Totgesagte leben länger. Wie in jeder ökonomischen Krise wurde auch 2008 das Ende des Booms verkündet - ein Irrtum. 2009 war das Angebot an Jobs für Masters of Business Administration (MBA) deutlich höher als in der wirtschaftlich schwierigen Zeit zwischen 2002 und 2004.

Doch diesmal war der Rückgang in der Finanzindustrie besonders schmerzlich spürbar, dafür stellten Beratungsunternehmen und die Industrie mehr MBA-Absolventen an als in den Jahren zuvor, allerdings ohne den Verlust an Stellen in Banken wettzumachen. Auch die Branchen Gesundheit, Energie und Hightech steigerten die Zahl der MBA. Die Business Schools könnten also wie seinerzeit Mark Twain, als er die eigene Todesanzeige in der Zeitung gelesen hatte, kommentieren: «My death was an exaggeration.» Anders als der Autor dürften sie danach noch mehr als 13 Jahre weiterleben. Schliesslich ist der MBA bereits über 100 Jahre alt.

Die Trends des letzten Jahres hat der Graduate Management Admission Council (GMAC) erhoben, die weltweit grösste Vereinigung der MBA-Anbieter. An den Schulen ausserhalb der USA hatten 2009 knapp 54% der Studierenden noch vor dem Abschluss eine passende Stelle gefunden, 2008 waren es 64%. Sagenhafte 98% der befragten Unternehmen weltweit bekräftigten, dass sie mit der Ausbildung höchst zufrieden seien.

Anzeige

Der Titel kann eine Rolle spielen

In der Schweiz fehlen entsprechende Zahlen. Das mag daran liegen, dass der MBA hier nie eine Bedeutung wie in den angelsächsischen Ländern hatte. Der Titel wird in den Unternehmen zwar geschätzt, aber er ist nur eines der Kriterien, die für eine Anstellung zählen. Novartis zum Beispiel geht es in erster Linie darum, die fähigsten Mitarbeiter zu gewinnen und ihrem Talent entsprechend im Konzern weiterzuentwickeln.

Aber «gerade in Stabsfunktionen kann ein MBA sinnvoll sein und wird sowohl bei der Rekrutierung neuer Mitarbeitender als auch bei internen Weiterbildungsmassnahmen berücksichtigt», sagt Satoshi Sugimoto, Sprecher von Novartis. «Es gibt MBA-Recruting-Programme an ausgewählten Business Schools, aber auch die Möglichkeit einer MBA-Ausbildung für Novartis-Mitarbeitende im Rahmen ihrer Karriereentwicklung.» Denn «Mitarbeitende, die über einen MBA verfügen und ihre Kenntnisse effizient in ihrem Aufgabenfeld einbringen können, geniessen eine hohe Akzeptanz».

Bei Zurich Schweiz ist der MBA eine wichtige Qualifizierung und kann bei Entscheidungen über die Besetzung von Führungspositionen eine Rolle spielen. Allerdings ist er «nur ein Teilaspekt eines Gesamtprofils», sagt Sprecher Adriano Pavone. «Bei der Rekrutierung von Mitarbeitenden rückt Zurich Schweiz nebst Qualifikationen insbesondere Berufserfahrung, Persönlichkeit und Sozialkompetenz in den Vordergrund.»

ABB Schweiz setzt für keine Funktion oder Position im Unternehmen einen MBA voraus. «Der Abschluss ist ein Indiz unter anderen für Durchhaltewillen», sagt Sprecher Lukas Inderfurth. «Ob jedoch ein Mitarbeitender bei ABB Schweiz Karriere macht, hängt nicht allein von einem MBA ab. Wichtig ist der gesamte Leistungsausweis.»

Anders als im Consulting und in der Executive Research - bei McKinsey, Boston Consulting oder Zehnder beispielsweise - ist der MBA in kaum einem Schweizer Unternehmen für eine Managerkarriere vorausgesetzt. Wenn aber einmal entschieden ist, dass der Executive MBA den Aufgaben von Mitarbeitern und dem Ziel der Firma entspricht, dann setzen sich die Arbeitgeber finanziell und beratend dafür ein. Etwa ABB Schweiz: «Wenn es um eine Weiterbildung über längere Zeit geht, etwa ein MBA oder ein Nachdiplomstudium, setzen sich Mitarbeitende, Vorgesetzte und Personalverantwortliche zusammen und legen den Umfang der finanziellen und zeitlichen Unterstützung durch die Firma fest», sagt Lukas Inderfurth.

Anzeige

Dann wird aber auch evaluiert. Manche Unternehmen profitieren von einer langen Erfahrung oder sogar Zusammenarbeit mit bestimmten Business Schools, Novartis beispielsweise steht in engem Kontakt mit Insead in Fontainebleau bei Paris und Harvard in den USA. Alle werten die Erfahrungen ihrer Mitarbeiter aus und geben den Schulen je nach den Ergebnissen der Evaluation inhaltliche Empfehlungen.

Leistung ist für den Lohn wichtig

So sehr der MBA also für einen kleinen Kreis an Führungskräften geschätzt ist - auf den Lohn hat der Abschluss in der Regel keine direkten Auswirkungen. Ein Beispiel für viele: «Novartis verfolgt seit Jahren eine Gehaltspolitik, die sich an der individuellen Leistung und dem Markt orientiert und über eine Bonuskomponente das Geschäftsergebnis reflektiert.»

Das entspricht den Erkenntnissen des Schweizer Professors Stefan Wolter, Leiter der Forschungsstelle für Bildungsökonomie der Universität Bern: «In der Schweiz ist der MBA zu wenig verbreitet, um seine Rendite zuverlässig zu berechnen. Der Abschluss erhöht möglicherweise die Chance, Karriere zu machen, jedenfalls in den USA. Ob ein allfällig höherer Lohn eine direkte Folge des MBA ist, lässt sich aber kaum nachweisen.»

Anzeige

Wer also allein wegen des Geldes einen MBA macht, geht möglicherweise fehl. Aber wer so denkt, wäre bei den Firmen ohnehin nicht besonders gefragt.

 

 

NACHGEFRAGT


«Bedeutung des MBA ist vom Anbieter abhängig»

Reto Imhasly ist Leiter Fachführung Bildungslandschaft bei der UBS in Zürich.

Gibt es Abteilungen in Ihrem Konzern, in denen ein Master of Business Administration (MBA) oder ein Executive MBA (EMBA) für bestimmte Funktionen oder Positionen vorausgesetzt ist?

Reto Imhasly: Die Linienvorgesetzten entscheiden, welche Anforderungen sie an Ausbildung sowie Abschluss an die Kandidaten stellen.

Ist es für Sie wichtig, an welcher Schule ein entsprechender Titel erworben wurde?

Imhasly: Die Bedeutung des MBA-Abschlusses ist vom Renommee des Anbieters abhängig. Die UBS empfiehlt in der Schweiz daher etablierte Executive-MBA-Programme der entsprechenden Universitäten. Empfehlenswert können auch Executive-MBA-Programme von Fachhochschulen sein, die ebenfalls über langjährige Erfahrung verfügen.

Anzeige

Unterstützt die UBS ihre Mitarbeitenden aktiv, die einen Executive MBA machen wollen?

Imhasly: Ja, aber das gilt für einen engen Kreis an Mitarbeitern im oberen Kader, die in Schlüsselfunktionen tätig oder dafür vorgesehen sind. Nur sie können das erworbene Wissen in der Praxis anwenden und vom internationalen Networking profitieren. In der Schweiz werden pro Jahr mehrere Mitarbeiter an Executive-MBA-Programme entsandt.