charmeoffensive nach Ungarn, Slowenien und Österreich. In den besuchten Vögele-Filialen mit rund 800 m2 Verkaufsfläche waren selten mehr als zehn Kunden anzutreffen. Das mag am Zeitpunkt und am Werktag liegen. Immerhin waren auch bei der benachbarten Konkurrenz C&A oder dem Discounter Takko nicht mehr Kunden zu zählen.

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Reinhards Bewährungsjahr

Reinhards Vorteil: In Osteuropa liegen die Personalkosten bedeutend tiefer. Sie machen hier rund 6 bis 8% des Nettoumsatzes aus. Zum Vergleich: In der Schweiz betragen sie rund 12%. Die Kaufkraft ist allerdings auch schwächer. So verdient eine Vögele-Verkäuferin in Slowenien nur rund 750 Euro monatlich. Die Kleiderpreise unterscheiden sich wenig, sodass Vögele bezüglich Preisniveau in Osteuropa im Gegensatz zur Schweiz im Mittelfeld anzusiedeln ist.Für CEO Reinhard wird 2008 zum Bewährungsjahr. Es wird sich zeigen, ob die Restrukturierung der Unternehmensbereiche (2002–2004) und die Feinabstimmung interner Prozesse (2005–2007) in ein erfolgreiches Wachstum münden.