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Unpassend
AB Inbev investiert heimlich in Bierjournalismus

Biergenuss: AB Inbev will in den Gerstensaft-Journalismus. Budweiser

Der weltgrösste Bierkonzern AB Inbev hat von der Öffentlichkeit unbemerkt Anteile an Bierliebhaber-Webseiten gekauft. Kritiker sehen jetzt eine grosse Manipulationsgefahr durch die Brauerei.

Von Gabriel Knupfer
am 08.06.2017

Anheuser-Busch Inbev ist das genaue Gegenteil einer Kleinbrauerei. Doch der Trend zu edlen Craft Bieren ist auch dem weltgrössten Brauereikonzern nicht verborgen geblieben. ZX Ventures, die Risikokapitalgesellschaft von AB Inbev, hat sich deshalb schon vor Monaten still und heimlich bei Bierliebhaber-Webseiten eingekauft.

Das jedoch stösst bei Beobachtern der Branche auf Unmut: Das Eindringen des Grosskonzerns in den Bierjournalismus führe zu Interessenkonflikten, sagen Kritiker. Vorletzte Woche wurde aufgedeckt, dass ZX Ventures seit Oktober an der Webseite RateBeer beteiligt ist, die Bierbenotungen und Hintergrundstories rund um die Bierkultur publiziert.

Neue Bierkultur

RateBeer ist nicht die einzige redaktionelle Investition des Konzerns. ZX Ventures finanziert zudem das Biermagazin «October» und betreibt die Webseite The Beer Necessities, welche gemäss Eigenbeschreibung das «Bewusstsein für die Bierkultur und die Raffinesse des Bieres stärken» soll.

In der heutigen Zeit der Kleinbrauereien wird der Gerstensaft zunehmend zu einem Lifestyle-Produkt mit entsprechender medialer Begleitung. Immer mehr Leute trinken nicht nur Bier, sondern sprechen und schreiben darüber. Das gibt Konsumenten die Möglichkeit neue Sorten und Marken zu entdecken.

500 Marken in mehr als 140 Ländern

Wenn aber der Grossbrauer AB Inbev – mit einem Marktanteil von 40 Prozent in den USA und über 500 Marken in mehr als 140 Ländern – die Bierkultur unterwandert, ist dies aus Sicht der kleinen Konkurrenten ein Problem. Brauer Sam Calagione von Dogfish Head spricht in einem Blogpost von einem «krassen Interessenkonflikt».

In seinem Text verlangt Calagione die sofortige Entfernung sämtlicher Besprechungen und Erwähnungen von Dogfish Head von der RateBeer-Webseite. «Es scheint mir nicht richtig, dass ein Brauer potenziell Einfluss auf die Inhalte einer Bierwebseite hat, die Konsumenten als nutzergenerierte Plattform erscheint.»

 

Jorge Lemann Grossinvestor bei AB Inbev

AB Inbev weist die Vorwürfe zurück. RateBeer bleibe inhaltlich unabhängig, so eine Sprecherin gegenüber dem Fachportal Advertising Age (Adage). Dass ZX Ventures die Beteiligung nicht früher offengelegt habe, sei normal. «Die meisten Risikokapitalfonds geben ihre Investitionen nicht bekannt.»

AB Inbev ist mit dem umfangreichen Imperium des brasilianisch-schweizerischen Investors Jorge Paulo Lemann verbunden. Der Multimilliardär trinkt selber kein Alkohol, gilt aber wegen der marktbeherrschenden Stellung vieler seiner Biermarken in zahlreichen Ländern als «Bierkönig» der Welt. Bei AB Inbev ist Lemann der grösste Aktionär.

«Hinterhältigkeit funktioniert nicht»

Für Experten könnte die redaktionelle Offensive der Amerikaner zum Eigentor werden. Harry Schuhmacher von «Beer Business Daily» nennt das Vorgehen von AB Inbev «hinterhältig». «Und wenn etwas in der Craft-Beer-Industrie nicht funktioniert, dann ist es Hinterhältigkeit.»

Denn es ist klar: Der Trend zu Kleinbrauereien ist eine klare Absage vieler Konsumenten an die grossen Bierkonzerne und ihre Produkte.

Diese Biere werden weltweit am häufigsten getrunken (Stand 2015):

 

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