FRED KINDLE . Der Elektro- und Automationskonzern ABB wird bis Ende 2007 eine Nettoliquidität von über 4 Mrd Dollar angehäuft haben. «Und ich bin froh darüber», sagt CEO Fred Kindle im Interview mit der «Handelszeitung». Das konjunkturelle Umfeld werde derzeit von Unsicherheiten geprägt. «Deshalb werden die Zukunftsaussichten von Akquisitionsobjekten skeptischer beurteilt», erklärt er. Das habe zwar eine preissenkende Wirkung, gleichzeitig aber sei die Zielgesellschaft weniger attraktiv. «Das Preis-Leistungs-Verhältnis hat sich also nicht massiv zu unseren Gunsten verändert», bilanziert er. Eine grössere Akquisition sei zum heutigen Zeitpunkt wie eine Wette auf die Konjunkturentwicklung. «Und wir sind nicht darauf bedacht, riskante Wetten einzugehen, besonders bei grösseren Objekten.»

Besorgt äussert sich Kindle zum Dollar-Verfall: Die Lage sei «aus dem Gleichgewicht geraten», die USA müssten jetzt handeln. Denn für die Euro-Zone werde «die Situation langsam, aber sicher schwierig».Konsequenzen hat die DollarSchwäche auch für ABB, die in der US-Währung bilanziert. Kindle prognostiziert für 2007 Kostenverzerrungen, etwa bei den Corporate Costs. Diese fallen vor allem im Nicht-Dollar-Raum an und werden «wieder etwas zunehmen». «Aber», betont Kindle, «wir haben insgesamt ein relativ ausgeglichenes Geschäftssystem.» Die Rezessionsängste in den USA verfolgt der ABB-CEO wachsam: «Derzeit deutet aber nichts auf eine markante Abkühlung unserer Märkte hin», beruhigt er. Auch habe die Kreditkrise bisher keine Auswirkungen auf die Zahlungsfähigkeit der ABB-Kunden.

Kotierung in Asien «denkbar»

Trotz der Turbulenzen im Finanzsektor hält der ABB-CEO an der Bilanzierung in Dollar und – entgegen dem Trend – auch am Börsenlisting in New York fest. «Wobei ich offen sage, dass wir uns heute gegen ein US-Listing entscheiden würden», erklärt er. Der Börsengang in den USA habe zunächst mehr Nach- als Vorteile gebracht. Heute profitiere man von einem hohen Handelsvolumen, das über 10% betrage. «Dies hat zu einer aktiven US-Investorenbasis und zu relativ hohen Bewertungs-Multiples geführt», erklärt Kindle. Langfristig hält er gar «ein drittes Listing in Asien für denkbar».

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