Vor allem seit dem «Bärenmarkt» im Jahr 2000 verlangen die Investoren vermehrt nach einem Ansatz, der unabhängig von der allgemeinen Marktentwicklung einen positiven absoluten Ertrag erzielt und nicht einfach nur einen geringeren Verlust. Was den Absolute- Return-Strategien zu einem eigentlichen Aufschwung verholfen hat. Diese setzen dabei auf ein breites Anlagespektrum, das sich nicht nur auf traditionelle Anlageklassen wie Obligationen und Aktien beschränkt, sondern auch Instrumente und Strategien einbezieht, wie sie von aktiven Hedge-Fonds eingesetzt werden.


Erweitertes Produktespektrum

Gemeinsames Ziel von Absolute-Return-Produkten ist das beste Risiko- bzw. Ertragsprofil. Dies geschieht durch die Diversifikation in verschiedene Investmentstrategien und ein striktes Risikomanagement. Investiert wird in ein breites Spektrum von tief korrelierten Anlageklassen wie Immobilien, Rohstoffe, Fremdwährungen, Private Equity und Hedge-Fonds sowie in traditionelle Sektoren.


Trennung von Beta und Alpha

Ursprünglich strebten Absolute-Return-Produkte den Ertrag aus einer Geldmarktanlage plus einen zusätzlichen Return mit begrenzter Volatilität an; dies im Rahmen eines kurzfristigen Anlagehorizonts von kaum mehr als einem Jahr. Mit der Zeit erweiterte sich das Produktespektrum. Ein Beispiel dafür sind Strategien, welche die Inflationsrate übertreffen wollen. Dies mit der Idee, langfristig die Kaufkraft zu erhalten und kurzfristig die Volatilität zu reduzieren. In diesem Fall beträgt der Anlagehorizont mehr als drei Jahre.

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Ein Hauptanliegen des Absolute-Return-Ansatzes liegt in der Trennung des Ertragsmanagements, das sich aus der generellen Marktentwicklung ableitet (Beta), und jenem, das dem individuellen Geschick des Portfoliomanagers zu verdanken ist (Alpha). Das Beta-Exposure wird, wie zuvor erwähnt, durch ein langfristiges Engagement in tief korrelierte Anlagen erreicht. Das Alpha-Exposure ergibt sich dagegen aus einem aktiven Management der Portfoliostrukturierung.

Die Portfoliobetreuung richtet sich, aufgrund des Risikos, dass das Resultat von diesem abweichen könnte, nicht nach einem Benchmark. Vielmehr orientiert man sich an einem Risikobudget, das Volatilitätsgrenzen setzt, sowie an einem Zielertrag und einem definierten Investitionshorizont. Das auf eine bestimmte Strategie abgestimmte Risikobudget hängt vom Vertrauensbereich, der Fähigkeit des Portfoliomanagers, einen positiven Ertrag zu erzielen, sowie von der Grösse des gesamten Anlagespektrums ab. Jeder einzelne Risiko- und Performancefaktor wird isoliert und separat betrachtet. So analysiert man beispielsweise ein Aktienengagement in einer bestimmten Region auf der Basis der lokalen Währung, während das allgemeine Währungs-Exposure unabhängig davon gesteuert wird.


Hilfreiche neue Instrumente

Investieren nach dem Absolute-Return-Ansatz profitiert vom Aufkommen einer ganzen Reihe neuer Finanzinstrumente. Ein wichtiges Beispiel sind Real Estate Investment Trusts (REITs). Diese öffentlich gehandelten Gesellschaften, die Immobilieninvestitionen betreuen, breiten sich zurzeit weltweit rasch aus.

Dank ihrer im Vergleich zur Direktanlage in eine Immobilie höheren Liquidität ermöglichen REITs dem Manager, Immobilienstrategien in Portefeuilles nach dem Ansatz des Absolute Return einzubeziehen. Zurzeit sind nur gerade 6% der weltweiten Immobilieninvestitionen von 6 Billionen Dollar in Anlageinstrumente verbrieft. Deshalb ist damit zu rechnen, dass die Anlageklasse Immobilien zu ei-nem zentralen Element der Portfoliobildung für Absolute-Return-Strategien wird.

Im Segment Rohstoffe wurde Ende 2006 eine breite Palette von Exchange Traded Funds (ETFs) lanciert, die weltweit die hauptsächlichen Rohwarenbereiche (Energie, Edelmetalle, Industriemetalle, Landwirtschaft, Vieh) sowie spezielle Rohstoffe wie Getreide, Kupfer oder Benzin abdecken. Dieses neue Angebot hat die Zugänglichkeit zu diesem Markt substanziell gesteigert, indem sich vor allem die operationellen Risiken sowie die Aufbewahrungs- und Transaktionskosten reduzieren lassen.


Indizes nach Hedge-Fonds-Art

Eine weitere interessante Quelle zur Erzielung eines Alpha-Ertrags sind Produkte, die sich auf Hedge-Fonds-Strategien stützen. Solche Produkte basieren auf Indizes, die Strategien nachbilden, wie sie in ähnlicher Weise von aktiven Hedge-Fonds angewendet werden. Dabei zeichnen sie sich durch eine vollständige Transparenz aus und eliminieren die Risiken, die sich durch individuelle Anlagestile und die Auswahl des Managers ergeben. Zudem sind sie kostengünstiger als aktiv verwaltete Hedge-Fonds. Seit Beginn 2007 hat Merrill Lynch eine Reihe solcher Index-Produkte lanciert, die einen Long/Short-Index, Equity Volatility-Arbitrage und Fremdwährungs-Arbitrage umfassen.

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Jean-Mark Lueder, Portfoliomanager, Merrill Lynch Bank (Suisse), Zürich.