1. Home
  2. Unternehmen
  3. Abfall wird zum Wertstoff

Biogas
Abfall wird zum Wertstoff

Biogas-Anlage Werdhölzli, Zürich

Ende August 2013 nimmt in Zürich das grösste Vergärwerk mit Biogasaufbereitung der Schweiz offiziell den Betrieb auf.

Von Oskar E. Aeberli
am 05.06.2013

Wir fiebern der offiziellen Eröffnung der Biogasanlage Werdhölzli mit grosser Freude entgegen. Endlich können wir der Bevölkerung eine ökologisch optimierte – stoffliche und gleichzeitig energetische – Bioabfallverwertung bieten», bemerkt Helmut Vetter, Geschäftsführer der Biogas Zürich AG. Zur Vorgeschichte: Am 13. Januar 2011 haben die beiden Unternehmen Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) und die Erdgas Zürich AG die Biogas Zürich AG gegründet. In der Folge hat das Unternehmen in den letzten zwei Jahren die Organisation und die Infrastruktur geschaffen, damit sich sämtliche biogenen Garten- und Küchenabfälle aus den Haushalten der Stadt Zürich sammeln, verwerten und zu Biogas verarbeiten lassen.

Beitrag zu Zürichs 2000-Watt-Zielen

Das Baugesuch für das neue Vergärwerk mit Biogas-Aufbereitungsanlage reichte die Biogas Zürich im Dezember 2011 ein. Ab dem 24. August 2013 wird diese nun ihr Vergärwerk betreiben und die Bioabfälle zu Biogas und Dünger verarbeiten. Das erzeugte Biogas ist nahezu CO₂-neutral und leistet als erneuerbare Energie einen wichtigen Beitrag zu den 2000-Watt-Zielen der Stadt Zürich.

Das aus den Bioabfällen produzierte Biogas speist die Biogas Zürich ins Netz der Erdgas Zürich AG ein. «Im Endausbau wollen wir jährlich rund 55 000 000 Kilowattstunden Biogas produzieren, was einem Heizenergiebedarf von rund 5000 Wohnungen entspricht», schildert Vetter sein Produktionszenario. Das produzierte Biogas kann entweder zum Heizen, als Treibstoff oder für die Stromproduktion eingesetzt werden.

Verwertung von Bioabfall

Im alten Kompostierwerk Werdhölzli wurden bislang pro Jahr rund 14000 Tonnen Gartenabfälle verwertet. Im neuen Vergärwerk können künftig jährlich mehr als 25000 Tonnen Bioabfall verarbeitet und daraus Biogas gewonnen werden. Darüber hinaus werden Kompost, Gärgut und Bodenverbesserer hergestellt, die sich in der Landwirtschaft und im Gartenbau verwenden lassen. Die Stadtbevölkerung kann ihren Bioabfall aus dem privaten Haushalt bereits seit dem 1. Januar 2013 bei Biogas Zürich verwerten lassen.

Damit das möglich ist, hat die Stadt Zürich ein Bioabfall-Abonnement eingeführt, welches Sammlung, Transport und Verwertung der Bioabfälle umfasst. Das Bioabfall-Abonnement sowie weitere Dienstleistungen rund um Bioabfallsammlung und -transport können bei ERZ bezogen werden. Die bestehenden Gartenabfall-Kunden wurden direkt vom ERZ informiert. Kunden aus Gewerbe und Industrie sowie Gemeinden, die ihre Bioabfälle bei der Biogas Zürich AG anliefern und verwerten lassen möchten, können sich direkt an diese wenden.

Aufbereitung zu Biogas

Das bei der Vergärung des Bioabfalls entstehende Biogas wird zusammen mit dem Klärgas zu Bioerdgas aufbereitet. Biogas besteht im Wesentlichen zu zirka 60 Prozent aus Methan (CH₄) und bis zu 40 Prozent aus Kohlendioxid (CO₂). Ausserdem sind noch verschiedene Spurengase enthalten, deren Anteil insgesamt aber kleiner als 1 Prozent ist. Da das im Biogas enthaltene CO₂ zuvor von den pflanzlichen Bioabfallbestandteilen aus der Atmosphäre aufgenommen wurde, ist der Gesamtprozess der Vergärung CO₂-neutral.

Damit Biogas ins Erdgasnetz eingespeist werden kann, muss es so aufbereitet werden, dass es vergleichbare Eigenschaften wie Erdgas besitzt. Dies gilt insbesondere für den Brenn- oder Heizwert, die Zünd­fähigkeit und aus Sicherheitsgründen auch für den Geruch.

Mit der Biogas-Aufbereitungsanlage werden CO₂ und unerwünschte Spurengase reduziert, sodass der Methananteil auf mehr als 96 Prozent ansteigt. Dadurch ­erhöhen sich Heiz- und Brennwert auf vergleichbare Werte wie im Erdgas. Am Ende wird dem aufbereiteten Biogas ein Geruchsstoff zugegeben (Odorierung), bevor es als Biogas ins Netz eingespeist wird. Das Biogas kann von Kunden direkt über die Website von Erdgas Zürich AG bestellt werden.

Erdgas Zürich AG: Erneuerbare mit zweistelligem Wachstum

Grossversorger
Das Unternehmen versorgt 85 Gemeinden in den Kantonen Zürich, Aargau, St. Gallen, Schwyz und Glarus mit Erdgas und beschäftigt 176 Mitarbeitende. Im Geschäftsjahr 2012 erzielte die Erdgas Zürich AG einen Energieabsatz inklusive Wiederverkäufer von 6851 Gigawattstunden. Der Gesamtumsatz betrug 465,7 Millionen Franken. Der Absatz von erneuerbaren Energien wie Biogas und Holzpellets steigt inzwischen jährlich um zweistellige Prozentsätze. So haben sich 2012 rund 20 Prozent aller Erdgaskunden für ein Biogasprodukt entschieden.

Erdgas
«Der Erdgas-Absatz wird auf einem hohen Niveau bleiben», bilanziert Kurt Lüscher, Chef von Erdgas Zürich. «Unser Ziel ist es jedoch, den betriebswirtschaftlichen Erfolg auch langfristig zu sichern.» Deshalb setzt Erdgas Zürich vermehrt auf erneuerbare Energien und Energiedienstleistungen.

Biogas: Vereint positive Eigenschaften

Vorteile
Biogas vereint alle positiven Eigenschaften von Erdgas, es ist aber zusätzlich erneuerbar und klima-freundlich. Alle, die über einen Erdgasanschluss verfügen, können jetzt auch Biogas nutzen, ohne in die bestehende Anlage investieren zu müssen. Biogas lässt sich zum Heizen, Kochen und Auto fahren sowie für die Stromerzeugung einsetzen. Erdgas ­Zürich bietet beispielsweise diverse Varianten mit unterschiedlichem Anteil an Biogas an, derzeit 5, 20 oder 100 Prozent Biogas Naturemade Star. Von diesem Angebot können Liegenschaftsbesitzer sowie das Gewerbe, die Industrie und alle, die ein Erdgasauto fahren, gleichermassen profitieren – und zwar in der gesamten Schweiz. Aber auch Mieter und Stockwerkeigentümer können auf Biogas umsteigen, denn Erdgas Zürich bietet dieses nicht nur im Paket mit der Erdgaslieferung an, sondern auch separat.

Anzeige