Die Nachricht von Alstom kam unerwartet. 750 Stellen will der französische Industriekonzern in der Schweiz streichen, weltweit sogar 4000. Nun gibt der Industrieverband Swissmem Entwarnung: «Wir haben überhaupt keine Hinweise dafür, dass der Fall Alstom der Anfang einer grösseren Abbaubewegung in der Industrie ist», sagt Jean-Philippe Kohl, zuständig für Wirtschaftspolitik. Nicht alle Unternehmen können in gleichem Masse vom Aufschwung profitieren, und deshalb «kann es in Einzelfällen zu einschneidenden Massnahmen kommen».

Die grossen Industriekonzerne bestätigen das optimistische Szenario. «Wir haben offene Stellen. Ein Stellenabbau ist nicht geplant», sagt Lukas Inderfurth, Sprecher bei ABB Schweiz. Für 91 Stellen suche man Leute, zwei Drittel davon sollen Ingenieure sein. In den letzten Wochen hätten sich die offenen Stellen verdoppelt.

Auch bei Siemens klingt es besser als bei Alstom: «Bei Siemens Schweiz läuft das Geschäft je nach Division gut bis sehr gut. Ein Stellenabbau ist gar nicht geplant», so Sprecher Benno Estermann. Gleicher Ton auch bei Georg Fischer: Ein Abbau sei nicht geplant, und: «Je nach Geschäftsfeld verstärken wir uns punktuell bereits wieder.»

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Kein Niedergang der Industrie

In der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (inklusive Uhren) sind heute fast genau gleich viele Personen beschäftigt wie vor 10 Jahren. «Zyklusbereinigt zeigen die Zahlen keinen Niedergang in der Schweizer Industrie», so Kohl. Allerdings sei die Strukturbereinigung trotzdem im Gang. So würden eben immer mehr qualifizierte Jobs angeboten. Dies trifft die klassische Maschinenindustrie trotzdem. In diesem engeren Segment ging die Beschäftigung in den letzten 20 Jahren jährlich um durchschnittlich knapp 2% zurück. «Deshalb bestätigt der Abbau bei Alstom einen langfristigen Trend», sagt Urs Müller, Direktor der Konjunkturforschungsstelle Bak Basel. «Der Abbau ruft schmerzvoll in Erinnerung, dass ein leichter Strukturwandel in der Maschinenindustrie stattfindet.» Noch gibt es hier 100 000 Beschäftigte.

Auch die Konjunkturforschungsstelle Kof weist darauf hin, dass immer Bereiche expandieren und andere schrumpfen. Die Forscher gehen von einer rückläufigen Arbeitslosigkeit aus. Die Quote von 3,8% soll bis 2012 auf 2,8% sinken. Roland Aeppli von der Kof sagt: «Alstom ist nicht der Auftakt eines grossen Abschwungs oder einer Entlassungswelle.»