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Justiz
Abgas-Skandal löst Klagewelle gegen VW aus

Auf den Autokonzern Volkswagen rollt in den Vereinigten Staaten eine Klagewelle zu. Allein in dieser Woche wurden schon über 60 Klagen deponiert.

Von Christian Bütikofer
am 25.09.2015

Die manipulierten Abgas-Tests von Volkswagen in den Vereinigten Staaten bedeuten wohl die grösste Krise in der Geschichte des deutschen Konzerns. VW-Chef Martin Winterkorn musste das Steuer aus der Hand geben, doch der Skandal ist längst nicht ausgestanden.

Die Manipulation dürfte die Firma juristisch noch über Jahre begleiten, insbesonderen in den USA. Seit dem Wochenende bis gestern Donnerstag sind bei US-Gerichten nicht weniger als 64 Zivilklagen wegen Betrugs oder Produktehaftung («Contract Product Liability») gegen die amerikanische Volkswagen-Tochter und den deutschen Mutterkonzern eingegangen. Das zeigen offizielle Gerichtsdaten, die handelszeitung.ch vorliegen. Ein Ende der Eingaben ist nicht abzusehen, betrifft die Schummelei doch in den USA mindestens 482'000 VW-Autos und die Sammelklage-Anwälte gehen entsprechend in Stellung.

Abweichungen interessierten niemanden

Derweil wird immer offensichtlicher, dass massive Abweichungen bei Abgastests nicht etwa die Ausnahme, sondern die Norm sind. Wie der grösste deutsche Automobilclub ADAC auf seiner Homepage schreibt, fallen bei den ADAC-EcoTests den Experten immer wieder hohe Abweichungen von den Herstellerangaben auf. Der Club setze sich seit Jahren für «realitätsnahe» Abgas- und Verbrauchsmessungen ein.

Ironischerweise waren es laut «The Guardian» bisher die wichtigsten europäischen Autoexportländer Frankreich, Grossbritannien und Deutschland (mit Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel), die sich weigerten, Schlupflöcher bei den Abgabetests zu stopfen. Jetzt sind es diese Länder, die am lautesten und sofort Aufklärung fordern.

Software schwierig zu beheben

Wie Volkswagen unzufriedene Kunden entschädigen wird, steht noch in den Sternen. Klar ist, dass sich der Konzern um Schadenersatz auch in Europa nicht drücken kann. Die deutsche Regierung schliesst nicht aus, dass deutschen Verbrauchern aus dem VW-Abgas-Skandal Schadenersatzansprüche entstehen. Wenn eine Kaufsache nicht die vereinbarte Beschaffenheit habe, verletze der Verkäufer seine Pflicht, sagte ein Sprecher des Justizministeriums in Berlin.

Einfach wird VW den Mangel aber nicht beheben können. Denn schon im Dezember 2014 sowie im April 2015 versuchte das Unternehmen, die manipulierte Software mit einem Update zu korrigieren. Beide Male blieb es beim Versuch. Das Unterfangen ist delikat: Ändert man die Software, verändert sich auch die Charakteristik des Autos.

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