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Kräftemessen
ABB-Chef Spiesshofer feuert gegen Cevian-Kritik zurück

Ulrich Spiesshofer: In einem Punkt stimmt er Investor Cevian zu. Keystone

Nach dem Entscheid, die Stromnetzsparte zu behalten, wehrt sich ABB-Chef Spiesshofer gegen die scharfe Kritik von Investor Cevian. Auch verrät er, wie die einzelnen Divisionen künftig agieren sollen.

Veröffentlicht am 05.10.2016

ABB hat den Kampf gegen Investor Cevian vorerst gewonnen: Die Stromnetzsparte bleibt Teil des Konzerns und wird nicht abgespalten. Nun hat sich erstmals nach dem gestern bekannt gewordenen Entscheid ABB-Chef Ulrich Spiesshofer zur Kritik der Schweden geäussert, die Kosten in der Firmenzentrale seien im Vergleich zu den Wettbewerbern von ABB zu hoch. «Wenn man Rockwell und Legrand als Vergleich hinzuzieht, wie das Cevian gerne tut, sieht man, dass deren Verwaltungskosten 5 Prozent höher sind als unsere», sagte Spiesshofer im Interview mit der «Bilanz». «Die Argumentation von Cevian kann ich also nicht nachvollziehen.»

Immer wieder hatte der aktivistische Investor aus Schweden in den vergangenen Monaten Kritik an der ABB-Strategie geäussert und schnelle Fortschritte gefordert. So dringt Cevian auf die Abspaltung der Stromnetzsparte, das rund ein Drittel des Konzernumsatzes erwirtschaftet und Versorger mit Transformatoren und Übertragungstechnologie beliefert.

«Wir haben die Zentrale um ein Drittel reduziert»

Statt die Sparte abzuspalten, will ABB nun das Wachstum und die Profitabilität verbessern. Um die Risiken im Geschäftsmodell zu minimieren, geht der Konzern zwei neue Partnerschaften ein, nämlich mit dem US-Unternehmen Fluor bei den Umspannwerken sowie mit der Norweger Firma Aibel bei den Offshore-Windanlagen. Auch mit dem Softwarekonzern Microsoft will ABB zusammenspannen.

Im Interview mit der «Bilanz» kritisierte Spiesshofer zudem, dass Cevian nur mit ehemaligen ABB-Leuten gesprochen habe. «Die kennen natürlich auch nur die Zentrale von früher. Und die war, da stimme ich ausnahmsweise einmal Cevian zu, viel zu gross», so Spiesshofer. Entsprechend räumt er ein, dass ABB «aufgebläht und ineffizient» wurde. «Deshalb haben wir die Zentrale ja in den letzten eineinhalb Jahren um ein Drittel reduziert.» In der Hauptverwaltung habe ABB nun die Mannschaft, die man wolle.

Mehr Freiheiten und Verantwortung für Sparten

Den einzelnen Sparten will Spiesshofer in Zukunft mehr Freiheit geben. Im Interview nennt er drei Punkte, wie sie in Zukunft unternehmerisch agieren können. So seien die Divisionsleiter mit der neuen Struktur klarer auf die Endmärkte fokussiert als bisher. Jeder von ihnen soll künftig in Sachen Wachstum und Profitabilität an seinen spezifischen Wettbewerbern gemessen werden. «Drittens machen wir die Managementprozesse einfacher. Die letzten Jahre haben wir tief eingegriffen, um ABB umbauen zu können und Kosten zu reduzieren.» Dort sei man gut vorangekommen.

(moh)

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