ABB hat einen Grossauftrag zum Bau einer Stromtrasse in Indien an Land gezogen. Die Zürcher sollen für 640 Millionen Dollar für den örtlichen Netzbetreiber Powergrid eine Gleichstrom-Hochspannungsverbindung (HGÜ) zwischen dem Zentrum und dem Süden des Landes errichten, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

Die mehr als 1800 Kilometer lange Leitung mit einer Nennleistung von sechs Megawatt werde die längste der Welt, heisst es. Die Übertragungskapazität der 800 Kilovolt-Leitung entspricht etwa der Leistung von sechs Atomkraftwerken.

Seit über 100 Jahren in Indien

Entsprechend erfreut zeigt sich Ulrich Spiesshofer: «ABB ist seit über 100 Jahren in Indien aktiv und dank unserer starken Verankerung bei lokalen Herstellern können wir zur Energierevolution des Landes beitragen», so der ABB-Chef. «Eine zuverlässige Elektrizitätsversorgung ist eine Top-Priorität der indischen Regierung um das Momentum beim Wachstum beizubehalten.»

Rund 80 Millionen Menschen sollen von der Leitung profitieren, die Strom aus konventioneller Erzeugung zu den Verbrauchern im Süden leitet, wenn dort Windflaute herrscht. Im gegenteiligen Fall soll Ökostrom aus den Windfarmen im Süden ins Landesinnere geleitet werden.

Sparte stand auf der Abschussliste

ABB hatte im vergangenen Jahr den Bau einer nahezu genauso langen Leitung von den Wasserkraftwerken am Fusse des Himalaya in die indischen Metropolen weiter westlich fertiggestellt. ABB gilt vor dem deutschen Siemens-Konzern als führend in der HGÜ-Technik. ABB-Chef Ulrich Spiesshofer hatte das Geschäft aber auf Druck von Investoren auf den Prüfstand gestellt und sich letztlich für den Behalt der Sparte entschieden.

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In Indien hat ABB die HGÜ-Technik 1989 eingeführt. Die neue Leitung zwischen Raigarh und Pugalpur ist das sechste derartige Projekt im Land. Es soll bis 2019 abgeschlossen werden. Global hat ABB bisher nach eigenen Angaben rund 110 HGÜ-Projekte mit einer Kapazität von 120'000 Megawatt umgesetzt – das ist die Hälfte der globalen HGÜ-Kapazität.

Der Verlauf der Verbindung:

(gku mit Reuters/me)