Die Computeruhr Apple Watch wird ab heute Freitag an die ersten Käufer ausgeliefert. Der von Apple gewohnte grosse Produktstart mit Schlangen vor den Läden bleibt hingegen diesmal aus. Die Uhr wird voraussichtlich auch den ganzen Mai nicht direkt in den Apple Stores zu kaufen sein.

Bis dahin kann man sie lediglich online bestellen. Auch hier werden Wartezeiten bis Juni angezeigt. Zugleich sollten aber bereits am Freitag Uhren in wenigen ausgewählten Modeboutiquen grosser Hauptstädte verkauft werden. Nach Informationen der «New York Times» soll es einige hundert Geräte pro Laden geben.

30 Kunden in Tokio

Der Verkauf der Computeruhr hat am Freitag ohne grosses Aufsehen begonnen. In Tokio standen am Vormittag vor einem Apple-Geschäft nur rund 30 Kunden, die meisten von ihnen Männer, um sich die Uhr abzuholen. In der Schweiz ist die Apple Watch vorerst nicht erhältlich. Die Auslieferung startet in insgesamt neun Ländern, neben Japan auch in China, Hongkong, Australien, Frankreich, Grossbritannien, Deutschland und in den USA.

Es ist der erste Vorstoss von Apple in eine neue Produktkategorie seit dem Start des iPad-Tablets im Frühjahr 2010. Marktforscher trauen dem iPhone-Konzern zu, die bisherigen Verkäufe der Konkurrenz im Geschäft mit Computeruhren schnell zu übertreffen.

Apple versteckt Zahlen

Apple vermarktet die Watch mehr denn je auch als Mode-Artikel. Die günstigste Sport-Variante kostet 399 Euro. Und die Preise für die goldene Edition-Version starten - bei gleicher Technik - bei 11'000 Euro. In den vergangenen Wochen liessen sich Prominente wie die Musiker Beyoncé oder Pharrell Williams oder Designer Karl Lagerfeld mit der Apple-Uhr am Handgelenk blicken.

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Bislang ist unklar, ob die langen Wartezeiten von einem überragenden Interesse oder Produktions-Engpässen zeugen. Apple nannte keine Verkaufszahlen. Auch ob es solche Angaben überhaupt geben wird, ist offen. Der Konzern kündigte bereits an, dass die Zahlen zur Uhr in der Rubrik «sonstiges Geschäft» versteckt sein werden. Man wolle der Konkurrenz keine Hinweise geben, hiess es.

Das Analysehaus IHS rechnet damit, dass Apple in diesem Jahr 19 Millionen Uhren verkaufen wird. Das werde dem Konzern einen Anteil von 56 Prozent am Smartwatch-Geschäft geben, prognostizierte IHS-Analyst Antonios Maroulis. Er rechnet damit, dass mit wachsender Konkurrenz der Marktanteil zum Jahr 2020 auf 38 Prozent sinken werde.

Härtetest für Apples Versprechen

Zum Start der Uhr sind bereits mehr als 2300 Apps für die Uhr verfügbar. In den vergangenen Wochen erweiterten alle möglichen Anbieter ihre Anwendungen um Watch-Funktionen. Es gibt Apps für Fitness, Wetter, Notizen, Nachrichten, Restaurant-Reservierungen oder die Anzeige von Reise-Informationen. Solche Anwendungen laufen dabei nicht auf der Uhr selbst, sondern auf dem gekoppelten iPhone des Nutzers. Die Watch braucht - im Gegensatz zu einigen Konkurrenzmodellen - das iPhone, um sich mit dem Internet zu verbinden.

Mit der Uhr kann man Telefon-Anrufe annehmen und starten, sich Routen-Anweisungen anzeigen lassen und in den USA auch über den Dienst Apple Pay in Geschäften bezahlen. Mit dem breiten Start kommt auch der Härtetest für Apples Versprechen, dass die Batterie der Watch den ganzen Tag durchhalten soll.

Samsung kündigt nächste Generation an

Der bisherige Smartwatch-Marktführer Samsung kündigte am Freitag durch die Hintertür die nächste Generation seiner Serie Gear an. Der südkoreanische Konzern gewährte Software-Programmierern Zugang zur Entwicklungs-Plattform für ein anstehendes neues Modell mit einem runden Display.

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(awp/dbe/chb)