Sie möchten von den Anlegern viel frisches Geld. Kommt es nun zur Totalsanierung wie bei Oerlikon?

Marcel Imhof: Nein, überhaupt nicht. Wir mussten nach dem Horrorjahr 2009 einfach die Finanzierung auf neue Beine stellen. Das ist uns gelungen. Es sind die gleichen Banken an Bord wie früher.

Warum dann die Kapitalerhöhung?

Imhof: Um Unsicherheit zu beseitigen. Wir haben eine Kredit-Bürgschaft des deutschen Staates in Aussicht. Doch dagegen läuft eine Einsprache. Deshalb suchen wir jetzt sofort neues Kapital, um die Bilanz zu stabilisieren.

Lief denn das Geschäft wegen der Unsicherheit schlechter?

Imhof: Sie hat bei Lieferanten und möglicherweise auch bei Kunden hemmend gewirkt.

Nun droht eine massive Verwässerung. Branchenkenner sprechen davon, dass Sie 50% neue Aktien ausgeben wollen.

Imhof: Sie liegen nicht falsch, wenn sie von rund 50% neuen Aktien ausgehen.

Wie viel Schulden hat Schmolz + Bickenbach gegenwärtig?

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Imhof: 1 Mrd Euro.

Dafür müssen Sie Zinsen zahlen. Laut Halbjahreszahlen reicht der aktuelle Gewinn gerade aus, diese Zinsen zu begleichen.

Imhof: Das wird sich ändern. Denn jetzt steigt der operative Gewinn wieder an. Und damit werden auch die Zinsen sinken, die wir den Banken zahlen müssen. Das ist so vereinbart.

Sie wollen das Geld aus der Kapitalerhöhung zum Schuldenabbau brauchen. Doch das Unternehmen wird auch danach noch auf gut 700 Mio Schulden sitzen. Die Kapitalerhöhung löst das Grundproblem überhaupt nicht.

Imhof: Die Firma hat vor nicht langer Zeit 4 Mrd Euro Umsatz gemacht. Das muss man berücksichtigen. Und wir legen wieder zu. Da sind 700 Mio Euro verantwortbar.

Warum machen die Banken mit? Kommt es zum Tausch Schulden gegen Aktien wie bei Oerlikon?

Imhof: Nein, das ist eine reine Aktienkapitalerhöhung.

Warum also dann?

Imhof: Weil sie an uns glauben. Diese Firma war bis 2008 äusserst erfolgreich. Dann kam das Krisenjahr. Die gesamte Stahlbranche erlebte einen Taucher, wie es ihn noch nie gegeben hatte. Ich garantiere, in dieser Form wird es ihn auch nicht so schnell wieder geben.

Was macht Sie da so sicher?

Imhof: Der Taucher war nur möglich, weil unsere Kunden, etwa die Autoindustrie, zuvor enorm grosse Lager aufgebaut hatten. Die sind nun aufgebraucht.

Sie fürchten sich also nicht vor einem Rückfall in die Rezession?

Imhof: Überhaupt nicht. Ein neuerlicher substanzieller Umsatzeinbruch wie letztes Jahr ist bei uns schlicht unmöglich.

Selbst wenn alles gut kommt: Den Schaden haben die Anleger. Durch die Kapitalerhöhung sackt der Kurs vielleicht noch einmal deutlich ab. Was sagen Sie den Aktionären?

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Imhof: Wir können nur sagen, dass wir auf dem Weg der Besserung sind. 2009 muss man einfach abhaken.

Ich höre immer wieder von Anlegern, die über das Management von Schmolz + Bickenbach erbost sind. Weil es Millionengehälter bezieht, während der Kurs abstürzt.

Imhof: Die Entlöhnung hat bei uns einen hohen variablen Anteil. In den guten Jahren waren deshalb die Löhne sehr gut.

Aber sie sind auch jetzt immer noch sehr gut.

Imhof: Das stimmt. Das Management muss auch Ziele erreichen können, wenn es der Weltwirtschaft schlecht geht. Das hat es getan, zum Beispiel die Kosten runtergefahren.

Und wie wollen Sie das den verärgerten Anlegern erklären, die bereits 50 oder 70% ihres Geldes verloren haben?

Imhof: Die Salärdiskussion ist in der Tat schwierig. Die Frage ist nicht einfach zu beantworten, wie viel Lohn für einen Manager angemessen ist.

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