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Elektromobilität
2019 verheisst einen Elektroauto-Boom

Four Tesla Model 3 electric cars from Tesla Motors are visible charging at an electric vehicle charging station in San Ramon, California, September 26, 2018. (Photo by Smith Collection/Gado/Getty Images)

Gehört in San Francisco oder Los Angeles mittlerweile zum Strassenbild: Das Model 3 von Tesla.

Quelle: Getty Images

2019 werden Elektroautos einen Riesensprung nach vorne machen, sagen Experten. Das Model 3 von Tesla könnte den Trend in der Schweiz beflügeln.

Von David Torcasso
am 13.12.2018

Der Verkauf von Elektroautos hat nach einem harzigen Jahresstart weltweit an Fahrt aufgenommen und steigerte sich gegenüber dem Vorjahr um 76 Prozent. Auch die Schweiz ist beim «Elektrifizierungsgrad» von Autos vorne mit dabei. Sie positioniert sich nach Norwegen, Island, den Niederlanden und China auf dem fünften Platz weltweit. 

China gibt nach wie vor den Takt an. Der Abnehmermarkt wächst, die Autohersteller arbeiten auf Hochtouren. In einem Ranking der weltweiten Elektroautohersteller stammen bei den Top 20 über die Hälfte aus dem asiatischen Riesenland, wie der «Automotive-Eletrification-Index» der Beratungsfirma Alix Partners zeigt.

China produziert Modelle am Laufmeter

In China ist Geely dank seiner bemerkenswerten Profitabilität wegweisend. Der chinesische Autohersteller hat im ersten Halbjahr mit 13,4 EBIT-Marge pro Umsatzeinheit rund 170 Prozent mehr Gewinn vor Zinsen und Steuern erwirtschaftet, wie das Automotive Research Center an der Universität Duisburg-Essen errechnet hat.

Auch andere Hersteller aus dem Reich der Mitte wie BYD, SAIC, Chery oder Hawtai bringen inzwischen massentaugliche Modelle auf den Markt. Die Zahl der verkauften Reichweiten haben sich in China im laufenden Jahr nochmals verdoppelt. Dabei wird im Index die Reichweite berechnet, die ohne Verbrennungsmotor oder Wiederaufladen zurückgelegt wurde. 

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Deutsche Autohersteller fallen zurück

Die grossen deutschen Autobauer haben bei der Aufholjagd hingegen an Terrain eingebüsst. Sie rutschen im Ranking ab: BMW vom sechsten auf den neunten Platz, Volkswagen auf den zwölften Platz und Mercedes ist gar nicht mehr bei den zwanzig bedeutendsten Herstellern vertreten. Die Deutschen verkauften im laufenden Jahr zwar mehr Elektro-Kilometer, aber liegen deutlich unter dem weltweiten Wachstum.

In der Schweiz hat sich der Absatz von Elektroautos knapp 20 Prozent gesteigert. Diese Zunahme fällt geringer aus als in anderen Ländern, obwohl die Schweizer eine hohe Affinität zu Elektroautos aufweisen.

Die Ursache für diesen Rückgang liegt laut Marcus Kleinfeld von Alix Partners auch beim Angebot der Hersteller: «Die Auswahl von Elektrofahrzeugen von europäischen Autobauern ist noch immer überschaubar. Das verzögert die Entwicklung des Marktes in Deutschland, aber auch in der Schweiz», sagt Kleinfeld. Er bemängelt auch, dass die europäischen Hersteller zu zögerlich sind: «Die Player aus Übersee sind bei der Modelloffensive in allen Preis- und Leistungsklassen offensiver.»

Tesla könnte für Boom sorgen

Mit dem chinesischen Elektroauto-Goldrausch kann nur Tesla mithalten. Trotz schwieriger Monate ist das Unternehmen von Tausendsassa Elon Musk weiterhin die unangefochtene Nummer Eins auf dem Markt. Die verkauften Teslas haben im vergangenen Jahr weltweit bereits über 18 Millionen Kilometer E-Reichweite erzielt.

Der Autokonzern aus Kalifornien wird trotz der chinesischen Konkurrenz den Boom von Elektroautos im neuen Jahr weiter beschleunigen. Dank dem Model 3, das nun endlich in Serienproduktion läuft, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen. Elon Musk hatte es Anfang Dezember geschafft, erstmals 1000 Stück des Model 3 an einem Tag zu produzieren.

Im Heimmarkt USA hat das Model 3 in den vergangenen Monaten einen wahren Hype ausgelöst. Nachdem die Produktion endlich in die Gänge gekommen war, hat Tesla bereits mehr als 85'000 Stück ausgeliefert. Im kommenden Jahr könnte Tesla sogar bis zu 170'000 Fahrzeuge in den USA verkaufen, schätzt Dudenhöffer. Ähnlich viele Fahrzeuge könnten im kommenden Jahr von Tesla in Europa abgesetzt werden. In China hingegen wurden im ersten Halbjahr 2018 gesamthaft rund eine halbe Million E-Autos verkauft. 

Steigerung um 80 Prozent

Im Februar möchte Tesla mit dem Model 3 in die Schweiz kommen. Hierzulande ist Tesla beliebt und weist eine hohe Dichte auf. Nimmt man die USA als Referenz, wird der Verkauf von Elektroautos mit dem Schub von Tesla in der Schweiz im neuen Jahr einen grossen Sprung machen, sagt Dudenhöffer. Das beflügle den Schweizer E-Automarkt allgemein, sagt Dudenhöffer. «Es ist eine Steigerung der Verkäufe von bis zu 80 Prozent im 2019 möglich.»

Dazu werden in Europa weitere Elektroautos auf den Markt kommen: Etwa der Audi e-tron, BMW e-Mini, Kia e-Niro und Soul EV, Mercedes EQC, Peugeot 208 e, Porsche Taycan und Skoda Citago E. Trotzdem wird Tesla laut Dudenhöffer auch im 2019 Marktführer bleiben. Erst 2021, wenn die grosse Modelloffensive von Volkswagen komme, könnte der deutsche Autokonzern Tesla in Europa vom E-Auto-Thron stossen. 

EMarkt

China steht beim Thema Elektroautos über allem: Es ist der grösste Markt, aber auch der Anbieter der meisten Modelle zurzeit.

Quelle: Statista

Der Mix machts aus

Doch nicht nur die Lancierung von neuen Automodellen, die batteriebetrieben sind, entscheiden über die Zukunft des Elektrofahrzeugmarktes. Autoexperten sind sich einig: Der rasche Ausbau der Ladeinfrastruktur ist der Schlüsselfaktor. Die Schweiz ist mit rund 250 Ladestationen im Vergleich zur Grösse besser aufgestellt als die Nachbarländer. Weltweit gebe es bei der Versorgung von Stromstationen einen Nachholbedarf, so der Autoexperte.

Laut Marcus Kleinfeld von Alix Partners wird der Automarkt auch vielfältiger: «China oder Norwegen setzen stark auf rein batteriebetriebene Fahrzeuge. In anderen Ländern wird sich aber auch ein Mix aus verschiedenen Technologien etablieren, so wie etwa Batterie, Brennstoffzellen oder mit synthetischem Kraftstoff angetriebene Fahrzeuge