Der indische IT-Konzern Wipro sichert sich offenbar ein Geschäft im Wert von 450 Millionen Dollar mit dem Schweizer Industriekonzern ABB. Das berichten mehrere indische Zeitungen übereinstimmend. Die indische Firma soll ABB sowohl in der Schweiz als auch Deutschland ab dem Juniquartal des kommenden Fiskaljahres mit IT-Dienstleistungen versorgen, berichtet die «Times of India» unter Verweis auf informierte Quellen. Das Blatt ist Indiens populärste Tageszeitung und gehört zu den meistverkauften englischsprachigen Titeln der Welt.

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Der neue Vertrag soll demnach zumindest teilweise die Zusammenarbeit von ABB mit IBM ersetzen, die laut Bericht seit 2003 besteht. Die IT-Firma soll – je nach Medienbericht – einen Fünf- oder Siebenjahresvertrag abgeschlossen haben und sich um die Back-End-Technologie kümmern, wie Wipro-interne Stimmen berichten. Der Begriff Back-End steht für alles, was der Endnutzer nicht sieht, meistens sind das Server und die zugehörige Netzwerk-Infrastruktur.

Arbeit auch in der Schweiz vor Ort

Manche dieser Arbeiten können von Indien aus erledigt werden, für andere braucht es wohl Mitarbeiter vor Ort. Von Wipro angestellte IT-Fachleute sollen den Berichten zufolge in der Schweiz und in Deutschland Support vor Ort bieten.

Weiter heisst es, dass rund 900 Wipro-Angestellte im Rahmen des ABB-Grossauftrages arbeiten werden. Was der Wipro-Deal für die Angestellten des Schweizer Technologiekonzerns genau bedeutet, bleibt offen. ABB wollte gegenüber den indischen Medien offenbar keine Aussage machen. Auf telefonische und schriftliche Anfrage von Handelszeitung.ch gab ABB dazu ebenfalls keinen Kommentar ab.

Müssen Schweizer IT-Experten bei ABB gehen?

Für IT-Experten scheint aber klar: Auf diese Art und Weise werden in der Regel heimische Informatiker abgesägt. Wipro arbeitet auch als Service Provider für die Schweizer Grossbank Credit Suisse. Schweizer Mitarbeiter werden dabei zum indischen Partnerunternehmen verschoben, wie der «Tages-Anzeiger» im vergangenen März berichtete.

Sie sind damit offenbar nicht mehr vom Schweizer Geldhaus angestellt. Den Mitarbeitern werden zwar während zwei Jahren die gleichen Leistungen garantiert; CS-Mitarbeiter berichteten laut Zeitungsbericht aber auch von Fällen mit sofortigen Leistungskürzungen.

Gesetzlich erlaubt

Ein Umbau dieser Art ist gesetzlich erlaubt. Wenn Personen aus Drittländern, zum Beispiel Inder, im Rahmen eines Projekts befristet in die Schweiz kommen, gilt die Regelung des Inländervorranges nicht. Der Arbeitgeber muss nicht nachweisen, dass er keine geeignete Person aus dem Inland oder einem Staat, mit dem ein Freizügigkeitsabkommen abgeschlossen wurde, gefunden hat.