Sehr rasch hatte der neue Besitzer IBM die Hausaufgaben gemacht: Anfang Februar ergänzte IBM die fehlenden Elemente der Produktestrategie für Cognos, den kanadischen Hersteller von Business-Intelligence-Software, mit der Firmen ihre Daten analysieren, um ihren Verkaufserfolg zu verbessern: «Big Blue» übernahm im November 2007 Cognos. Gleich zu Beginn überraschte IBM die Analysten (siehe Kasten) positiv mit einer ganzen Reihe neuer Produkte und Dienste, inklusive zehn neuer oder erweiterter IBM-Angebote, sechs kombinierter IBM-Cognos-Produkte und Infrastruktur-Dienste, die im Rahmen der «Information on Demand»-(IoD)Initiative vorbereitet worden waren. So wird die jüngste Cognos-8-Lösung zusammen mit den IBM-Warehouse-Lösungen InfoSphere oder in Verbindung mit dem Dashboard Accelerator angeboten.

Der SAP-Pipeline-Trick

Beim letzten Vergleichsquartal, bei dem beide Firmen unabhängig gewesen waren, hatte Cognos mit soliden Umsatz- und Gewinnzahlen positiv überrascht, Business Objects, das kurz vor der Kaufankündigung durch IBM von SAP geschluckt worden war, dagegen arg enttäuscht. In der Schweiz war der Geschäftsgang laut Sprechern von Cognos und Business Objects jeweils deutlich besser als auf Konzernebene.

Mitte Januar meldete SAP den guten Abschluss der Business-Objects-Übernahme. Mit über 87% auf Anhieb angedienten Aktien war das Ziel, 50% plus 0,01%, locker übertroffen worden. Ende Januar kündigte SAP denn auch neun gemeinsame Produkte an.

SAP hatte für das Jahresende ein sehr gutes Ergebnis gemeldet. Nur einzelne Analysten wiesen darauf hin, dass es sich hier zumindest im Business-Intelligence-Bereich um einen «Ausverkauf» gehandelt haben könnte, weil viele Verkäufer ihre Pipelines leeren, um noch einmal einen guten Bonus einzustreichen. Diesen Effekt hatte es immer wieder gegeben, auch als Oracle vor vier Jahren PeopleSoft übernommen hatte. Mit der möglicherweise ausgedünnten Pipeline steht SAP/Business Objects vor der Aufgabe, sie wieder zu füllen. Und wenn sich das in den Zahlen der ersten beiden Quartalsabschlüsse niederschlägt, dürften wieder Stimmen aufkommen, die SAP vorwerfen, ein relativ schwachmargiges Geschäft zu teuer gekauft zu haben.

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Solcher Kritik musste sich Oracle auch stellen, als der Datenbankspezialist vor vier Jahren anfing, das anämische Applikationsgeschäft durch eine ganze Reihe von Spezialisten (Siebel für CRM-Software, Hyperion für Business Intelligence) und Generalisten (PeopleSoft) zu ergänzen. Nach einigen Umstellungen – Veteranen von Oracle und den übernommenen Firmen berichten von anfänglichen Integrationsproblemen, die aber mit jedem Zukauf geringer wurden – bringt Oracle im Grosskundengeschäft seine Business-Intelligence-Produkte seit einem Jahr so gut an die Kunden, dass dieser Bereich zu einem der Wachstumstreiber aufgerückt ist.

Weniger funktional

Und wie sollen Kunden entscheiden? Die Marktforscher von Gartner haben Anfang Februar den jüngsten Vergleich der Business-Intelligence-Plattformen veröffentlicht. Oracle/Hyperion, Business Objects und Cognos werden als praktisch gleichwertig bezeichnet, SAS ist hinsichtlich der technologischen Vision etwas voraus, Microsoft liegt beim Umsatz durch das Massengeschäft in Führung. Knapp in den «magischen Quadranten» schafft es Microstrategy, das in seinen White Papern ausführlich auf die Unzulänglichkeiten der Konkurrenzprodukte (Skalierbarkeit, Security usw.) hinweist.

Bezüglich Business Objects weist Gartner vor allem auf die Folgen der Akquisition durch SAP hin. Weiter werden die «Herausforderungen» und Kosten der Kunden beim Umstieg auf die Version XI kritisiert. «Etliche grosse Kunden hatten die Probleme mit der Konfiguration, der Implementierung und dem Support artikuliert», heisst es im Gartner-Bericht. Das «late» SAP-Business-Intelligence-Tool wird von den Analysten übrigens als «signifikant» weniger funktional beschrieben als die Produkte der Spezialisten, zudem war es viel schwieriger zu implementieren.

Bei Oracle-Hyperion vermerken die Analysten eine «Wait and see»-Haltung bei den Kunden. Die Hyperion-Kunden hatten bereits vor der Übernahme durch Oracle nur zögerlich auf die jüngste Produkteversion gewechselt. Im laufenden Jahr warten offenbar etliche Kunden weiter zu, um zu prüfen, wie die Integration der unterschiedlichen Oracle-Produktelinien vorangetrieben wird. Auf jeden Fall verdienen die Oracle-Kunden laut den Gartner-Analysten einen besseren Support; vor allem der technische Support erwies sich bei der Befragung als schwach. Und etliche «alte» Hyperion-Brio-Kunden pochen auf ihr zugesichertes Gratis-Upgrade auf die Hyperion-Version 9, das sie jetzt offenbar nicht (mehr) bekommen.

Hürdenlauf in die engere Wahl

Microsoft ist, jedenfalls was die Technologie betrifft, noch am Aufholen, schreiben die Analysten. Vor allem beim Metadaten-Management, beim Reporting sowie beim Dashboard besteht laut Gartner ein beträchtlicher Rückstand. Für die kommenden Jahre erwarten die Analysten, dass Microsoft hier aufholen wird und mehr Funktionalitäten integriert.

Bei SAS bildet die Programmiersprache, die erforderlich ist, um die Tools richtig bedienen zu können, eine Barriere für den weiten Gebrauch in Firmen. Und obwohl SAS eine Reihe von Entwicklern beschäftigt, schafft es das Unternehmen oft auch bei Firmenkunden, wo die Voraussetzungen günstig wären, nicht auf die Shortlist für Reporting und Business-Intelligence-Aufträge. Einige wichtige Features wie Support für Kaskaden-Promts oder inkrementelle Cubes-Updates fehlen; aber die Version 9.2, die für Mitte Jahr fällig ist, soll einige Lücken schliessen. Und die proprietäre Architektur bildet eine weitere Hürde.

Microstrategy schliesslich vertraut auf seine eigene Business-Intelligence-Lösung. Auf dem Markt hat das Unternehmen den Ruf, eher teuer und ein schwieriger Verhandlungspartner zu sein, wenn es um Rabatte geht. Nachträgliche Preisanpassungen haben viele Kunden verärgert. Hinzu kommt die eklatante Schwäche in weiteren Bereichen wie Corporate Performance Management und Datenintegration. Damit fliegt Microstrategy automatisch aus der engeren Wahl der potenziellen Kunden, die eine breite und integrierte Lösung suchen. Und die Konzentration auf ausgewählte Branchen sowie einige wenige Regionen weltweit bilden eine weitere Schwäche. Oder eine Stärke, wenn ein potenzieller Käufer ein Unternehmen mit möglichst wenig Überlappungen integrieren möchte.