Noch in diesem Jahr haben sich Assekuranz und unabhängige Vorsorgeeinrichtungen im harten Rennen um die Schweizer Pensionsgelder mit hohen Zinsen und tiefen Prämien gegenseitig überboten. Angesichts der Finanzkrise tritt die Branche jetzt aber auf die Bremse: Die vom Bundesrat verordnete Zinssenkung von 2,75 auf 2% wird in vielen Fällen zum Anlass genommen, um die Konditionen im garantierten Bereich deutlich zurückzunehmen.

Jetzt wird zurückbuchstabiert

Augenfällig wird dies am Beispiel der Allianz Suisse, die 2007 die Verzinsung inklusive Risikoüberschuss im obligatorischen Bereich auf 3,1% erhöhte und sie auch 2008 auf diesem Niveau belassen hatte. Im kommenden Jahr jedoch wird der ambitionierte Versicherer, der nach eigenen Angaben im 2.-Säule-Bereich im 1. Halbjahr ein Wachstum von satten 42% erreichte, zurückbuchstabieren. «Die garantierte Verzinsung im obligatorischen Teil wird 2009 auf den Mindestzins von 2% gesenkt», sagt Mediensprecher Bernd de Wall. Der überobligatorische Garantiezins für 2009 müsse dagegen erst noch festgelegt werden. Auch bei den Prämien schliesst de Wall weitere Senkungen aus. «Das Tarifniveau hat unseres Erachtens das Minimum erreicht.»

Eine Senkung steht auch bei den Kunden von Axa Winterthur ins Haus, denn der Versicherer richtet sich im obligatorischen Teil nach dem vom Bundesrat festgelegten Mindestzinssatz. Der Garantiezinssatz im Überobligatorium bleibe aber unverändert, versichert Sprecher Olivier Michel.

Anders bei der Bâloise: Dort wird sowohl im überobligatorischen wie auch im obligatorischen Bereich nur der Mindestzinssatz von 2% vergütet. Noch nicht zur Verzinsung im Jahr 2009 äussern wollten sich Branchenprimus Swiss Life sowie Zurich mit der Sammelstiftung Vita. Sonja Giardini von Zurich Schweiz spricht davon, dass der Trend zur steten Prämienvergünstigung «nun gebrochen werden könnte».

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Gerade das Gegenteil, nämlich weitere Prämiensenkungen, stellt Swiss Life in Aussicht. Sie senkt die Risikoprämien 2009 um durchschnittlich 10% und hofft damit wohl auch, das mit 1% rückläufige Bruttoprämienvolumen vom 1. Semester 2008 aufzubessern.

Kein Geld für Dumpingprämien

Im Moment hätte die Swiss Life damit leichteres Spiel. Denn die unabhängigen Sammelstiftungen und Pensionskassen, die der Assekuranz in den letzten Jahren mit attraktiven Zinsen und tiefen Kosten das Leben schwer gemacht haben, sind durch die Krise vorerst einmal mattgesetzt.

«Wir haben keine Kriegskasse für Dumpingprämien», sagt Herbert Brändli, Präsident von Profond. Die Sammelstiftung, die im Sommer gegen den Verwaltungsrat der UBS ins Feld gezogen ist, weist gegenwärtig einen Deckungsgrad von unter 90% aus. Die Zahlungsfähigkeit und die Renten seien aber nicht gefährdet, beschwichtigt Brändli. Abstriche machen muss Profond jedoch beim Zins. Dieser wird sich nach dem BVG-Mindestsatz richten – die definitive Höhe wird erst auf der Basis der Jahresrechnung festgelegt.

Auch die Pensionskasse Abendrot überlegt sich, die Verzinsung zurückzunehmen. «Wir werden nächstes Jahr vermutlich vom Zinssatz von 3,5% zurückgehen», sagt Vize-Geschäftsführerin Eva Zumbrunn. Bei der St. Galler Pensionskasse ASGA schliesslich steht schon fest, dass die Verzinsung per 1. Januar 2009 im Obligatorium auf 2% sinkt. Derweil bleiben die Risikoprämien unverändert. Gemäss Guido Messmer, Leiter Finanzen, beträgt der Deckungsgrad der Kasse zurzeit 100%, bei einer Negativperformance von rund –7,8% seit Jahresbeginn.

Immerhin, trotz solch schmerzlicher Verluste hat bei den Pensionskassen kein Notverkauf von Aktien eingesetzt. Zwar ist gemäss Credit Suisse im Herbstquartal die Aktienquote am Vorsorgevermögen um 1,6% gesunken. Trotzdem halten auch in Bedrängnis geratene Pensionsgeldverwalter noch an ihren bisherigen Positionen fest.

Profond: Weiterhin 50% Aktien

Am vehementesten tut dies Profond: Noch immer beträgt die Aktienquote der Sammelstiftung 50%. Präsident Brändli will die Krise ausreiten. «Profond hat heute mehr Geld in der Kasse als vor der Krise», so Brändli. Und mit der überschüssigen Liquidität könne sich das Vorsorgewerk laufend «zu den besten Preisen an guten Firmen beteiligen». Auch die Pensionskasse ASGA lässt sich von den Börsenturbulenzen nicht beirren. «An der Anlagestrategie inklusive Aktienanteil von 25% halten wir fest», sagt Messmer. Keine nennenswerten Anpassungen an der Aktienquote hat die Assekuranz vorgenommen – dort liegt der Anteil an Firmenpapieren aufgrund der anderen Risikodeckungspflichten jedoch naturgemäss tiefer. Bei Bâloise beträgt die Nettoquote weniger als 6%, bei Allianz Suisse liegt die Quote bei rund 4%, bei Axa Winterthur unter 3%, und Swiss Life hat den Aktienanteil gar auf unter 1% gesenkt. Nur die von der Vollversicherung ausgenommene Sammelstiftung Vita der Zurich Versicherung fährt derzeit eine Aktienquote von etwas weniger als 18%.