Was tut ein Konzernchef, wenn er unter Druck gerät? Das Muster ist stets dasselbe. Gegen aussen bleibt er cool. Er präsentiert sich, als sei er Herr der Lage. Er gibt vor, eine von langer Hand geplante Strategie mit äusserster Konsequenz umzusetzen. Und er verweist auf Umstände, die das Geschäft erschweren. «Alles im Griff», so das Signal.

Doch das ist vor allem für die Galerie. Faktisch entwickelt ein kritisierter Konzernchef fast immer hektischen Aktivismus. Er lässt hastig eine angepasste Strategie ausfertigten, baut das Organigramm seines Unternehmen um, heckt ein schärferes Sparprogramm aus und nimmt sich tief hängende Früchte zur Ergebnisverbesserung vor. Und er versucht, seine Aktionäre bei der Stange zu halten.

Grossaktionär setzt Druck auf

ABB-Chef Ulrich Spiesshofer ist unter Druck. Er musste seine Wachstumsziele zwei Mal zurückstutzen, der Aktienkurs kommt nicht vom Fleck. Und seit Juni hat er mit Cevian einen neuen Grossaktionär im Haus, der seine Ziele radikal durchsetzt und als Verbündeter des ABB-Hauptaktionärs gilt.

Also macht Spiesshofer mustergültig, was Konzernchefs in seiner Lage tun: Er will eine zusätzliche Milliarde einsparen, vor allem beim Personal. Er stellt Übernahmen in Aussicht. Er legt zwei Divisionen zusammen. Er verspricht, das Aktienrückkaufprogramm fortzusetzen. Und er beklagt den tiefen Ölpreis und das schwache Wachstum in China und anderen Schwellenmärkten.

Das ist nicht besonders kreativ. Aber es ist ein Paket, um Cevian zu zeigen, dass etwas geht. Es bringt Spiesshofer Zeit. Es ist seine Flucht nach vorn.

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