Wenige Tage vor dem Investorentag des Industriekonzerns ABB kochen Gerüchte hoch. Die schwedische Zeitung «Dagens Industri» hatte eine Meldung über Verkaufsgespräche verbreitet, und zwar unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten Insider. Die Investmentgesellschaft Cevian verhandle mit ABB-Konkurrenten über den Verkauf von Teilen der ABB-Stromnetzsparte.

Die Meldung fand ihren Weg schnurstracks in die Schweiz. In Industriekreisen wird dieses angebliche heimliche Werkeln von Cevian als absurd taxiert. Cevian halte derzeit nicht mehr als 6 Prozent an ABB und gebärde sich dennoch wie ein Mehrheitsaktionär. Schon macht das böse Wort von der «Finanzheuschrecke» die Runde. Den Begriff prägte vor über zehn Jahren der damalige Vorsitzende der deutschen SPD, Franz Müntefering.

Cevian bestreitet Gerüchte

Allerdings: Cevian findet die Gerüchte aus Schweden ebenfalls nur absurd. «Es ist völlig abwegig, dass wir solche Verkaufsgespräche führen würden», sagt ein Cevian-Sprecher zur «Schweiz am Sonntag». «Mit einem Anteil von 6 Prozent sind wir erstens nicht in der Position dafür», sagt er weiter. «Zweitens würde keine Firma ernsthaft mit uns solche Gespräche führen. Solche Gerüchte sollen wohl vom eigentlichen Thema ablenken: den Vorteilen einer Abspaltung.»

Im Artikel von «Dagens Industri» war Cevian-Direktor Christer Gardell nur verkürzt wiedergegeben worden. Was Cevian hingegen sehr wohl getan habe, so der Cevian-Sprecher, sei vor und nach dem Einstieg in ABB mit über 200 Industrievertretern intensive Gespräche geführt zu haben. Darunter seien auch ehemalige ABB-Kader gewesen und Vertreter von ABB-Konkurrenten.

Abwarten auf Investorentag

«Daraus ergab sich ein klares Bild: Die ABB-Zentrale verursacht den einzelnen Sparten exorbitant hohe Kosten.» Ein Verkauf der Stromnetzsparte würde daher dazu führen, so der Sprecher, dass die Stromnetzsparte von dieser Last befreit würde. «Die verbliebenen ABB-Sparten bekämen die Möglichkeit, die Zentrale auf eine vernünftige Grösse zu reduzieren.» Als Nächstes werde Cevian jedoch analysieren, welche Schritte ABB am Investorentag bekannt geben werde.

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(jfr)