Die Designer, Konstrukteure und Uhrmacher stehen permanent unter Zugzwang. Ihnen obliegt es, die potenziellen Kunden rund um den Globus mit Neuem oder – noch besser – Spektakulärem zu faszinieren, dies getreu dem bewährten Mot- to erfahrener Marketingstrategen «Wer vieles bietet, wird manchem etwas bieten».

Das Spektrum der Möglichkeiten ist breit: Opulenz, Nostalgie, Tradition, Innovation, Komplikation oder im Gegenzug auch totaler Minimalismus. Wer da für sein Handgelenk nicht fündig wird, ist selber schuld.

Eterna: Retrospektiv

Eterna beispielsweise findet zurück zu seinen Wurzeln. Das ist ausgesprochen gut für jene Marke aus dem solothurnischen Grenchen, die zuletzt recht turbulente Zeiten durchleben musste. 2008 erinnert die altehrwürdige Manufaktur mit neuer Werkekompetenz an ihre KonTiki-Linie, welche die Uhrenbühne vor exakt 50 Jahren betrat. Sie tut das in Form einer limitierten Sonderedition, in der das exklusive Automatikkaliber 3010 mit springender Datumsanzeige tickt. Das Uhrwerk verkörpert eine Variante des ausgesprochen flach bauenden Kalibers 3030, das im Vorjahr in der Vaughan seinen Einstand gab.

Bezüge zu den Ursprüngen dieses sportlichen Klassikers ergeben sich insbesondere aus dem markanten Zifferblatt. An Thor Heyerdahl und seine gewagte Expedition erinnert der vervielfachte Umriss des Raroia Atolls, dem unvorhergesehenen, aber letzten Endes doch sehr glücklichen Ziel. Desgleichen wecken die vergoldeten, mit Leuchtmasse gefüllten Dreieck-Indizes auf dem bombierten Zifferblatt Erinnerungen an das Design des ehemaligen Modells.

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Das 40 mm grossse Jubiläumsgehäuse besteht aus poliertem und satiniertem Rotgold. Es widersteht dem nassen Element bis zu 20 Atmosphären Wasserdruck. Die KonTiki Anniversary wird ihren Weg voraussichtlich ab Herbst 2008 in einer handgeschnitzten Box mit dem Motiv des Sonnengottes KonTiki zu ihren Abnehmern finden.

Breitling: Nostalgiebetont

Breitlings Super Ocean-Taucheruhr, druckdicht bis 20 Atmosphären, wurde 1957 aus der Taufe gehoben. Danach folgten durchaus spektakuläre Superlative wie zum Beispiel eine Version, die auch noch 2000 m unter dem Meeresspiegel ihren Dienst versah. Auf die Retro-Automatik des Jahres 2007 folgt nun der Super Ocean Héritage Chronograph. Er wird die nostalgisch angehauchte Kollektion stilvoll ergänzen.

Sein Innenleben ist gleichermassen zeitgemäss wie funktional und bewährt. Es heisst ETA/Valjoux 7750 und verfügt neben dem Rotor-Selbstaufzug über 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler sowie ein Fensterdatum. Ein offizielles Gangzeugnis ist für Breitling obligatorisch. Das 46 mm Stahlgehäuse schützt die zeitschreibende Mechanik bis zu einem Wasserdruck von 20 bar. Markante Leuchtzeiger sind selbst bei schlechten Sichtverhältnissen noch unproblematisch wahrnehmbar.

Das Spektrum an Armbändern lässt kaum Wünsche offen. In drei jeweils auf Zifferblatt und Lünette abgestimmten Farben (schwarz, blau oder bronze) ist das modern-sportliche Kautschukband erhältlich. Dem Original folgt das geflochtene Edelstahl-Armband vom Typ Milanaise.

Raymond Weil: Herzerwärmend

Die Genfer streben ganz klar nach oben. Das betrifft die aktuelle Uhrenkollektion ebenso wie die darin verbauten Komplikationen. Die brandneue Nabucco Cuore Caldo verfügt erstmals in der Unternehmensgeschichte über einen mechanischen Chronographen-Rattrapante auf Basis des zuverlässigen Automatikkalibers ETA/Valjoux 7750 mit 30-Minuten-Totalisator bei der 3. Dessen aktuell verbleibende Gangreserve stellt eine Indikation bei der 6 dar. Der Schleppzeigermechanismus wird mit Hilfe eines Schaltrads sowie eines zusätzlichen Kronendrückers gesteuert.

So viel Mechanik will angemessen verpackt sein. Raymond Weil hat hierfür ein rundes Gehäuse gewählt, hergestellt aus Rotgold, Titan und Edelstahl. Es misst 46 mm und bringt es auf eine Höhe von 16,7 mm. Die Wasserdichtigkeit reicht bis 200 m oder 20 Atmosphären. Vorder- und rückseitig erlauben beidseitig entspiegelte Saphirgläser Einblicke in das zeitschreibende Geschehen. Für sicheren Halt am Handgelenk sorgt ein Armband aus Kautschuk und schwarzem Leder.

Die Auflage hält sich in engen Grenzen. 500 Exemplare wird Raymond Weil fertigen. Dann endet dieses bislang einmalige, aber sicher nicht letzte Komplikationen-Kapitel.

Hublot: Flugfähig

Aero, das weiss fast jedes Kind, meint Luft. In selbige begibt sich Hublot mit der neuesten Big-Bang-Chronographen-Kreation. Folgerichtig nennt sich das Produkt schlicht und einfach Aero Bang. Die Besonderheit besteht in einem filigran skelettierten Zifferblatt mit Ruthenium-Indexen, welches dem Chronographen eine neue optische Dimension verleiht. Auch die Zeiger bestehen aus Ruthenium.

Im Übrigen verfolgen Jean-Claude Biver und sein Team bei dem opulenten Boliden mit seinem vollständig aus Wolfram gefertigten und bis 100 m wasserdichten Gehäuse mit innen entspiegeltem Saphirglas ihr bewährtes Ton-in-Ton-Konzept konsequent weiter. Der Schalendurchmesser beträgt stolze 44,5 mm. Krone und Drücker bestehen aus Stahl mit schwarzer Kautschuk-Einlage; die Schrauben fertigt Hublot hingegen aus Titan.

Das Automatik-Innenleben nennt sich HUB 44 SQ, basiert – wie immer bei Hublot – auf dem bewährten Kaliber ETA/Valjoux 7750 und wird aus 252 Komponenten zusammengefügt. Seine Schwungmasse aus Wolframkarbid hat eine schwarze PVD-Oberflächenbehandlung erfahren. Schliesslich besteht das Armband aus glattem schwarzem Kautschuk.

Ebel: Fussballfreundlich

Bereits 2007 hatte sich Ebel erstmals in die schillernde Welt des runden Leders vorgewagt. Damals kooperierte die 97 Jahre alte Marke mit dem englischen Erstligisten Arsenal FC.

Das Jahr 2008 steht nun im Zeichen einer strategischen Partnerschaft mit den Fussballern des FC Bayern München. Dieses Ereignis verlangt förmlich nach einem Zeitmesser, der mehr bietet als nur ein entsprechend bedrucktes Zifferblatt. Somit kam nur eine fussballspezifischer Zusatzfunktion in Form eines Chronographen mit 45-Minuten-Zähler zum Stoppen der Halbzeiten in Betracht.

Wie das exklusive Automatikkaliber 245 zum Ausdruck bringt, werden sogar 2 x 45 Minuten und eventuell anstehende Nachspielzeiten erfasst. Die optimale Ablesbarkeit des Fussball-Chronographen gewährleistet ein grosser Totalisator im Zifferblatt-Zentrum. Ein Fensterdatum bei der 4 und eine opulente Leuchtausstattung gehören zu den weiteren Merkmalen.

Ganz nebenbei trägt die limitierte Edition mit dem ausgeklügelten «Fussball-Kaliber» logischerweise auch das Vereinslogo des FC Bayern München. Vermutlich ab Oktober 2008 wird Ebel seine Flaggschiff-Linie 1911 um diesen ungewöhnlichen Stopper bereichern.

Chanel: Kooperationswillig

Chanel sucht die Zusammenarbeit mit Audemars Piguet. Im Gemeinschaftswerk J 12 Calibre 3125 findet sich das Automatik-Kaliber 3125 der Manufaktur aus dem Vallée de Joux. Es besteht aus insgesamt 278 Komponenten, zu denen auch ein individualisierter, beidseitig aufziehender Kugellagerrotor aus schwarzer Keramik und rhodiniertem Gelbgold gehört. Die vergleichsweise hohe Gangautonomie von 60 Stunden bietet Sicherheit und ein stabiles Gangverhalten. Die Unruh mit variablem Trägheitsmoment und ihrer frei schwingenden Flachspirale (Frequenz 3 Hertz) oszilliert unter einer stabilen Brücke. Die mitternächtlich springende Datumsanzeige kann über die Krone schnell korrigiert werden.

Insgesamt entspricht die Finissage dem, was Produkte der uhrmacherischen Top-Klasse in den Augen echter Kenner auszeichnet: Manuelle Kantenbrechung sowie perlierte Platine und Brücken mit Genfer Streifenschliff. Da ist der Sichtboden fast ein Must. Er zeigt die Feinheiten des Uhrwerks mit einem Durchmesser von 26,6 mm und einer Höhe von 4,55 mm. Das 42 mm grosse, bis 5 Atu dichte Chanel-Gehäuse mit einseitig drehbarer Lünette besteht aus 18-karätigem Gelbgold und schwarzer Keramik.

Hermès: Datumsorientiert

La Montre Hermès nimmt nicht für sich in Anspruch, eine Manufaktur zu sein. Aber auf Kaliberexklusivität ist das Bieler Unternehmen sehr wohl bedacht. Deshalb hat es sich im Jahre 2006 mit 25% beim Werkehersteller Vaucher Manufacture eingekauft. Der gehört zum überwiegenden Teil der Sandoz-Stiftung, welche auch über Parmigiani gebietet. Damit sitzt La Montre Hermès nicht nur an der Quelle für mechanische Uhrwerke, sondern sie kann auch Einfluss nehmen auf die Entwicklung interessanter Zusatzfunktionen.

In diesem Sinne entstand das Automatikkaliber H1 im Jurabogen ganz exklusiv für den anspruchsvollen Partner. Die einfachste Version mit 25,6 mm Durchmesser und 3,5 mm Höhe stellt Stunden, Minuten, Sekunden und das Datum dar. Zudem besitzt sie zum sekundengenauen Einstellen der Uhrzeit einen Unruhstopp. Bei 4 Hertz Unruhfrequenz bewirken die beiden Federhäuser eine Gangautonomie von zirka 50 Stunden.

Zu den 193 Komponenten gehören 28 synthetische Rubine. Der aktuelle Komparativ nennt sich H1 Grossdatum und zeigt das Datum – wie der Namen unmissverständlich verheisst – mit Hilfe zweier Scheiben an. Das 30,5 mm grosse Modul verlangt nach 65 zusätzlichen Teilen und weiteren 1,5 mm Bauhöhe. Das Ensemble findet sich in der Clipper Sport H1 Grossdatum, deren 43,5-mm-Stahlgehäuse bis 10 Atmosphären wasserdicht ist.

Omega: Anpassungsfähig

Konventionelle Datumsanzeigen mechanischer Armbanduhren kommen maximal 92 Tage – also vom 1. Juli bis 30. September – ohne manuelle Korrektur aus. Dann folgt zwangsläufig der 31., obwohl bereits der 1. Oktober angebrochen ist. Ewige Kalendarien brauchen bis Ende Februar 2100 keine Nachhilfe. Zwischen diesen Extremen liegt das, was Omega beim neuen Kaliber 8611 präsentiert: Der Jahreskalender. Sein Schaltwerk berücksichtigt die unterschiedlichen Monatslängen jeweils vom 1. März bis Ende Februar des Folgejahres. Dann reicht ein Handgriff für weitere zwölf Monate einwandfreier Darstellung.

Die De Ville Hour Vision Annual Calendar von Omega kann aber noch mehr. In einem der Fenster bei der 3 lässt sich auch noch der Monat ablesen. Das exklusive Automatikwerk mit beidseitig wirkendem Rotor verfügt ferner über die optimierte koaxiale Ankerhemmung nach George Daniels, eine frei schwingende Unruhspirale, eine Unruhbrücke aus 18-karätigem Roségold sowie zwei Federhäuser für 55 Stunden Gangautonomie. Zum Lieferumfang gehören das innovative Gehäuse mit seitlichen Fenstern und ein offizielles Chronometerzeugnis.

Die Erst-Edition beschränkt sich auf 160 Exemplare. Unlimitiertes in Roségold oder Edelstahl steht ab Herbst zur Verfügung.

Piaget: Schlankheitsbewusst

Bei Piaget rangiert die Kaliberfamilie 8xx P inzwischen ganz oben. 800 P steht zum Beispiel für Automatik und 850 P für eine zweite Zonenzeit. Letzteres diente der Manufacture Valfleurier und ihrem Chef Eric Klein als Grundlage für das neue 855 P mit 3 Hertz Unruhfrequenz, zwei Federhäusern, 72 Stunden Gangautonomie und komplexem Kalenderwerk, das den kalendarischen Vorgaben des Julianischen Kalenders folgt.

Die exklusive Neukonstruktion, die einmal mehr der Philosophie ultraflacher Bauweise huldigt, wird nur in Uhren von Piaget zu finden sein. Einschliesslich Basiswerk ist die gesamte Mechanik nur 5,6 mm hoch. Das Kalendarium besteht aus retrograden Indikationen für Datum (bei der 3) und Wochentag (bei der 9), konventioneller Darstellung der Monate sowie des Schaltjahreszyklus bei 12.

Wurde der Zeitmesser mit dem kissenförmigen Emperador-Gehäuse in Weiss- oder Rotgold für längere Zeit in den Tresor verbannt, helfen vier Drücker im Gehäuserand beim Nachstellen der Kadratur. Der kleine Sekundenzeiger rotiert bei der 4. Auf dem Zifferblatt bei der 8 lässt sich schliesslich auch noch die individuell einstellbare zweite Zonenzeit ablesen.

Chronoswiss: Handwerklich

Die Münchner Uhrenmarke, welche ausschliesslich Schweizer Zutaten verwendet, wird 25 Jahre alt. Aus diesem Anlass legt sie die Edition «Zeitzeichen» auf. Dahinter verbirgt sich eine Hommage an traditionsreiche Handwerkskünste im Zusammenhang mit der Fertigung und Veredelung von Uhren. Wegen des hohen Aufwands ist die neue Linie fortan immer nur in limitierter Kleinstserie erhältlich.

Die vier Erstlingswerke zelebrieren die hohe Kunst des Skelettierens, Gravierens und Guillochierens. Sie entstehen in Kooperation mit Jochen Benzinger, einem namhaften Meister seines Fachs. Handarbeit wird dabei gross geschrieben. In allen Fällen besteht das massive, 44 mm grosse Rotgold-Gehäuse aus 20 Komponenten. Die grossen, manuell finissierten Basis-Uhrwerke stammen von der ETA, heissen dort 6497-1 und wollen spätestens alle zwei Tage von Hand aufgezogen werden. Ihre klassische Glucydur-Schraubenunruh mit Nivarox-1-Flachspirale vollzieht pro Stunde 18000 Halbschwingungen.