Fast ein Jahr ist es her, als bei Volkswagen die grösste Krise der Konzerngeschichte begann. Die us-amerikanische Umweltbehörde fand Mitte September heraus, dass der deutsche Fahrzeughersteller bei Millionen von Autos die Abgaswerte manipuliert hatte.

Der Skandal hatte für VW milliardenhohe Bussen, riesige Kosten und einen grossen Imageschaden zu Folge. Gemäss einer Studie des Vergleichsdiensts Comparis nahm in der Schweiz aber nicht nur der Ruf des Unternehmens Schaden: Auch die Occasionspreise für die zehn vom Skandal betroffenen Automodelle aus dem VW-Konzern sind demnach deutlich gesunken. Das zeigt eine Analyse von rund 220'000 Inseraten auf den acht grössten Online-Automärkten der Schweiz.

VW-Golf über die Hälfte günstiger

Die zehn Dieselautos des VW-Konzerns verbilligten sich demnach zwischen August 2015 und August 2016 um 26 Prozent. Beim bekanntesten VW-Modell, dem VW Golf, sank der Preis innert Jahresfrist sogar um 53 Prozent (betrachten Sie die Preisrückgänge je nach Modell in der Bildergalerie). Bei den Diesel-Occasionen anderer Hersteller sanken die Preise hingegen nur um vier Prozent.

Comparis führt den starken Preisrückgang bei den VW-Gebrauchtwagen auf den Abgasskandal zurück – der Vergleichsdienst räumt aber gleichzeitig ein, dass auch andere Faktoren eine Rolle spielten: Die VW-Hersteller lancierten verschiedene neue Modelle, zudem hatte auch der Wechselkurs einen Einfluss.

Comparis sieht auch einen Effekt bei den Benzinfahrzeugen – obwohl sie in der Schweiz nicht vom Skandal betroffen waren. Bei den gleichen zehn Automodellen in der Version mit Benzinmotor stagnierten die Gebrauchtpreise seit letztem Sommer. Die Modelle der Konkurrenten verteuerten sich im Gegensatz dazu um sechs Prozent. Comparis erklärt dies mit dem Reputationsschaden, den der Skandal VW zugefügt hat.

Für Amag «nicht nachvollziehbar»

Für den Schweizer VW-Importeur Amag ist die Studie nicht nachvollziehbar. «Wir haben keine markanten Preisveränderungen gegenüber den Mitbewerbern und dem Markt festgestellt», sagte Sprecher Dino Graf auf Anfrage von handelszeitung.ch.

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Laut Amag verkaufen sich die VW-Marken in der Schweiz weiterhin gut – der Absatz entwickle sich ähnlich wie im Jahr 2014. Doch auch Amag glaubt, dass der Ruf des Konzerns gelitten hat. Nach Einschätzung von Amag-Chef Morten Hannesbo wird es vielleicht Jahre dauern, bis VW das Vertrauen der Kunden vollständig zurückgewinnt.

Comparis hat die Studie nach der Kritik des Importeurs überarbeitet. «Entgegen den Aussagen der Amag basieren die Zahlen auf einer zuverlässigen Datengrundlage», schreibt der Vergleichsdienst in einer Mitteilung.

(mbü)