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2013: Düstere Aussichten für kleine Privatbanken

Sieht Vontobel als mögliches Übernahmeziel oder Käufer: Finanzfonds-Manager Guy de Blonay. (Bild: ZVG)

2012 war ein turbulentes Jahr für Schweizer Banken. Was 2013 bringen könnte, verrät Finanzfonds-Manager Guy de Blonay von Jupiter Asset Management im Interview.

Von Jeffrey Vögeli (Interview)
am 02.01.2013

Wie geht es dem Bankplatz Schweiz 2013?
Guy de Blonay: Die aktuellen Veränderungen in der Industrie bringen die Banken unter Druck. Undeklarierte Gelder waren gleichzeitig diejenigen, die am meisten Geld brachten. Nun, da diese mehr und mehr wegfallen, stellt sich die Frage, wie die Privatbanken aus den verbliebenen Vermögen Gewinn machen können.

Sie sprechen von Privatbanken. Was bedeutet die Entwicklung für die Grossbanken?
Die grossen Banken – CS und UBS – werden sich wieder auf ihre ursprünglichen Geschäftsbereiche konzentrieren.

Was heisst das?
UBS will global im Private Banking führend sein. Auch wenn die Bank weiterhin Investmentbanking-Dienstleistungen anbietet: Sie wird dadurch viel stabiler.

Die Zukunft des Schweizer Finanzsektors liegt also im Private Banking?
Zumindest für die Anleger wäre das gut. Beide Grossbanken werden nah am eigenen Buchwert gehandelt. Die Privatbanken erzielen am Aktienmarkt oft Preise bis zum dreifachen Buchwert. Hier bietet sich also ein gutes Potenzial für Aktionäre von UBS oder CS.

Werden die Grossen den Privatbanken Konkurrenz machen?
In der Privatbankindustrie insgesamt wird man sehen müssen, welche Banken mit dem neuen Umfeld umgehen können. Negativ sehe ich die Zukunft für diejenigen Privatbanken, die eine bestimmte kritische Masse nicht übersteigen. Viele von diesen werden zusammengehen müssen, um effizienter zu werden.

Welche sind das konkret?
Es gibt eine Reihe von nicht börsennotierten Privatbanken in der Schweiz, die unterhalb dieser kritischen Grösse liegen. Von den Grösseren wäre möglicherweise Vontobel ein Übernahmeziel. Ich sehe Vontobel allerdings eher als Käufer. Auch die (liechtensteinische) VP Bank wäre eventuell eine Kandidatin.

Wie können Banken vermeiden, ein Opfer der Marktentwicklung zu werden?
Die Banken werden in den nächsten Jahren zunehmend versuchen, das bestehende Angebot mit neuen Preisen zu versehen, indem sie ihren Kunden ausdrücklich so viele Dienstleistungen wie möglich berechnen (Echtzeit-Meldungen, Zugang zu Research).

Wird das gelingen?
Tatsächlich bieten die meisten Banken bereits sämtliche Arten von Dienstleistungen an: Steuerberatung, Nachlassplanung, Darlehensvergabe, Kunstberatung, Concierge-Dienste etc. Bedingt durch den strukturellen Margendruck sowie das gestiegene Preisbewusstsein der Kunden ist es unwahrscheinlich, dass die Bruttogewinne auf das Niveau von vor 2008 zurückkehren.

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