Der neue Stellenbarometer der «Handelszeitung» für 2009 belegt, dass viele Schweizer Konzerne zumindest bei der Nachwuchsförderung der Finanz-krise trotzen (wollen). Die um sich greifenden Spar- und Abbautendenzen betreffen ihnen zufolge bislang nicht die Jobs für die Studienabgänger, so der Tenor der antwortenden Unternehmen auf die Erhebung, die bei mehreren 100 Firmen durchgeführt wurde.

Dennoch wird für die Hochschulabsolventen der Einstieg ins Berufsleben anspruchsvoll: Die Anforderungen der Arbeitgeber steigen, da sie weiter aus einem grossen und konstant wachsenden Angebot auswählen können. Das Wirtschaftstief macht den Studienabgängern das Leben nicht leichter. Besonders angespannt scheint die Lage im Finanzsektor.

Thorsten Thiel, Leiter des Career Services Centers der Universität St. Gallen (HSG), ist aber überzeugt, dass die Hochschulabsolventen sich bereits auf das neue Szenario eingestellt haben. Wie gut sie durch Medienberichte sowie eigene Recherchen informiert seien, habe der akademische Nachwuchs kürzlich an den Investment-Banking-Tagen der HSG bewiesen. «Studenten und Unternehmen gehen davon aus, dass die Finanzkrise und deren Folgen auf die Arbeitsmarktchancen Auswirkungen haben werden», betont Thiel.

Anzeige

Die Diskussionen auf dem Campus hätten gezeigt, dass sowohl Studierende als auch Banker die aktuelle Lage alles andere als rosig sehen. Die meisten Finanzinstitute halten die Mitarbeiterzahl aber konstant. Sie scheinen aus den Erfahrungen früherer Jahre gelernt zu haben, schliesslich werde der Bedarf wieder steigen. «Daher ist ein Rekrutierungsstopp kein Thema», so Thiel.

Und was meint dazu die direkt betroffene UBS? Petra Bitzer-Gross, Head Recruitment Switzerland der UBS, erklärt im Interview mit der «Handelszeitung»: «Wir wollen nach wie vor die gleiche Anzahl Hochschulabsolventen und Praktikanten einstellen.» Gerade in schwierigen Zeiten sei der akademische Nachwuchs eine der wichtigsten Ressourcen. Neben der UBS hat sich die «Handelszeitung» bei den Banken CS und ZKB erkundigt, zudem bei den Versicherern Allianz Suisse, Axa Winterthur, Bâloise, Helvetia und Zurich

Das Fazit: Die Frage, ob die Studienabgänger auf die Turbulenzen des globalen Finanzmarktes derzeit eher kritisch zurückhaltend reagieren, wird von den befragten Firmen meistens verneint. Wie vor einem Jahr stehen die Finanzdienstleister bei den Hochschulabsolventen hoch im Kurs. Umgekehrt sieht es ähnlich aus.