Seine Herkunft offenbart sich den Käufern schon bei einem kurzen Blick auf die Materialien. Stahl, Titan, Gold oder Platin für das Gehäuse, Saphirglas, edles Leder und Diamanten für die Verzierung – alles aus der Uhrmacherkunst bekannt. Doch obwohl aus dem Traditionshaus TAG Heuer (feiert 2010 den 150. Geburtstag), ist der Meridiist keine Uhr, sondern ein Mobiltelefon. Und zwar eines, das nicht wie Apples iPhone jeder mit sich herumtragen wird, sondern das einer erlesenen Klientel vorbehalten ist. Bei einem Preis je nach Version zwischen 6000 und 30000 Fr. ergibt es sich von selbst, dass das Gerät nicht auf den Massenmarkt abzielt.

Die Exklusivität passt TAG-Heuer-CEO Jean-Christoph Babin. Denn: «Die DNA unserer Marke steht – neben Sportlichkeit – für Technologie, Präzision, Design und Performance. Da liegt es auf der Hand, dass wir unser Wissen auch in den Bau von Handys einbringen.»

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft liegt das Exklusiv-Handy nun also zum Verkauf auf. Die Materialauswahl, das Design und das Marketing macht TAG Heuer am Firmensitz in La Chaux-de-Fonds selber, das technische Innenleben hingegen übernimmt die französische Firma Modelabs nach den Anforderungen der Uhrenmarke. Der Meridiist besteht aus 400 Einzelteilen. Fünf Jahre lang hat man am neuen Prunkstück gearbeitet. Der Name Meridiist soll übrigens an Reisende erinnern, die den Meridian passieren.

Grosses Potenzial

Ein Handy und nicht etwa Uhren oder Schmuck unter dem Namen TAG Heuer? Tatsächlich haben verschiedene Funktionen eines Mobiltelefons, wie Babin begründet, mit Zeit zu tun: Die Kalenderfunktion etwa oder auch der Wecker. Der Meridiist weist zudem ein zweites Display auf, das dem Benutzer auch während einer Sitzung einen diskreten Blick auf die Uhrzeit ermöglicht.

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Luxushandys gibt es bis heute noch kaum. Ihr Marktanteil liegt im Promillebereich. «Das Potenzial, das hier brachliegt, war für TAG Heuer ein wichtiger Grund, in das Geschäft mit Luxustelefonen einzusteigen», so Babin.

Auch die Konkurrenz hat dies erkannt. Marktleaderin Nokia gründete als erste eine Tochtergesellschaft namens Vertu. Geräte dieser Marke kosten zwischen 4000 und 250000 Euro. Aber auch profane iPhones gibt es inzwischen in Ausführungen mit Diamanten für gut 11000 Dollar. Und selbst unter dem Namen Nokia verkaufen die Nordländer einzelne Geräte mit Brillianten zu Preisen um die 20000 Dollar.

Ziel von TAG Heuer ist es, vom Meridiist anfänglich einige 10000 Stück pro Jahr zu verkaufen. 2013 dann soll jährlich 1 Mio über den Ladentisch gehen. Dass dieser Ladentisch indes nicht in einer Elektronikkette stehen wird, sondern bei einem Juwelier, liegt auf der Hand. Genutzt werden sollen die bekannten Verkaufskanäle aus dem Geschäft mit Uhren.

28 Tage Standby

Der Meridiist kann allerdings nicht durch ausgeklügelte Technik begeistern. So fehlen beim Edel-Handy etwa Funktionen wie ein Navigationssystem oder schneller Datenempfang über UMTS. Eine besonders gute Empfangsqualität und eine leicht zu bedienende Oberfläche sollen dies wieder wettmachen. Imposant ist zudem die versprochene Standby-Zeit des Meridiist: Sie soll bei 28 Tagen liegen.