Der grosse japanische Zeichner und Holzschnittkünstler Hokusai schuf seine berühmte Bildserie «36 Ansichten des Berges Fuji» zwischen 1830 und 1834. «Die grosse Welle vor Kanagawa» aus diesem Zyklus dürfte weltweit wohl das bekannteste japanische Kunstwerk sein. In seinem aktuellen Zyklus «Nowhere oder 36 Ansichten des Fujiyama» hat Kanjo Také diese berühmte Holzschnittfolge Hokusais in einer eigenen Technik aus Fotomalerei quasi neu erfunden. Das spät begonnene Hauptwerk, das derzeit in der Hammer Gallery in Zürich zu sehen ist, besticht durch eigenwillige Bildkompositionen und bringt die Vielfältigkeit seiner Person zum Ausdruck: Kanjo Také, 1953 in Berlin geboren, studierte Kunst in Spanien und Berlin, war Art Director einer Werbeagentur und arbeitete lange als erfolgreicher Fotograf mit eigenem Studio in Hamburg. Seit 2002 ist er als freischaffender Künstler in Düsseldorf, Tokio und Schanghai tätig.

In Takés neustem Werk fallen neben der Modernität der Szenerie auch der abrupte Wechsel zwischen Nähe und Ferne sowie das subtile Spiel mit surrealer Verfremdung und alltäglicher Vertrautheit auf. Vor allem jedoch beeindruckt sein radikaler malerischer Zugriff per Computer. Der Künstler setzt ihn wie ein klassischer Kolorist ein, um aus Fotofragmenten starke Bilder von brachialem Ausdruck, um elegante Choreografien sowie erlesene Ornamente zu komponieren.

Neben den Zyklen, die aus zehn 100 × 100 cm grossen Sequenzen bestehen, gibt es eine Auswahl der Bildelemente auch als Triptychon. Wenn Také dem zehnteiligen Panorama «Hokkaido» drei Segmente entnimmt, so bleibt die Mitte ohne besonderen Akzent; die einzelnen Partien stehen gleichwertig nebeneinander. Der Fujiyama rückt nach links, die Passage mit dem Boot nach rechts. Dazwischen liegen bergige Höhenzüge und viel Himmel. Das miniaturartig kleine Boot legt den Massstab für Dimension und Weite fest. Der heilige Berg selbst, obwohl winzig und fast an den Rand gedrängt, besticht durch seine Präsenz als bleibendes Monument und als Garant der Ewigkeit (Hammer Gallery, Beethovenstrasse 20, Zürich; bis 14.3.2011.)

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