Der Elektrokonzern ABB kommt nicht auf Touren. Höhere Rohstoffpreise und Überkapazitäten in der Branche drückten den operativen Gewinn im zweiten Quartal 2017 um sieben Prozent auf 1,042 Milliarden Dollar, wie das Schweizer Unternehmen mitteilte. Unter dem Strich verdiente ABB zwar mehr. Der Anstieg des Reingewinns um 29 Prozent auf 525 Millionen Dollar war aber vor allem geringeren Restrukturierungskosten geschuldet. Analysten hatten mit 580 Millionen Dollar etwas mehr erwartet.

Auch der kurzfristige Ausblick des Siemens-Rivalen fiel durchwachsen aus. Die Konjunkturlage und die geopolitischen Entwicklungen sorgten weiterhin für ein unsicheres Umfeld, hiess es. 2017 werde ein Übergangsjahr. Konzernchef Ulrich Spiesshofer will nun weiter an der Sparschraube drehen.

Ladegeräte als Highlight

Immerhin kam der Schrumpfkurs beim Auftragseingang zum Halt. Er blieb bei 8,3 Milliarden Dollar stabil. Auf vergleichbarer Basis stieg der Auftragseingang um 3 Prozent. In Europa erhöhte sich der Auftragseingang dank der positiven Nachfrage in Grossbritannien, Finnland, der Türkei und Spanien.

Gezielte Investitionen von Energieversorgern beflügelten die Nachfrage in der Region Asien, Naher Osten und Afrika - vor allem in Indien, Saudi-Arabien und Südafrika. Auch auf dem amerikanischen Kontinent stieg die Nachfrage. Rückläufige Grossaufträge drückten dagegen den Auftragseingang in China.

ABB profitiert global von den Investitionen in Robotiklösungen sowie in die Automobil-, Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie. Sehr gefragt waren erneut Ladegeräte für Elektrofahrzeuge. Verhalten bleiben dagegen die Investitionen im vorgelagerten Öl- und Gassektor.

Eine Margen-Verbesserung erzielte ABB nur in den Bereichen Industrieautomation und Stromnetze. Zu verdanken sei dies Kosteneinsparungen und Produktivitätsgewinnen, schreibt ABB. Die Konzernmarge auf Betriebsgewinnebene (Ebita) ging allerdings um 0,5 Prozentpunkte auf 12,4 Prozent zurück.

Der operative Gewinn (Ebita) sank wegen höheren Rohstoffpreisen und Überkapazitäten um 7 Prozent auf 1 Milliarde Dollar, wie es weiter heisst. Die Erhöhung des Reingewinns um 29 Prozent auf 525 Millionen Dollar führt ABB auf tiefere Restrukturierungskosten zurück.

Restrukturierung kostet weniger

ABB sieht sich auf Kurs, das Kostensenkungsziel von 1,3 Milliarden Dollar wie geplant zu erreichen. Die ursprünglich veranschlagten Gesamtkosten der Restrukturierung würden um 200 Millionen Dollar unterschritten.

Mit dem Abschluss der Grossakquisition des österreichischen Steuerungsherstellers Bernecker + Rainer Industrie-Elektronik (B&R) Anfang Juli wurde die Schwerpunktverlagerung auf wachstumsintensive Segmente laut ABB weiter vorangetrieben.

Im Ausblick schreibt ABB von einem «durchwachsenen makroökonomischen Szenario mit anhaltenden Unsicherheiten». In den USA werden «einige» positive makroökonomische Signale geortet und für China wird fortgesetztes Wachstum erwartet. Auch mit weiteren Einflüssen des Ölpreises rechnet ABB. Wegen des Umfelds und dem laufenden Umbau von ABB bleibe die Prognose: 2017 wird ein Übergangsjahr.

(sda/reuters/chb/ise)

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