Die Champagne ist eine faszinierende Region. Am nördlichen Rand der für den Weinbau geeigneten Klimazone gelegen, hat man es hier über Generationen hinweg verstanden, aus der Not eine Tugend zu machen und ebenso einzigartige wie prestigeträchtige und vielfach auch qualitativ hochstehende Schaumweine zu erzeugen. Die meisten der grossen und bekannten Champagnerhäuser können auf eine lange Geschichte zurückblicken, während der sie ihren eigenen, von vielen kleinen Geheimnissen geprägten Stil entwickelten.

Wein statt Kakao und Kaffee

Eine seltene und beeindruckende Ausnahme bildet hingegen die Marke Nicolas Feuillatte, die erst 1976 gegründet wurde. Der aus Paris stammende und in New York ansässige Kakao- und Kaffeehändler Feuillatte hatte 1970 einen 12 ha grossen Weinberg in der westlich von Reims gelegenen Gemeinde Bouleuse geerbt und beschlossen, sich fortan dem Weinbau zu widmen.

1978 brachte Feuillatte unter seinem eigenen Namen die Réserve Particulière auf den Markt. Diese zunächst seinen anspruchsvollen Freunden aus der internationalen Haute volée vorbehaltene Cuvée wurde innert weniger Jahre zum Verkaufsschlager.

Schon bald reichte die eigene Rebfläche nicht mehr aus, um die Nachfrage zu decken. Deshalb entschloss sich Feuillatte 1986, seine Marke der Produzentenvereinigung Centre Vinicole de la Champagne in Chouilly zu verkaufen. Ein Deal, der für alle Beteiligten aufging: Das Centre Vinicole, dessen über 5000 Mitglieder zusammen eine Rebfläche von 2225 ha bewirtschaften, konnte eine gut positionierte, aufstrebende Marke übernehmen, und Nicolas Feuillatte hatte erreicht, dass sein Name und der mit ihm assoziierte Champagnerstil weiter bestehen würden.

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Gut 20 Jahre sind inzwischen vergangen, während denen sich - alles andere als eine Selbstverständlichkeit - die Marke Nicolas Feuillatte weltweit durchzusetzen und zu etablieren vermochte. 2007 wurden stolze 9 Mio Flaschen in über 90 Ländern verkauft. Damit ist Nicolas Feuillatte Nummer drei im internationalen Champagnergeschäft, auf dem Heimmarkt in Frankreich gar Nummer eins.

Hinter diesem durchschlagenden Erfolg stecken die geschickte Positionierung der Marke und ein ausgezeichnetes und keckes Marketing. So nimmt man etwa mit dem Slogan «Nicolas Feuillatte: Épernay - New York - Ailleurs (anderswo)» die wichtigtuerische Attitüde bekannter Luxusmarken aufs Korn und unterstreicht nicht nur augenzwinkernd die eigene Bedeutung, sondern bringt auch gleichzeitig selbstbewusst zum Ausdruck, dass man der Konkurrenz eine Nasenlänge voraus ist.

Konsequent im Umweltschutz

Der Konkurrenz tatsächlich eine Nasenlänge voraus ist Feuillatte bei der Produktion, wo man konsequent auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz setzt. So kauft das Centre Vinicole, wie der Önologe und Produktionsdirektor Thierry Gomérieux erklärt, ausschliesslich «grünen Strom» und hat gleichzeitig dank verschiedenster Massnahmen in den letzten Jahren den Stromverbrauch um 15% gesenkt. Und Gomérieux weiter: «Zudem bemühen wir uns, die Transporte zu optimieren, Abfall, Verpackung und Wasserverbrauch zu minimieren und auf die Wiederverwertbarkeit der verwendeten Materialien zu achten.»

Doch kluges Marketing und ökologisches Engagement allein reichen nicht aus, um einer Marke zum Erfolg zu verhelfen. «Ohne hervorragende, auch den Kenner überzeugende Produkte erreicht man gar nichts», meint Gomérieux. Ausschlaggebend seien zum einen die Qualität der Trauben und zum anderen die Arbeit im Keller, zu der auch das gekonnte und stilsichere Assemblieren der verschiedenen Grundweine gehört. «Wir verfügen über eine Vielzahl ausgezeichneter Lagen», erläutert Gomérieux. «So liegen die Weinberge unserer Mitglieder in 13 der 17 Grands Crus, in 33 der 42 Premiers Crus und in 281 weiteren der insgesamt 321 Crus der Appellation.»

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Beste Voraussetzungen also, um aus einer reichhaltigen Palette von Grundweinen ein vielfältiges, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Verwendungszwecke zugeschnittenes Champagnersortiment zusammenzustellen. «Dabei gilt es darauf zu achten, dass der charakteristische Stil des Hauses gewahrt bleibt», sagt Gomérieux und fügt an: «Die Feuillatte-Champagner zeichnen sich durch ihre Frische und Eleganz aus.»

Stark in den Jahrgangscuvées

Neben der vielseitig einsetzbaren Réserve Particulière, mit der die Erfolgsgeschichte der Feuillatte-Champagner begonnen hat, erzeugt das Haus eine Reihe von eigenständigen Jahrgangscuvées, die alle mindestens sieben Jahre auf der Hefe lagern: So etwa - um nur einige zu nennen - den geradlinigen, säurebetonten Blanc de Blancs (Chardonnay), den tiefgründig-stoffigen Ambonnay Grand Cru (Pinot Noir), die harmonisch ausbalancierte Cuvée Spéciale (40% Chardonnay, 60% Pinot Noir) und die gastronomische Cuvée 225 (in Barriques ausgebaute Grundweine; 40% Chardonnay, 60% Pinot Noir).

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Über allen Gewächsen steht jedoch die Prestigecuvée Palmes d’Or, die praktisch ausschliesslich aus Grand-Cru-Weinen assembliert wird. Diese einzigarte Kreation ist die Hommage an eine einst von Nicolas Feuillatte verehrte Sängerin. Nur das Beste schien der Diva gut genug gewesen zu sein, weshalb die Palmes-d’Or-Cuvée auch nur in aussergewöhnlichen Jahren erzeugt wird.