ABB will besser werden, aber nicht grundlegend anders. Die neue Strategie «Next Level» bestätigt daher die bisherige Stossrichtung.

Nachhaltige Wertschöpfung, Rentabilität, Wettbewerbsfähigkeit, Vorsichtiges Risikomanagement: ABB-Chef Ulrich Spiesshofer will mit ABB in eine Zukunft, in der weniger Administration vorherrscht, dafür Raum entsteht für Flexibilität und mehr Kundenorientierung. Nicht die Komplexitäten sollen im Vordergrund stehen, sondern die Dynamiken und die «fantastischen Möglichkeiten», so der Konzernchef vor den Medien in London.

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Neue Schwerpunkte

Die Grundpfeiler, auf denen die Strategie steht, nannte er bereits bei seiner Ernennung zum CEO vor rund einem Jahr. Er umschrieb sie damals mit den drei sogenannten Schwerpunktsbereichen profitables Wachstum, bereichsübergreifende Zusammenarbeit und konsequente Umsetzung. Während Spiesshofers Vorgänger Joe Hogan vor allem auf Zukäufe setzte, steht jetzt die Integration und Bereinigung im Vordergrund. Wachsen will ABB aber weiterhin.

Unterdessen feilen die Konzernverantwortlichen auch an der Struktur und den Geschäftsmodellen. Beispielsweise wird die ABB-Landkarte etwas gerafft: Aus einer Einteilung in bisher acht Regionen werden drei (Europa, Amerika, EMEA mit Afrika, Naher Osten und Asien). In der früheren Einteilung waren die Regionen Amerika, Europa und Asien zusätzlich unterteilt.

Von der Straffung versprechen sich die Verantwortlichen klarerer Zuständigkeiten, eine bessere Kundenorientierung und höhere Profitabilität. Ein Jobbau soll damit aber nicht einhergehen.

Divisionen bleiben

Die fünf Divisionen hingegen tastet der seit rund einem Jahr an der Spitze stehende Ulrich Spiesshofer nicht an. Selbst die Problemsparte Energietechniksysteme (Power Systems) bleibt im Portfolio. Sie schrieb in den letzten drei Quartalen Verluste, brockte ABB im Geschäftsjahr 2012 wegen eines Abschreibers von rund 350 Mio. Dollar einen tieferen Gewinn ein und durchläuft momentan ein Korrekturprogramm mit dem Namen «Change».

Spiesshofer glaubt an die Kraft dieser Division. «Ich liebe das Geschäft, aber nicht die Probleme der Vergangenheit», sagte er dazu vor Medien am Dienstag. Der Finanzchef Erik Elzvik sieht die Talsohle noch dieses Jahr durchschritten. Im vierten Quartal soll die Sparte die Gewinnschwelle erreichen. «Mindestens Break Even», prognostizierte er.

Finanzziele in etwa erwartet

Weiter gab ABB die Finanzziele für den Zeitraum 2015 bis 2020 bekannt. Die bisherigen Finanzziele (bis 2015) waren noch vom früheren Chef Joe Hogan formuliert worden. Eine Korrektur der Ziele nach oben hat kaum jemand erwartet. Die meisten Analysten gingen von einer ähnlichen oder gar pessimistischeren Sicht aus.

Beim Umsatz etwa geht ABB nun von einem Wachstum zwischen 4 und 7 Prozent aus. Bisher, also in der Spanne 2011 bis 2015, gab sich der Konzern mit einem organischen Wachstum von bis zu 8,5 Prozent optimistischer.

Die Zielgrösse für den Betriebsgewinn stellte Ulrich Spiesshofer indes um. Die Marge vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte (Ebita) wird elf bis 16 Prozent betragen. Sein Vorgänger Joe Hogan hatte ein Plus beim Betriebsgewinn (Ebitda) samt aller Wertberichtigungen von 13 bis 19 Prozent angepeilt. Nach wie vor peilt ABB eine jährliche Steigerung des operativen Gewinns pro Aktie (EPS) um 10 bis 15 Prozent an.

Teures Rückkaufprogramm

Der Investorentag ist von Analysten und Investoren ungeduldig erwartet worden. Zum einen stand zur Diskussion, was ABB mit seiner Problemsparte Energietechniksysteme vor hat, zum anderen gaben die vielen flüssigen Mittel des Konzerns zu reden. Möglich gewesen wäre eine Ausschüttung über eine Sonderdividende. Der Konzern hat sich aber nun für ein Aktienrückkaufprogramm entschieden. Mit 4 Milliarden Dollar fällt es höher aus als erwartet.

Drei Viertel des Rückkaufprogramms wird für die Reduzierung des Aktienkapitels eingesetzt, der Rest für die Unterstützung für Mitarbeiterprogramme, an denen rund 22'000 Mitarbeiter beteiligt sind.

Mit dem Rückkaufprogramm belohnt ABB die Aktionäre, denn werden eigene zurückgekaufte Aktien vernichtet, steigt bei gleichem Ergebnis der Gewinn pro Aktie. Das letzte Aktienrückkaufprogramm hatte ABB 2008 initiiert, davor eines 2001. Nur zwei Jahre später musste der Konzern dann allerdings seine Aktionäre via Kapitalerhöhung um 3,3 Milliarden Franken angehen. Asbestrisiken waren damals der Grund.

(sda/gku)