Die Elefantenhochzeit ist abgeblasen: Die beiden US-Ölfeldausrüster Halliburton und Baker Hughes haben die vor eineinhalb Jahren geschlossene Fusionsvereinbarung aufgelöst. Halliburton muss deshalb eine Konventionalstrafe in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar zahlen.

Das Ende der Liebe hinterlässt aber auch bei der Credit Suisse ein Loch im Portemonnaie. Die Schweizer waren – zusammen mit der Bank of America Meryll Lynch – der Finanzberater von Halliburton. Goldman Sachs war der Partner für Baker Hughes. Alle drei Banken müssen auf Einnahmen in Millionenhöhe verzichten.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Verluste im zweistelligen Millionenbereich

Experten beziffern die Verluste bei der Credit Suisse auf einen mittleren, zweistelligen Millionenbetrag. «Normalerweise erhalten Berater ein Honorar in Höhe von 1 bis 2 Prozent des Übernahmewertes» sagt Andreas Brun, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Bei einer Dealsumme von zuletzt geschätzt rund 27 Milliarden Franken macht das einen Betrag von 270 bis 540 Millionen Franken.

Den grössten Anteil hätte Goldman Sachs gehabt, weil die US-Investmentbank alleiniger Berater von Baker Hughes war. Am wenigsten hätte die Bank of America davongetragen. Die Credit Suisse befindet sich als führende Konsortialbank dazwischen. Andreas Venditti, der Experte von der Bank Vontobel, bestätigt die Rechnung. Die genaue Summe sei schwer abzuschätzen, weil die Grossbank keine Zahlen kommuniziere und die Summen, die in solchen Deals bezahlt würden, von Fall zu Fall variierten.

Credit-Suisse-Chef Thiam setzt auf Beratungsgeschäft

«Man muss den Ausfall aber in Relation sehen», sagt Venditti. Denn insgesamt hat die Credit Suisse mit ihrem Beratungsgeschäft im vergangenen Jahr 700 Millionen Franken eingenommen. Die fehlenden Millionen bewegen sich also im einstelligen Prozentbereich der jährlichen Einnahmen, betonen Venditti und Brun gleichermassen. Das Beratungsgeschäft gehört zur Division Investment Banking & Capital Markets, dort beliefen sich die Einnahmen 2015 auf 1,8 Milliarden Franken. Konzernweit liegen die Einnahmen bei über 23 Milliarden Franken.

Das Ende des Öldeals tangiert das Gesamtergebnis der Credit Suisse insofern kaum. Die Experten ändern deshalb nichts an ihrer Einschätzung für das kommende Jahr. ZKB-Analyst Brun wertet positiv, dass der Deal am Widerstand der Kartellbehörden gescheitert ist – und nicht etwa an einer Unzulänglichkeit seitens der Credit Suisse. Dies gilt umso mehr, als die Kredit- und Beratungsaktivitäten zu den strategischen Schwerpunkten in der Konzernstrategie von CEO Tidjane Thiam zählen. Die Einheit ist auch vom Sparwahn ausgenommen. Thiam sagte verschiedentlich, dass er in diesem Bereich sogar Personal aufbauen möchte.

Halliburton-Aktie verliert fast 20 Prozent

Das Platzen des Öl-Deals wird denn auch an der Schweizer Börse ruhig aufgenommen. Die Credit-Suisse-Aktie sinkt zwar bis zum Mittag um ein halbes Prozent und gehört damit zu den schwächsten Titeln im Swiss Market Index (SMI). Julius Bär und UBS tendieren aber ebenfalls schwächer als der Gesamtmarkt.

Geschockt reagieren dagegen die Anleger von Halliburton. Die geplatzte Fusion brockt dem Papier im vorbörslichen US-Geschäft den grössten Kurssturz seit der Lehman-Pleite ein. Die Aktien verlieren fast einen Fünftel ihres Werts. Baker Hughes fallen um über 4 Prozent.