Beim Prozess der additiven Produktion wird ein Produkt Schicht um Schicht von einer Maschine aufgebaut. Was sind die Vorteile?
Phil Reeves:
In der Fertigung lässt sich viel Rohmaterial sparen. Wir können zudem leichtere Teile etwa für Flugzeuge bauen, weil ganz neue geometrische Formen möglich werden. Das spart wiederum Treibstoff. Und es braucht keine neuen Werkzeuge mehr, wenn man auf der Maschine ein neues Teil produzieren will.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Was sind die Limiten?
Wir haben eine Reihe von Produkten näher analysiert. Bei 90 Prozent mussten wir erkennen, dass sie sich vorerst nicht für die additive Fabrikation eignen. Sie wird darum die traditionelle Fabrikation nicht ersetzen.

Warum?
Die Methode des Feingiessens bleibt ideal für einfachere Komponenten, welche in grossen Serien hergestellt werden. Auch die Kosten sind ein Problem. Ausgefeilte Maschinen kann man zwar für 180000 bis 720000 Franken erstehen. Sie sind aber noch immer langsam. Dazu kommt, dass das Rohmaterial bis zu zehn Mal teurer sein kann, wenn man es statt fürs Giessen für die additive Fertigung nutzt.

Wie steht es mit der Produktqualität?
Das ist eine weitere Hürde. Wir können zwar ähnliche Qualitäten erzielen wie bei der Herstellung durch Giessen, aber noch nicht die gleichen. Das liegt auch an den Maschinen. Die sind noch nicht ausgereift, haben etwa noch nicht die gleich guten Kontrollsysteme wie traditionelle Werkzeugmaschinen. Derzeit läuft sehr viel Forschung, um die Methode breiter anwenden zu können. Grossbritannien, die EU und die Vereinigten Staaten haben Millionen für die Forschung gesprochen. Obwohl die Technologie in vielem noch nicht reif ist, wird sie von den Regierungen bereits sehr ernst genommen.

Warum?
Die Regierungen glauben, dass sich so die Deindustrialisierung bis zu einem gewissen Grad rückgängig machen lässt. In der Politik hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass es für das Wohl eines Landes ein Wirtschaftssystem braucht, das aus mehr besteht als einem Dienstleistungs- und einem Bankensektor.

Hat die additive Fertigung das Potenzial, hier die Gewichte zu verändern?
Ich glaube ja. Die Grundsätze der schlanken Produktion zum Beispiel lassen sich auch in Asien umsetzen. Damit holen wir die Fertigung nicht in den Westen zurück. Das funktioniert nur, wenn wir die Lieferkette komplett verändern.

Wie?
Unsere Firma entwickelt derzeit zum Beispiel Projekte, um die additive Fertigung in die Ladenstrassen und Einkaufszentren zu bringen. Konsumenten können dann mit speziellen Tools ein Design entwickeln und sich dieses über einen 3D-Drucker in einem Einkaufszentrum herstellen lassen. Das verändert den gesamten Produktionsprozess und die Lieferkette grundlegend.

Ist die additive Fertigung sogar eine Revolution, wie manche Leute sagen?
Sie ist eine innovative Art und Weise, Dinge herzustellen. Aber sie wird nicht zu einer neuen Weltordnung führen, in der jeder selber produziert, was er braucht. Irgendjemand sagte kürzlich sinngemäss, dass wir Computerprogramme zum Schreiben oder Malen haben, aber dass trotzdem nicht jeder zu einem Shakespeare oder zu einem Leonardo da Vinci wurde. Es wird weiterhin kreative Entwickler und Designer brauchen. Und wenn mir Amazon ein Produkt wie etwa eine Compact Disc innerhalb eines Tages liefert, warum soll ich es mir dann ausdrucken?

Ist das Ganze also ein Hype?
Nein, das ganz und gar nicht. In einem abgelegenen Land in Afrika habe ich vielleicht Zugang zum Internet. Bis mich aber das Paket von Amazon erreicht, kann es Wochen dauern. In solchen Gegenden könnte der Ausbau der additiven Fertigung sehr viel bringen.