Der Elektrotechnikkonzern ABB steht vor einer entscheidenden Weichenstellung. Am kommenden Dienstag tritt der Verwaltungsrat des Unternehmens zusammen, wie zwei mit der Situation vertraute Personen am Freitag sagten. Hauptthema sei die Vorbereitung des Kapitalmarkttages am 4. Oktober, an dem ABB bekanntgibt, ob das Unternehmen die Netzwerktechnik abspalten will.

«Das Management favorisiert, die Struktur des Unternehmens in groben Zügen zu belassen», erklärte ein Insider. «Das heisst, dass ein Verkauf der Netwerktechnik-Sparte unwahrscheinlich ist.» Stattdessen dürfte das oberste Gremium des Unternehmens bei der Sitzung vor allem Wachstumsprojekte behandeln.

Grossanleger drängen auf Zerschlagung

Die beiden Grossanleger Cevian und Artisan drängen auf die Zerschlagung des Konzerns. Der Hedgefonds Cevian, der 6,2 Prozent an ABB hält und damit der zweitgrösste Eigner ist, taxiert das Kurs-Potenzial der Aktie bei einer Abspaltung auf 60 Prozent. Analysten sind weniger euphorisch.

Die Experten der US-Investmentbank Goldman Sachs sehen bei einer Veräusserung nur bescheidenes Wertsteigerungspotenzial. Goldman erwartet, dass das Management auf dem Treffen Anfang Oktober die Synergien zwischen der Netzwerktechnik und anderen Bereichen des Unternehmens betonen dürfte.

Termin stand schon lange fest

Einem Insider zufolge findet die Sitzung des Verwaltungsrats zwar in der Schweiz statt, aber nicht in Zürich, wo der Konzern seinen Hauptsitz hat. Zur Zeit sei unklar, ob sich der Verwaltungsrat vor dem Kapitalmarkttag ein weiteres Mal besprechen werde. Ein ABB-Sprecher wollte sich nicht zu Verwaltungsratssitzungen äussern. «Wir haben schon immer gesagt, dass wir am 4. Oktober ein umfassendes Update unserer Strategieüberprüfung geben werden.»

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(reuters/mbü)