Wie macht sich die Finanzkrise bei der Swisscom bemerkbar?

Carsten Schloter: Im Augenblick spüren wir direkt keine negativen Auswirkungen. 2008 wird für uns ? speziell im Geschäftskundenbereich ? ein Rekordjahr. Wir haben noch nie so viele Projekte realisiert. Wir sind noch nie so stark gewachsen im Geschäftskundenbereich seit der Liberalisierung. Auch bei den Privatkunden spüren wir momentan keine Zurückhaltung. Die Konsumenten kaufen unsere Produkte und Dienstleistungen weiterhin sehr intensiv. 2008 wird in allen Bereichen ein gutes Jahr.

Muss beim Finanzertrag mit negativen Folgen gerechnet werden?

Schloter: Nein, es wird keine negativen Überraschungen geben.

Wird der Umsatz unter die Schwelle von 12 Mrd Fr. tauchen?

Schloter: Der Umsatz wird unter 12,3 Mrd Fr. liegen. Der Hauptgrund ist nicht der Abschwung, sondern der schwache Euro.

Kann das anvisierte Betriebsergebnis von 4,8 Mrd Fr. erreicht werden?

Schloter: Ja, das kann ich bestätigen. Ich erwarte 2008 weiterhin ein Betriebsergebnis, das mindestens in der Grössenordnung von 4,8 Mrd Fr. liegt.

Wie beurteilen Sie die Aussichten für 2009?

Schloter: 2009 ist für uns noch voller Unbekannten. Wir erwarten im 1. Halbjahr einen Rückgang der Roaming-Umsätze, der durchaus 5 bis 10% ausmachen kann.

Die negative Konsumentenstimmung wird doch spätestens 2009 bei Swisscom Spuren hinterlassen?

Schloter: Vor fünf bis zehn Jahren hat es in den einzelnen Haushalten nicht diese Vielfalt von Telekommunikationsangeboten gegeben, wie wir sie heute haben. Heute kann der Konsument in einer Rezession schon auf einiges mehr verzichten als früher, als es nur einen Anschluss im Haushalt und nur ein Mobiltelefon gab. Wenn sich die Konsumentenstimmung weiter verschlechtert, werden wir dies auch spüren, obwohl unser Geschäft in der Vergangenheit weitgehend konjunkturresistent war. Auch bei den Firmen rechnen wir mit möglichen negativen Auswirkungen.

Welche Entwicklung erwarten Sie bei den Preisen?

Schloter: Der Trend der letzten Jahre setzt sich fort. Auch 2009 werden die Preise weiter sinken.

In allen Bereichen?

Schloter: Sowohl im Mobiltelefoniebereich als im Festnetzgeschäft werden die Preise 2009 weiter unter Druck geraten, auch aufgrund der Regulierung.

In welchem Umfang werden die Preise sinken: Um 5%?

Schloter: Das ist schon möglich. Für genaue Zahlen ist es noch zu früh. Wir gehen aber für 2009 insgesamt von 400 bis 500 Mio Fr. weniger Umsatz aufgrund von Preissenkungen aus. Das kommt den Konsumenten zugute. Wir setzen wie in der Vergangenheit alles daran, die Preiserosion mit wachsenden Kundenzahlen und neuen Angeboten zu kompensieren.

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Was können die Aktionäre von Ihnen erwarten?

Schloter: Die Aktionäre dürfen von uns Stabilität erwarten. Der Free Cashflow dürfte dieses Jahr um rund 25% wachsen, und die Ausschüttungen können entsprechend unserer kommunizierten Ausschüttungspolitik steigen. Derzeit sehe ich keinen Grund, der dagegen spricht. Da bin ich zuversichtlich.

Werden Sie auch nach 2009 an einer grosszügigen Dividendenpolitik festhalten?

Schloter: Wenn die Wirtschaft in eine Depression fallen sollte, müssten wir unsere Ausschüttungspolitik überprüfen, weil wir dann möglichst viel Liquidität für die Schuldenrückführung brauchen. Doch von diesem Szenario gehen wir nicht aus.

Rechnen Sie 2009 mit einer Konsolidierung in der Schweizer Telekommunikationsbranche?

Schloter: Einige Wettbewerber haben als wichtigste Investoren Private-Equity-Häuser. Diese Investoren sind gegenüber der Finanzkrise stark exponiert. Für diese Wettbewerber kann es härter werden, weil sie höhere Zinsen zahlen müssen. Die Finanzierungskosten haben sich für mehrere Konkurrenten in den letzten Monaten sicher deutlich erhöht.

Werden weitere Wettbewerber verschwinden?

Schloter: Es kann zu Eigentümerwechseln kommen, aber das heisst nicht, dass die Firmen aus dem Markt verschwinden. Der Wettbewerbs- und Preisdruck bleibt 2009 sicher hoch. Angesichts der Finanzkrise wird es deshalb am langen Horizont in der Schweiz wie im übrigen Europa zu einer Marktkonsolidierung kommen. Das ist aus meiner Sicht auch absolut notwendig.