Landwirte sorgen nicht nur für die Bereitstellung regionaler Nahrungsmittel und die Landschaftspflege, sie trumpfen auch als Strom-, Wärme- und Treibstofflieferanten auf. Rund 85 Betriebe – meist Bauernbetriebe – gewinnen in der Schweiz gegenwärtig aus Gülle und Mist, aus Grün- und Speiseabfällen reichlich Strom, Wärme und Biotreibstoff. Immer mehr Landwirte und zum Teil auch Kommunen wollen in diese Art der nachhaltigen Energieproduktion einsteigen. Hans-Christian Angele von der Informationsstelle Biomasse erwartet fünf bis zehn neue Betriebe pro Jahr. Doch nicht jeder Bauernhof ist gleichermassen für die gleiche Art der Verwertung von Biomasse geeignet. Entscheidend für die Lancierung neuer Projekte, den Betrieb bestehender Anlagen und die Modernisierung alter Biogasanlagen ist aktuelles Wissen. Der Landwirt und Biogaspionier Thomas Schnyder sieht deshalb in der gezielten Weiterbildung ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Nur wenn die Anlage auch den Raumplanungsgesetzen entspricht und die Emissionen kontrolliert werden, liefert sie laut Schnyder nachhaltige Energie.

Kosten decken

Mit der kostendeckenden Einspeisevergütung wird die Produk_tion von Ökostrom für Private attraktiv, doch die reine Möglichkeit, den Ökostrom kostendeckend ins Netz einzuspeisen, reicht nicht aus. Entscheidend ist es, die Anforderungen wichtiger Zertifikate (Naturemade, TÜV) auf die eigene Anlage zu übertragen. Bei der Biomasse sind die Vergütungen so knapp berechnet, dass sich die Investitionen von 1 bis 1,5 Mio Fr. für eine 100-kW-Anlage nur bei optimalen Rahmenbedingungen rechnen. In den Biomasse-Grundkursen von Ökostrom Schweiz werden diese Basiskenntnisse vermittelt.

Wichtige Kurse für Landwirte

Bruno Guggisberg vom Bundesamt für Energie: «Der Bedarf an Weiterbildung beginnt schon, bevor es Konstruktionspläne für eine Anlage gibt. In ihrer Rolle als Investoren, Planer und Besteller müssen die Landwirte die wichtigsten Vor- und Nachteile der Biogasanlagen kennen.» Die Kurse sind deshalb genau auf die Bedürfnisse von Landwirten zugeschnitten und finden meist im Winterhalbjahr statt.

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Für Hans-Christian Angele steht neben der Qualität und Sicherheit auch die Biologie des Fermenters im Vordergrund: «Ein biologischer Prozess ist viel komplexer als ein rein technischer Ablauf, er muss viel intensiver begleitet werden.» Doch auch Gasturbinen, Rührsysteme oder die Hilfsmittel zur Verhinderung von Geruchsemissionen benötigen regelmässige Wartung.

Glyzerin oder Blut

Bei den «Erfahrungszirkeln Biomasse» – sie finden vier- bis fünfmal jährlich statt – beschäftigen sich die Landwirte auch mit aktuellen Themen wie der kostendeckenden Einspeisevergütung oder neuen Ideen, welche Arten von Biomassen genutzt werden können. Beispielsweise der geringe Energiegehalt von Gülle soll mit energiereichen Co-Substraten ergänzt werden. «Denn eine Biogasanlage ist wie ein Tier. Eine ausgeglichene ‹Fütterung› ist für den optimalen Betrieb zentral», so Bruno Guggisberg. Wie gross darf der Anteil der jeweiligen Co-Substrate sein und welche Qualität müssen die Substrate aufweisen? Im kleinen Kreis werden die Erfahrungen mit den neuen Materialien wie Glyzerin oder Blut und Schlachtabfällen ausgetauscht.