ABB hat seine Zukunftspläne vorgelegt. Der Industriekonzern hält an der Stromnetzsparte fest, wie das Unternehmen anlässlich des Investorentages bekannt gibt. Der Bereich soll allerdings weiter umgebaut werden. Auch soll das Margenziel steigen und in der Verwaltung will ABB künftig deutlich stärker sparen als bislang geplant. Zudem wird ein neues Aktienrückkaufprogramm aufgelegt.

Das Unternehmen will sich künftig in vier Divisionen aufstellen, «einschliesslich der Division Stromnetze, die unter dem Dach von ABB weiter transformiert wird». ABB teilt sich damit in die Sparten Elektrifizierungsprodukte, Robotik und Antriebe, Industrieautomation und Stromnetze auf. «Die fortlaufende Transformation der Division Stromnetze unter dem Dach von ABB ist die beste aller sorgfältig geprüften Optionen für unsere Aktionäre», sagt Verwaltungsratspräsident Peter Voser laut Mitteilung. Laut Konzernchef Ulrich Spiesshofer werden in dem Bereich ebenso wie in anderen Sparten Zukäufe geprüft.

«ABB hat bereits lange Zeit zu wenig geliefert»

Grossaktionär Cevian ist mit dieser Entwicklung unzufrieden. Cevian-Co-Chef Lars Förberg übte in einer Stellungnahme Kritik. «Wir denken, dass das eine unglückliche Entscheidung ist», erklärte er. Förberg baut Druck auf: Das Kurspotenzial der ABB-Aktie betrage 35 Franken verglichen mit einem gegenwärtigen Kurs von rund 22 Franken. Cevian werde das ABB-Managementteam daran messen, ob die Aktie die 35-Franken-Marke auch erreiche. Am Mittag notierte der Titel fester mit 0,96 Prozent im Plus bei 22,19 Franken.

Anzeige

Der aktivistische Investor erwarte baldige Fortschritte. «ABB hat bereits lange Zeit zu wenig geliefert.» Cevian dringt mit anderen seit geraumer Zeit auf die Abspaltung der Stromnetzsparte. Das Stromnetz-Geschäft, das rund ein Drittel des Konzernumsatzes erwirtschaftet, beliefert Versorger mit Transformatoren und Übertragungstechnologie.

Rückendeckung vom grössten Aktionär

Der schwedische Grossaktionär Investor AB dagegen stärkt der ABB-Spitze den Rücken. Die Stromnetzsparte zu behalten sei die richtige Entscheidung für das Unternehmen und die Aktionäre, erklärte das Anlagevehikel der Familie Wallenberg am Dienstag. ABB sei zusammen mehr Wert ist als in Teilen. Die Kosten einer Aufteilung seien höher als deren positiven Aspekte. Investor ist mit einem Anteil von gut 10 Prozent der grösste Aktionär des Schweizer Elektrokonzerns, Cevian mit gut 6 Prozent der zweitgrösste.

Statt die Sparte abzuspalten, will ABB nun das Wachstum und die Profitabilität verbessern. Um die Risiken im Geschäftsmodell zu minimieren, geht der Konzern zwei neue Partnerschaften ein, nämlich mit dem US-Unternehmen Fluor bei den Umspannwerken sowie mit der Norweger Firma Aibel bei den Offshore-Windanlagen. Auch mit dem Softwarekonzern Microsoft will ABB zusammenspannen. Gemeinsam wollen die Konzerne gemäss Mitteilung digitale Lösungen auf einer integrierten Cloud-Plattform entwickeln.

Sparziel auf 1,3 Milliarden Dollar erhöht

Gleichzeitig erhöht ABB im Zuge der Neuausrichtung den Zielkorridor für die operative Ebitda-Marge (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) in der Sparte Stromnetze ab 2018 um 2 Prozentpunkte auf 10 bis 14 Prozent. Das Sparziel in der Verwaltung wird demnach um 30 Prozent angehoben auf 1,3 Milliarden Dollar. Der Zeitrahmen bleibt unverändert.

Anzeige

Nach dem Abschluss des Aktienrückkaufprogramms Ende September will ABB ein neues Programm über bis zu 3 Milliarden Dollar (rund 2,9 Milliarden Franken) anschieben, das von 2017 bis 2019 laufen soll.

ABB leidet unter vergleichsweise niedrigen Renditen

CEO Spiesshofer brütet seit einem Jahr darüber, ob er Forderungen von Aktionären wie der schwedischen Beteiligungsgesellschaft Cevian nachgeben und das Unternehmen zerschlagen soll. Konkret geht es dabei um die Stromnetzsparte.

Mit dem Entscheid, an ihr festzuhalten, muss Spiesshofer den Investoren allerdings deutlich machen, wie er wieder besser im Konkurrenzkampf mit Rivalen wie Siemens oder GE bestehen will. ABB kämpft seit längerem mit einem Auftragsschwund und schwachen Renditen.

(me, mit Material von reuters, sda und awp)