Der Preis für ein Barrel (159 l) US-Leichtöl hat die 70-Dollar-Marke überschritten und damit die Aktien- und die Finanzmärkte weltweit in Aufregung versetzt. Die US-Energiebehörde hatte vor Ostern steigende Rohölvorräte gemeldet. Demnach liegen die Lagerbestände in den USA bei 346 Mio Barrel und damit rund 1% höher als in der Vorwoche. Dagegen fiel der Bestand an Benzin um 3,9 Mio Barrel auf 208 Mio Barrel.

US-Bürger im Sommer häufiger am Autofahren

Analysten begründeten den Preisanstieg mit der Sorge, dass es wegen eines starken Rückgangs der Vorräte an Benzin, Diesel und Heizöl in den USA zu Lieferengpässen kommen könnte. Seit Wochen fallen dort die Pegelstände in den Lagertanks. Die US-Bürger sind traditionell im Frühjahr und Sommer öfter mit dem Auto unterwegs und fragen daher mehr Benzin nach.

Zudem wächst die Angst, dass die USA wegen des Atomstreits mit dem Iran dessen Nuklearanlagen angreifen könnten. Iran gehört neben Nigeria, wo die anhaltende Gewalt ebenso mit wachsender Besorgnis zur Kenntnis genommen wird, zu den bedeutendsten Öl-Förderländern. Zudem bleiben im Golf von Mexiko als Folge der Schäden nach den Stürmen im vergangenen Jahr weiter rund 300 000 Barrel Öl am Tag ungefördert.

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Der Ölmarkt wird nach Einschätzung des Energiekonzerns BP noch mehrere Jahre benötigen, um sich wieder zu normalisieren. «Wir werden bis zum Jahr 2010 warten müssen, ehe es wieder ausreichende freie Förderkapazitäten gibt», sagte BP-Experte Christof Rühl. Die knappen freien Kapazitäten seien die Erklärung für das teure Öl.

Der hohe Ölpreis und eine schwächere Weltwirtschaft haben den Konjunkturerwartungen für Deutschland laut der Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) einen leichten Dämpfer verpasst. Das Stimmungsbarometer ging im April im Vergleich zum Vormonat um 0,7 Punkte auf 62,7 Punkte zurück.

Damit fiel der Indikator zum dritten Mal in Folge. Dennoch liegt er deutlich über seinem historischen Mittelwert von 35,3 Punkten. «Die Erwartungen der Finanzmarktexperten stagnieren, wenn auch auf hohem Niveau», sagte Wolfgang Franz, ZEW-Präsident.

Die befragten Analysten beurteilten die Entwicklung vor allem im Baugewerbe und in der Autobranche positiv. Die Auftragseingänge signalisierten einen «fortgesetzten Aufwärtstrend der deutschen Investitionsgüterkonjunktur». Der hohe Ölpreis habe sich dagegen negativ auf die Erwartungen ausgewirkt. «Nur eine Wirtschaftspolitik, welche die Herausforderungen beherzt und mutig angeht, stimuliert die Erwartungen», mahnte ZEW-Präsident Franz.

Benzinpreis in Deutschland noch unter dem Rekordhoch

In Deutschland erscheinen noch höhere Benzinpreise angesichts der Lage am Rohölmarkt wahrscheinlich. Nach Angaben des ADAC verlangen die Mineralölkonzerne bereits jetzt für 1 l Superbenzin im Durchschnitt rund 1.33 Euro. Damit ist ein Jahreshöchststand erreicht. Auch Diesel ist mit 1.14 Euro pro l so teuer wie noch nie in diesem Jahr. Die Preise liegen aber noch deutlich unter dem Stand vom Oktober vergangenen Jahres, als auch der Ölpreis ein Rekordhoch erreicht hatte.

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Wie der Endkundenpreis zustande kommt: Mehr als die Hälfte des Benzinpreises besteht aus Steuern

Die variabelste Grösse, die den Benzinpreis in der Schweiz bestimmt, ist der Rohstoffproduktepreis in Dollar je Barrel. Dieser wird durch Preisschwankungen des Rohstoffs, von der Opec festgelegte Fördermengen, die Nachfrage je nach Klima und Konjunktur, die politische Stabilität sowie die Wechselkurse bestimmt. Der Erdölpreis ist seit Jahresbeginn um 11% gestiegen.

Nicht statisch, aber doch einfacher zu prognostizieren ist der Steueranteil. Dieser macht beim Benzin bleifrei 95 51% aus. Der grösste Teil davon geht an die Mineralölsteuer. Die Fiskaleinnahmen des Bundes durch Treibstoff betragen rund 6 Mrd Fr. im Jahr, dazu kommen die Mehrwertsteuereinnahmen.

Ebenfalls nicht in Stein gemeisselt sind die Transportkosten über den Rhein, die je nach Wasserstand variieren.

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Im Produktepreis, den die Schweizer Mineralölhändler bezahlen, sist nicht nur der Rohölpreis enthalten, sondern auch die Raffineriemarge. Laut Andreas Flütsch, Chef von Petroplus in Zug, bewegt sich die Raffineriemarge im einstelligen Prozentbereich. Die Margen hatten wegen Überkapazitäten 2002 den tiefsten Stand der letzten Jahre erreicht und waren nach dem Wirbelsturm Katrina in den USA letztes Jahr nahe beim Maximalstand.

Seit die Ölfirmen wieder vermehrt in die Verarbeitung investierten, sei die Marge wieder leicht gesunken. Über die Förderkosten können laut Flütsch keine Aussagen gemacht werden, da sie je nach Zugang zur Ölquelle total unterschiedlich sind. Die Schweiz ist im europäischen Vergleich eines der günstigen Ländern, um Benzin zu kaufen. Die Steuerbelastungen in den Nachbarländern sind um einiges höher.

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Die grössten Ölverbraucher weltweit sind die Amerikaner, gefolgt von den Chinesen.

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Biodrive

Lastwagen, Baumaschinen, aber auch Personenwagen können mit gebrauchtem Frittieröl fahren. Die Lenzburger Firma Biodrive macht es vor. Seit 2000 rüstet sie Dieselfahrzeuge auf Pflanzenöl um. Bisher hat sie auf altes Frittieröl gesetzt. «Aber die Qualität des Altspeiseöls ist in den letzten Jahren immer schlechter geworden, sodass wir künftig nur noch 10 bis 20% gebrauchtes Frittieröl mit Frischöl mischen wollen», sagt Patrick Keller, der Mehrheitsaktionär des Unternehmens. Nun hat er eine Bewilligung für eine Ölmühle erhalten, wo er importierte Baumwollsaat ohne Schutzzoll in Treibstoff umwandeln kann. Mit beteiligt am Unternehmen ist auch Hermann Bader, Chef der Fleischbearbeitungsfirma Traitafina. Als Pionier hat Bader insgesamt sechs Lastwagen umrüsten lassen. «Der Schweizer Markt ist konservativ, es herrscht eine zurückhaltende Mentalität und es braucht viel, die Kunden hier zu überzeugen», sagt Keller. «Wir exportieren 95% der Treibstoffkomponenten sogar bis nach Australien.» Hauptabnehmer sei Deutschland.Letztes Jahr hat Biodrive 150 Lastwagen ausgerüstet. Das Ganze ist auch eine Kostenfrage. Einen Lastwagen auf Pflanzenöl umzustellen, ist nicht billig, sondern kostet 10500 Fr. Dieser kann dann sowohl mit Diesel wie auch mit aufbereitetem Frittieröl fahren. Der Preis pro l Pflanzenöl an der Biodrive-Tanksäule beträgt nur 1.04 Fr., rechnet Keller vor, was im Vergleich zum Dieselpreis von 1.70 Fr. viel günstiger komme. (gh)

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SIG

Beim Verpackungskonzern SIG wird der Energieverbrauch auf zwei Ebenen reduziert, zum einen beim verwendeten Material. Polyethylen (PE) wird als reiner Kohlenwasserstoff aus Erdöl gewonnen und dient als Flüssigkeitsbarriere bei der Produktion von Kunststoffen für Packungen jeglicher Art. Für die SIG steht die Verwendung von PE bei der Herstellung von Kartongebinden im Vordergrund. «Wir haben bereits in den vergangenen Jahren den Anteil an PE massiv reduziert und ein Forschungsprogramm lanciert. Es bezweckt, diesen Anteil noch weiter zu verringern und schliesslich gar zu eliminieren», sagt Pressesprecher Thomas Werder. Gemäss CEO Rolf-Dieter Rademacher soll dieses Ziel durch neue Barrieretechnologien erreicht werden. Derzeit macht der PE-Anteil noch rund 20% aus. Für die Herstellung der Getränkekartons werden stabile Zellstofffasern verwendet. Sie stammen aus so genannten Durchforstungshölzern. Im PET-Bereich bietet SIG derzeit die leichteste PET-Flasche mit dem geringsten Erdölverbrauch an. Gespart wird aber auch beim Verbrauch von Strom und Gas. So konnten dank Anwendung neuer Umweltmassstäbe am Produktionsstandort SIG Combibloc in Linnich im Zeitraum von knapp sieben Jahren der Verzehr an Strom um einen Fünftel, jener von Flüssiggas gar um mehr als zwei Drittel gesenkt werden. Im Holdinggebäude wurden mit dem Einsatz moderner Techniken ­ Wärmepumpen ­ innert vier Jahren 4,5 Mio Fr. Energiekosten gespart.

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