Während der Übernahmekampf um Alstom in der Region Baden Ängste vor einem Kahlschlag auslöst, spielt der französische Konzern das Ganze herunter. Dass bei einer allfälligen Übernahme durch General Electric 4000 Stellen auf dem Spiel stünden, sei «Blödsinn», so Alstom. «Ich haben noch nie eine so dumme Zahl gesehen», sagte der Chef der Sparte Thermal Power, Philippe Cochet, am Freitag vor den Medien in Zürich.

General-Electric-Chef Jeffrey Immelt hatte in einem Brief an Frankreichs Staatspräsident François Hollande angeboten, als Gegenleistung für die Zustimmung der Franzosen zur Übernahme, den Hauptsitz des thermischen Kraftwerkgeschäfts von Baden nach Belfort zu verlegen. Seither machen in der Region Baden Befürchtungen vor einem Wegzug des grössten privaten Arbeitgebers im Aargau die Runde. In dem Kanton arbeiten über 6300 der insgesamt 6500 Angestellten von Alstom Schweiz.

Das grösste Forschungs- und Trainingszentrum

«Die Leute sind sicher besorgt», sagte Geri Müller, Stadtammann von Baden und Nationalrat der Grünen. «Man kann jedoch nicht von einer grossen Unruhe reden.» In Baden ist der weltweite Hauptsitz der Division Thermal Power angesiedelt, die 43 Prozent des Konzernumsatzes von Alstom erwirtschaftet. Zusammen mit Birr bildet er das grösste Forschungs- und Trainingszentrum von Alstom. Allein in Baden arbeiten 4200 Personen bei Alstom.

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Selbst wenn der weltweite Hauptsitz der Division Thermal Power nach Frankreich verlegt würde, wären höchstens einige hundert Stellen betroffen, sagte Cochet: «Aber ich weiss es nicht. Ich habe keinen Grund zu glauben, dass so etwas passiert. Das wäre gegen die industrielle Logik.»

Zu viel Know-how würde verloren gehen

General Electric (GE) habe Wachstumspläne. Der US-Gigant wolle Alstom nicht kaufen, um einen Konkurrenten loszuwerden, sondern um schlagkräftiger zu werden. GE sei am Servicegeschäft und an den neuen Technologien von Alstom im Kraftwerkgeschäft interessiert, sagte Cochet. «Es ist etwas salopp, zu sagen, 4000 Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel», sagte Alstom-Schweiz-Verwaltungsratspräsident Joseph Deiss. Es sei wohl kaum zu erwarten, dass die ganze Produktion und das Servicegeschäft in der Schweiz verlegt würden. Da würde zu viel Know-how verloren gehen.

«Wir arbeiten in langen Zeiträumen. Kraftwerke funktionieren 50 Jahre», sagte der einstige Bundesrat. Um da den Service zu machen, müsse man wissen, wie Kraftwerke funktionierten. Da brauche es das Know-how der Leute, die die Schweiz habe. «Was auf dem Spiel steht, ist heute schwierig zu sagen», sagte Deiss. «Wir sind nicht für Spekulationen da. Solange es keinen Entscheid gibt, ist es uns nicht möglich, uns zu Dingen zu äussern, die wir noch gar nicht kennen. Jetzt muss man Panik vermeiden.»

Viele Trümpfe und Qualitäten

Die Schweiz habe viele Trümpfe und Qualitäten, auch wenn der Bundesrat keine aktive Industriepolitik betreibe wie andere Länder. Vorteile der Schweiz seien etwa der flexible Arbeitsmarkt oder die hohe Qualifikation der Mitarbeiter. Die Nähe zu den Universitäten in Zürich sei wichtig, hiess es.

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«Wir tun alles, was uns möglich ist, damit Alstom hier bleibt», sagte der Badener Stadtammann Geri Müller. Dazu ziehe man mit dem Aargauer Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann am gleichen Strick. Man stehe auch in Kontakt mit Deiss und Bundesrat Johann Schneider-Ammann.  Insgesamt habe Alstom in der Schweiz im vergangenen Jahr rund 100 neue Arbeitsplätze geschaffen, sagte Personalchefin Dina Mardner. Für das laufende Geschäftsjahr wird allerdings wegen der Flaute im Kraftwerksgeschäft wieder mit einem leichten Abbau gerechnet.

Auftragsbestand sackt ab

Der Umsatz stieg im vergangenen Geschäftsjahr in der Schweiz um rund 5 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro, sagte Alstom-Schweiz-Finanzchef Ferdinand Schulz. Aber der Auftragseingang sacke von 2,8 Milliarden auf 2,2 Milliarden Euro ab.

(sda/se)